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Lübeck Herz Jesu: Katholiken in der Diaspora
Lokales Lübeck Herz Jesu: Katholiken in der Diaspora
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22:16 17.05.2016
Festlicher Gottesdienst am Pfingstsonntag: Am 10. Mai 1891 wurde die Herz Jesu Gemeinde in der Hansestadt eingeweiht – nach dreijähriger Bauzeit. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Es ist proppevoll. Kein Durchkommen. Die Luft ist von Weihrauch geschwängert. Es gibt keinen einzigen freien Platz. Die Gläubigen stehen zwischen den Bankreihen und bis zur Eingangstür. Einige knien sich während der Rituale auf dem Steinboden. Fast 700 Katholiken zelebrieren 125 Jahre Herz Jesu – eine katholische Diaspora inmitten von evangelischen Kirchen und Gläubigen. Der achte Turm der Hansestadt wird die Herz-Jesu-Kirche freundlich genannt. Die sieben anderen – wesentlich höheren – gehören der evangelischen Konkurrenz. Gerade einmal 5700 Mitglieder zählt die katholische Gemeinde. Die Statistik weist immerhin knapp 18600 Lübecker als Katholiken aus. Das sind 8,5 Prozent der Bevölkerung. Der ernüchternde Vergleich:

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Fast 700 Gläubige feiern 125-jähriges Jubiläum – Nur knapp 18 600 Lübecker gehören dieser Konfession an.

95000 Lübecker sind evangelisch. Das sind 43,5 Prozent. Was beide Konfessionen indes gemeinsam haben: Die Zahl der Mitglieder sinkt.

Aber wie leben die Katholiken ihren Glauben – umringt von Protestanten? „Es ist eine bewusste Entscheidung jenseits von Traditionen: Will ich dazu gehören?“, sagt Propst Franz Mecklenfeld. Dabei sei das kein militanter Entschluss, sondern eine Entscheidung in Freiheit. Ingrid Pröpper hat sie auch getroffen. „Hier ist es immer voll“, sagt die 69-Jährige, eine überzeugte Katholikin. „Es gibt nicht eine leere Bank beim Gottesdienst.“ Für sie ist die Mutter Gottes wichtig, auch die Heiligen. Und vor allem die Kommunion, das Abendmahl. Einer der Hauptknackpunkte zwischen Katholiken und Protestanten. Für Pröpper ist das „Brot und der Wein“ kein Symbol oder Andenken, sondern stellt eine reale Verbindung her mit Jesus, dem Christus. Auf Vorbehalte gegenüber dem katholischen Glauben ist Stefan Braun im Norden gestoßen. „Die Liturgie wird eher als Brimborium angesehen“, sagt der 48-Jährige. Dabei verberge sich hinter dieser Form eine tiefe Bedeutung. „Auch hinter jedem Engelsbild steht eine Bedeutung.“ Die sei über die Jahrhunderte aber aus dem Bewusstsein verschwunden. „Und Weihrauch kommt beispielsweise aus der Antike – um den Göttern zu huldigen“, sagt Braun. Die Protestanten legten kaum Wert auf bildliche Darstellung wie die Katholiken, sondern sie haben ihren Schwerpunkt im Wort.

Beide Varianten des Christentums können dennoch gut miteinander auskommen: Das Ehepaar Kuhn ist der praktische Beweis. „Wir leben in wilder Ehe – seit 53 Jahren“, sagt Ute Kuhn (72). Sie ist evangelisch, ihr Mann Bruno katholisch. „Das war eigentlich nie ein Problem“, sagt der 74-Jährige. Jedenfalls im Alltag. Als die beiden heiraten wollten, mussten sie sich aber entscheiden:

evangelisch oder katholisch? Sie haben eine protestantische Hochzeit gefeiert. „Weil man sich bei den Katholiken nicht scheiden lassen kann“, erklärt sie den pragmatischen Grund. Ihr Mann besucht sonntags mit ihr den evangelischen Gottesdienst. Während der unterschiedliche Glaube in ihrem Leben nie eine Rolle spielte, wird er jetzt wieder aktuell – angesichts des Alters, sagt Ute Kuhn.

Während die Katholiken bei einer Beerdigung ein Ritual zelebrieren („Das reicht doch auch“, sagt Bruno Kuhn), wird in der evangelischen Kirche ein Rückblick auf das Leben des Verstorbenen gehalten.

Sie habe darüber schon mit ihrer Pastorin gesprochen, sagt Ute Kuhn. Aber so einfach ist das nicht – trotz Ökumene.

„Wenn wir gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst feiern, dann merkt man: Es fehlt noch etwas“, gibt Pröpstin Petra Kallies zu. Sie hält als Vertreterin der evangelischen Kirche ein Grußwort während des katholischen Gottesdienstes – und geht damit auf die Unterschiede bei der Feier des Abendmahls ein. Sie berichtet, dass Ökumene bei der Einweihung der Kirche vor 125 Jahren nicht angesagt war. Der Lübecker Senat habe 1891 die Einladung zu der Feier abgelehnt. Sie hatten Sorge, dass die Katholiken die Stadt missionieren und „unter das Regiment des Papstes“ bringen wollten. „Es war die Angst vor Überfremdung“, sagt die Pröpstin. Und diese Angst sei heute wieder aktuell – angesichts der Flüchtlinge.

Josephine von Zastrow

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