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Lübeck Herreninsel: Politiker fordern das Ende der Hängepartie
Lokales Lübeck Herreninsel: Politiker fordern das Ende der Hängepartie
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20:59 26.09.2016
Blick auf die Herreninsel: Seit 1934 wird das Wohnen dort geduldet. Jetzt sollte das Areal zum Wohnquartier werden – doch nun gibt es wieder Bedenken wegen des gegenüberliegenden Hafens. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Die Herreninsel – eine unendliche Geschichte. Sie sollte zum Wohnquartier werden. Offiziell und endgültig. Geduldet wird das Wohnen dort seit 1934. Jetzt war eine Einigung im Streit um die Halbinsel in der Trave in greifbarerer Nähe. Die Bürgerschaft sollte in zwei Tagen über die neuen Verträge für die rund 80 Herreninsel-Bewohner abstimmen.

Doch jetzt hat Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) das Ganze überraschend gestoppt. Externe Juristen sollen erst prüfen, ob das Wohnen auf der Herreninsel den Hafen in seiner Entwicklung nicht gefährdet. „Es geht darum, die Risiken abzuschätzen, die sich aus einer langfristigen Vermietung für den Betrieb des Hafens ergeben können.“ Der liegt direkt gegenüber am anderen Ufer der Trave. Das ist der ewige Streitpunkt zwischen Stadt und Insulanern.

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Bürgermeister stoppt neue Mietverträge für Bewohner – Rechtsexperten sollen prüfen, ob das Wohnen auf der Herreninsel den Hafen in seiner Entwicklung gefährdet.

Massive Kritik an Saxes Vorgehen kommt aus allen politischen Lagern. „Das ist eine Hinhaltetaktik“, ärgert sich Hauke Wegner (CDU), der sich für die Belange der Herreninsel-Bewohner einsetzt. Durch das neue Rechtsgutachten „zieht sich das Ganze noch weiter in die Länge“. Jörn Puhle, Ortsvereinschef Trave Nord: „Ich bin extrem unglücklich und irritiert über die Entscheidung.“ Die Bürgerschaft habe etwas ganz anderes beschlossen. Das war schon im Januar 2015. Die Stadt sollte ein Gutachten in Auftrag geben, ob die Herreninsel zum Wohnquartier werden könne. Das ist bislang noch gar nicht geschehen. Der Grund: In der Bauverwaltung gebe es nicht genügend Leute, die sich darum kümmern könnten. „Das ist eine Missachtung des Bürgerschaftsbeschlusses“, ärgert sich Wegner, der diese Antwort schon vor ein paar Monaten erhalten hat. Passiert ist seither auch nichts. Puhle ist ebenfalls sauer: „Das war nicht das, was die Bürgerschaft beschlossen hat.“ Verärgert ist auch Carl Howe (GAL):

„Ich will wissen, wie es zu dieser Entscheidung kommt.“ Denn das Rechtsamt der Stadt habe das Ganze doch schon geprüft. Er will die Herreninsel heute im Hauptausschuss thematisieren.

Bitter aus Sicht der Insulaner: Alle waren einverstanden mit den jetzt ausgehandelten Mietverträgen – Herreninsel-Bewohner, Stadtvertreter, Politiker. Der Inhalt: Die Mietverträge gelten auf Lebenszeit. Kinder der Insulaner dürfen auf der Herreninsel ebenfalls weiter wohnen, wenn sie bis Vertragsabschluss geboren sind. Und: Die Stadt finanziert die 1,2 Millionen Euro teuren Abwasserleitungen – die Insulaner zahlen sie über eine höhere Miete zurück. Doch ob es zum Abschluss der Verträge kommt, ist wieder ungewiss.

„Hier werden Menschen zermürbt“, sagt Karl-Heinz Haase. Der ehemalige Grüne kümmert sich seit Jahren um die Herreninsel-Bewohner. „Wir würden uns freuen, wenn wir hier einfach vernünftig leben könnten“, macht Hartmut Haase, Sprecher der Siedlergemeinschaft Herreninsel, klar. Seit Jahren gebe es dieses Hin und Her – und für die Insulaner ist unklar, ob sie noch in ihre Häuser investieren sollen oder nicht. Seit 2010 sind die Mietverträge mit der Stadt über die 40 Grundstücke ausgelaufen. 40 weitere stehen leer. Die Häuser haben die Insulaner selbst gebaut. Zudem gibt es keine Abwasserleitungen für die Häuser – sondern lediglich Sickergruben. Doch damit ist ab Frühjahr Schluss. Eine Verordnung verbietet diese Gruben dann.

„Die Prüfung durch die Juristen verzögert die Sache, aber es verhindert sie nicht“, gibt Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) zu. Er hatte die Verträge ausgehandelt und hofft, dass die Bürgerschaft in der November- oder der Januar-Sitzung über sie entscheiden kann.

 Josephine von Zastrow

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