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18:25 27.08.2016
Ihr langes gemeinsames Leben in Lübeck haben Michael und Lilo Weiler in den Kisten verstaut. Das Paar ist schon oft umgezogen, doch die Wohnortverlegung nach Møn ist ihr größtes Unterfangen. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Buntekuh Heute haben Michael und Lilo Weiler schon die erste Nacht in ihrem neuen Zuhause verbracht. Über 30 Jahre hat das Ehepaar in Lübeck gelebt – und vor wenigen Jahren entschieden, dass es zum nahenden Rentenalter auswandern wolle. Gedacht, getan: Ihr rot gestrichenes Einfamilienhaus in der Hamburger Straße haben die Eheleute gestern morgen verlassen und gegen einen Resthof auf der dänischen Ostseeinsel Møn getauscht.

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Das alte Wohnhaus auf dem Hof in Borre hat keine direkten Nachbarn, dafür über 200 Quadratmeter, helle Holzdielen und viele Gästezimmer.

Auswanderung in Zahlen

2015sind rund 138273 deutsche Staatsbürger aus dem Land emigriert. Die Zahl der Fortgezogenen einschließlich ausländischer Menschen ist mit 859 278 wesentlich höher.

19376Menschen sind 2015 aus Schleswig-Holstein ins Ausland abgewandert. Mit 211112 bringt Nordrhein-Westfalen die meisten Emigranten hervor, gefolgt von Bayern.

Einen Tag vor dem Umzug herrscht am Freitag Aufbruchstimmung; halb gepackte Kartons stehen in jedem Zimmer, auseinandergebaute Möbel lehnen an den Wänden. Das Ehepaar ist voller Vorfreude. „Es gibt auf Møn eine ganz andere Art der Stille“, schwärmt Lilo Meiler (64). Keinen Stadtlärm, höchstens das Meer werden die Eheleute von nun an hören. Ihr dortiges 1861 errichtetes Wohnhaus ist Teil eines sogenannten Vierseitenhofes und steht mitten auf einem Feld nahe des Ortes Borre. Møns berühmte Kreideklippen sind nur ein paar Autominuten entfernt.

„Ein Vierseitenhof bedeutet, dass Wohnhaus, Scheune und zwei Ställe an den Längsseiten einen Innenhof umschließen“, erklärt Lilo Weiler. Die Änderung ihres Umfeldes könnte die Bezeichnung „radikal“

durchaus verdienen, ist die gesamte Insel Møn mit einer Fläche von rund 218000 Quadratmetern gerade mal ähnlich groß wie Lübeck. Hier in der Hansestadt hat das Paar seine drei Kinder aufgezogen. Das vor zwölf Jahren gekaufte Haus in der Hamburger Straße war für das Paar nicht nur Lebens- sondern auch Arbeitsort. Seit dem Einzug hat der Facharzt für Nervenheilkunde Michael Weiler (65) im Erdgeschoss seine Praxis betrieben. Im Dachgeschoss führte seine Frau zeitgleich eine Praxis für Erziehungsberatung.

Obwohl die Eheleute also viel zurücklassen, ist das Lächeln in ihren Gesichtern am Freitag unauslöschlich. „Wir möchten hier nicht unbedingt fort, aber für unseren neuen Lebensabschnitt empfinden wir den neuen Ort als richtig“, meinen sie. Während ihr Mann die Zeit auf Møn zum Musizieren und Heimwerken nutzen möchte, kann sich Lilo Weiler vorstellen, ihre Arbeit dort in anderer Form wieder aufzunehmen: „Wir haben mehrere Gästezimmer eingerichtet und ich plane ein Angebot, das Familienberatung und Ferien verbindet“, so Weiler. Raum bietet das über 200 Quadratmeter große, gelb gestrichene Haus dafür genug.

„Finanzieren konnten wir das Gebäude und rundherum etwa 8000 Quadratmeter Land nur, weil ich vor vier Jahren geerbt habe“, berichtet Lilo Weiler. Aufgrund eines langjährigen sozialen Engagements hätten die Finanzen des Paares den Kauf des 170000 Euro teuren Objektes sonst nicht erlaubt. Suche und Kauf des Hofes seinen vergleichsweise unkompliziert gewesen, erinnert sich das Paar. Zwar ist es Deutschen in Dänemark nicht erlaubt Ferienhäuser zu kaufen, verlegen die Einwanderer ihren ersten Wohnsitz aber dauerhaft ins Nachbarland, ist ein Kauf möglich. „Zur Kaufgenehmigung brauchten wir eine Aufenthaltserlaubnis “, erklären die Weilers. Voraussetzung dafür war wiederum, dass die Emigranten dem dänischen Staat finanziell nicht zur Last fallen. Das können die Weilers durch ihre Rente gewährleisten.

Obwohl so kurz vor dem großen Tag auch Abschiedsschmerz spürbar ist, tut er dem Paar nicht zu sehr weh. „Schließlich werden wir unsere Kinder oft besuchen“, sagt Michael Weiler. Im Grunde sei ihr Auswandern deswegen kein „hej hej“ – das hieße so viel wie „tschüss“.„Vi ses“ sei viel passender. Denn das bedeutet „auf Wiedersehen“.

Luisa Jacobsen

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