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Lübeck Heiße Spur nach Betrug an Rentnerin
Lokales Lübeck Heiße Spur nach Betrug an Rentnerin
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20:20 07.04.2017
Gesucht wird dieser Mann. Quelle: LKA
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Lübeck/Berlin

Er erzählte der Frau von einer bereits geschnappten bulgarischen Verbrecherbande, bei denen man ihre Kontodaten gefunden habe. Da Gefahr bestünde, dass das Bankkonto geplündert werde, habe man das BKA eingeschaltet.

Der Mann meldete sich mehrmals täglich, terrorisierte die Frau regelrecht mit seinen Schauermärchen. „Die 80-Jährige“, so sagte damals Polizeisprecherin Anett Dittmer, „hat sogar Angst um ihre Angehörigen gehabt, so dass sie sich zunächst niemandem anvertraute.“ Stattdessen hob sie auf Geheiß des falschen Kommissars insgesamt 180000 Euro von ihrem Konto ab. Das Geld sollte „überprüft“

und „markiert“ werden. Als sie die Umschläge mit dem Geld dann zurückbekommen hatte, stellte sie fest, dass sich darin nur wertlose Papierschnipsel befanden. Eine Masche, die laut Dittmer „an Dreistigkeit nicht zu überbieten“ gewesen sei. Zumal der Mann sogar seine Telefonnummer verschleiert hatte: Statt der wahren Rufnummer wurde die Nummer 0451/110 angezeigt. „Call-ID-Spoofing“ nennt man dieses Vorgehen.

„Wegen einer Serie ähnlich gelagerter Fälle in Schleswig-Holstein hatten dann Spezialisten des Landeskriminalamtes die Ermittlungen übernommen“, berichtet nun LKA-Sprecher Uwe Keller. Und tatsächlich haben die monatelangen Recherchen in Zusammenarbeit mit dem Berliner LKA jetzt zu einer heißen Spur nach Berlin geführt: „Der Täter benutzte im Dezember 2015 einen weißen Smart for two mit Berliner Kennzeichen“, berichtet Keller. Die an einer Tankstelle bei Lübeck aufgenommenen Fotos einer Überwachungskamera zeigen diesen Mann, unmittelbar bevor er das Geld von seinem Opfer abholte.

„Tatsächlich wurden im Raum Lübeck und Ratzeburg in den letzten Jahren vermehrt Betrugsfälle mit genau dieser Masche verzeichnet“, berichtet Keller. Zwar sei für die Täter immer nur eine ganz kleine Zahl ihrer Versuche erfolgreich, diese seien für die Betroffenen aber besonders schmerzlich.

„Bei Anrufen von echten Polizeibeamten würde übrigens niemals die Rufnummer 110 angezeigt“, betont Keller. Dies sei immer ein klarer Hinweis auf Betrug. Der LKA-Sprecher appelliert: „Wer solche oder ähnliche Anrufe erhalten hat oder bereits durch Trickbetrüger geschädigt wurde, sollte dies nicht aus Scham verschweigen, sondern sich unverzüglich an die Polizei wenden.“

Der Gesuchte hält sich nach Informationen des LKA in Berlin auf. Er ist etwa 20 bis 35 Jahre alt und trug damals einen roten Kapuzenpullover und Daunenweste mit Tarnmuster. Für jegliche Hinweise, die zur Identifizierung des unbekannten Täters führen, ist eine Belohnung von 2000 Euro ausgesetzt. Hinweise nimmt das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein unter Telefon 0431/1605566 entgegen.

 Luisa Jacobsen

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