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Lübeck Helfer für Haikutter „Hansine“ gesucht
Lokales Lübeck Helfer für Haikutter „Hansine“ gesucht
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20:40 29.12.2017
Der Haikutter unter vollen Segeln während der „Hanse Sail“ Rostock. Das Schiff nimmt an diversen Segel-Events teil – und an Regatten, denn die „Hansine“ ist ein schneller Haikutter. Quelle: Foto: Lutz Zimmermann

Es ist ein nasskalter Dezember-Nachmittag, doch die Stockelsdorferin Inga Fischer ist gut gelaunt zum Lübecker Museumshafen geradelt. Sie wartet, ebenso wie Franziska Haupt (44) mit Töchterchen Tomke (4), auf die „Hansine“. Olaf Haupt (53), Heiko Albers (70) und Günter Burtack (77) haben den beschädigten und nun reparierten Besanmast mit dem Schiff auf einer Neustädter Werft abgeholt. Jetzt soll der Haikutter an seinen Stammplatz im Museumshafen. „Das ist mein Schiff, meine große Liebe“, sagt Inga Fischer (52), die während der Travemünder Woche 2015 beim Yoga an Bord die „Hansine“ kennen und lieben gelernt hat. Seitdem gehört sie zur Stammcrew, nimmt ihren gesamten Jahresurlaub fürs Schiff.

Es ist ein wunderschönes Holzschiff. Vor fast 120 Jahren wurde es im dänischen Frederikshavn Eiche auf Eiche gebaut: die „Hansine“. Nach dem plötzlichen Tod von Haupteigner und Skipper Wolfgang Weis braucht die Stammcrew jetzt dringend Unterstützung.

Mit geübten Handgriffen ist die „Hansine“ direkt an der Fußgängerbrücke festgemacht, unter Deck bereiten die Frauen Tee zu und legen weihnachtliches Gebäck auf Teller. Beim Plausch im gemütlichen Salon wird schnell deutlich: Man mag sich, respektiert sich. Günter Burtack, alter Segler aus Hamburg, ist auch wegen des guten Klimas in die Stammcrew der „Hansine“ gekommen: „Auf anderen Seglern herrscht eine strenge Hierarchie, da muss man sich erst hochdienen – hier konnte ich gleich einsteigen.“ Und Franziska Haupt erklärt: „Jeder macht hier alles, bei uns steht der Skipper auch mal in der Küche.“

Das vom früheren Eigner Wolfgang Weis bis 2008 liebevoll restaurierte Schiff ist gut in Schuss, die Stammcrew – zehn bis 15 Leute, die teils aus Kiel, aus Hamburg oder sogar aus Berlin kommen – investiert viel Zeit ins Schiff und die diversen Fahrten mit Gästen aller Couleur. Aber: Viele sind noch berufstätig oder haben Familie, können sich deshalb nicht ständig um den Haikutter kümmern.

Das war anders, als Wolfgang Weis noch lebte. „Wolfgang Weis konnte viel Zeit ins Schiff stecken“, sagt Olaf Haupt. Doch vor einem Jahr verstarb der Eigner und Skipper sehr plötzlich und hinterließ

eine große Lücke.

Eine Saison ist die Stammcrew jetzt ohne ihn gefahren, doch nun ist sie an ihre Grenzen gestoßen. Deshalb veröffentlichte sie auf der Homepage des Vereins Museumshafen zu Lübeck einen Hilferuf. „Wir brauchen Leute, Skipper, Crewmitglieder“, sagt Haupt, denn ein Holzschiff mache eben auch im Winter Arbeit, zudem gibt es aktuell mit Olaf Haupt und Heiko Albers nur zwei Skipper. Albers hatte selbst einen Haikutter aus dem Jahr 1924. „Doch das war zu arbeits- und zeitintensiv, gerade wenn man älter wird“, sagt er. Vor sechs Jahren stieg er bei der „Hansine“ ein, nachdem er das Schiff in Greifswald gesehen hatte.

Die „Hansine“-Liebhaber sind auch auf der Suche nach einem neuen Eigner: Das Schiff gehört, wie Olaf Haupt erklärt, zur Hälfte der gemeinnützigen Mini-GmbH „Segelzeit“, die er mit Wolfgang Weis und dessen Frau Marita gegründet hatte. Die anderen 50 Prozent gehörten Wolfgang Weis privat – und stünden jetzt zum Verkauf.

Jeder kann mitsegeln, helfende Hände – auch von Segel-Neulingen – sind beispielsweise bei Überführungen gesucht. Der 2010 gegründete Förderverein „Freunde der Hansine“ sorgt dafür, dass Mittel eingeworben werden und die Törns gut gebucht werden. Warum man bei der „Hansine“ mitmachen sollte? „Weil es toll ist, mit solch einem alten Schiff zu fahren und weil der Zusammenhalt der Stammcrew besonders ist“, sagt Franziska Haupt, „weil es einzigartig vom Konzept ist, denn wir haben keine starre Zielgruppe wie andere Museumsschiffe“, ergänzt ihr Mann Olaf. Heiko Albers verweist auf die vielen Fahrten auch nach Stettin oder Danzig – und auf die nur flachen Decksaufbauten, die viel Platz an Deck übrig lassen. Und Inga Fischer erneuert noch einmal ihr Bekenntnis: „Es ist ein wunderschönes Schiff, das man richtig liebhaben kann.“

Das Schiff

1898 wird die „Hansine“ als Fischereifahrzeug gebaut – damals heißt sie „Cimbria“. Sie durchläuft mehrere Eigner- und Namenswechsel, ihren heutigen Namen hat sie seit 1938. Als Fischkutter ist sie bis in die 1970er Jahre unterwegs. 2004 erwerben Liane und Wolfgang Weis das Schiff, 2005 beginnen sie mit der Restaurierung.

Wer den Haikutter einmal kennenlernen möchte, kann unter www.freunde-der-hansine.de Gutscheine erwerben. Ein Tagestörn kostet 70 Euro pro Person, ein Halbtagestörn 35 Euro.

Kontakt über Olaf Haupt, office@segelzeit-gmbh.de.

Sabine Risch

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