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Lübeck „Hilfe im Advent“ unterstützt psychisch kranke Kinder
Lokales Lübeck „Hilfe im Advent“ unterstützt psychisch kranke Kinder
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12:01 03.12.2018
Chefarzt Oliver Soyka erklärt in seinem Büro die Pläne für den Neubau. Quelle: Cosima Künzel
St. Lorenz Nord

Die Zahl der psychisch kranken Kinder und Jugendlichen wächst stetig. Auch in Lübeck. Traurige Tatsache: Inzwischen ist Suizid die zweithäufigste Todesursache bei den jungen Menschen. „Es vergeht kaum ein Tag, an dem uns kein Kind oder Jugendlicher in einer Krise vorgestellt wird“, sagt Chefarzt Oliver Soyka vor der Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie.

Hier sind die jungen Menschen mit Depressionen, Ängsten, Traumata oder Zwangsstörungen untergebracht. Rund 500 Patienten werden hier im Jahr stationär behandelt. Die Zahl ist in den letzten zehn Jahren um rund 30 Prozent gestiegen. In der Fachklinik sollen die Kinder und Jugendlichen die Chance haben, zur Ruhe zu kommen und wieder gesund zu werden.

Die Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Quelle: Cosima Künzel

Doch das Gebäude kann den wachsenden Herausforderungen nicht mehr gerecht werden. Soyka erklärt: „Die Fachklinik ist aus den 1980er Jahren. Sie entspricht einfach nicht mehr den heutigen Anforderungen.“ Es fehlen Besuchsräume für Elterngespräche, eine moderne Notaufnahme und vieles mehr. Soyka zeigt, warum.

Im Eingangsbereich weist er auf eine Sitzgruppe: drei Tische, ein paar Stühle, Grünpflanze, Kunstlicht. Gegenüber der Empfang. Hier ist die erste Anlaufstelle für Eltern, Familien, Kinder. Wer Hilfe braucht, meldet sich hier. „Manche Familien haben endlich den Mut gefasst, andere kommen spontan, weil es zu Hause eskaliert ist.“ So sitzen sie hier und warten. Wie in jeder Klinik kann das manchmal dauern.

Der Eingangsbereich der Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Vorwerker Diakonie. Quelle: Cosima Künzel

Gleichzeitig kommen hier die Notaufnahmen an. Jugendliche mit ihren Eltern, manchmal in Polizeibegleitung oder mit dem Krankenwagen. Manchmal sind sie verletzt, einige fixiert. „Das klingt dramatisch“, sagt Soyka, „und ist es auch.“ Nicht zuletzt gehen hier Patienten, Besucher, Ärzte, alle ins Haus. „Es spielt sich alles in diesem mehr oder weniger öffentlichen Raum ab. Privatsphäre gleich null.“

Auf den sechs Stationen ist es ähnlich beengt. Begleitet werden die Patienten rund um die Uhr von 130 Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften. Es gibt 47 stationäre Behandlungsplätze. Die Wartelisten sind lang, erzählt der Chefarzt, während er den Flur entlanggeht. Schmale Gänge, roter Stein, blaue Fenster, wenig Tageslicht. Die 80er lassen grüßen. Es gibt Räume für Bewegungs-, Kunst- und Musiktherapie. Aber den Jugendlichen fehlt ein Platz, um für sich zu sein. Oder zum Kickern, Lesen, Musik hören. „Trotz der momentanen Enge bemühen wir uns natürlich, unseren Patienten eine gute Umgebung zu schaffen“, betont Soyka.

Der Weg zu den Stationen. Schmale Gänge, roter Stein, blaue Fenster, wenig Tageslicht. Quelle: Cosima Künzel

Denn für die Kinder und Jugendlichen ist die Klinik meist ein Zuhause auf Zeit. Sie bleiben drei bis vier Monate. Jungen und Mädchen teilen sich Gemeinschaftsbäder, auch hier fehlt Privatsphäre. Ebenso wie Räume für die Familientherapie und Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten für die jüngeren Kinder. Und nicht zuletzt sind die Wege zu den Behandlungszimmern und der Klinikschule lang.

All das soll sich ändern. Die Vorwerker Diakonie baut ihre Fachklinik für Junges Leben „Jule“ ab 2019 komplett neu. „Mit dem Neubau werden wir die Heilungsmöglichkeiten unserer Patienten verbessern“, betont Soyka. „Wir wollen ihnen neue Chancen eröffnen mit Räumen, die erfüllt sind von Freude und Lust am Leben, von Mut und Ausdauer.“

Zeichnung für den Neubau der Fachklinik für Junges Leben Jule. Quelle: Vorwerker Diakonie

„Entwickelt werden eine moderne Notaufnahme mit angegliederter Akutstation, eine Station für Kinder ab sechs Jahren, Räume für Familientherapie und insgesamt bessere Rahmenbedingungen für die Behandlungen“, zählt der Chefarzt auf und zeigt in seinem Büro auf den Bauplan. Die Kosten betragen rund zwölf Millionen Euro, die Landeszuschüsse 7,9 Millionen Euro. Der Rest muss über Darlehen und Spenden finanziert werden.

So können Sie helfen

Es ist erschreckend. Die Zahlen von Kindern und Jugendlichen, die wegen Depressionen, Traumata, Ängsten oder Zwangsstörungen behandelt werden müssen, steigt stetig. Die Vorwerker Diakonie ist seit drei Jahrzehnten mit der Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie in den dazugehörenden Ambulanzen und Tageskliniken in diesem Hilfefeld aktiv. Allein in Lübeck werden stationär jährlich 500 Patienten behandelt. Den wachsenden Herausforderungen begegnet die Vorwerker Diakonie, in dem sie ihre Fachklinik für Junges Leben Jule ab 2019 komplett neu baut. Zwölf Millionen Euro werden dafür investiert, rund acht Millionen Euro Landeszuschüsse fließen ein. Die entstehende Lücke wird über Darlehen und - soweit möglich - über Spenden finanziert.“

Die erste Spende in Höhe von 2500 Euro kommt von der Sparkasse zu Lübeck AG. Vorstandsvorsitzender Frank Schumacher betont bei der Scheckübergabe: „Hilfe im Advent ist uns als Sparkasse eine Herzensangelegenheit. Eine schöne Aktion, die mit allen Menschen in der Stadt eng verbunden ist.“ Für den Startschuss leiste man daher immer wieder gern finanzielle Hilfe, so Schumacher. „Das Projekt in diesem Jahr können wir nur unterstützen. Für viele junge Menschen ist das stationäre Angebot die letzte Möglichkeit. Vielleicht kann mit der Aktion auch mehr Akzeptanz für das Thema erreicht werden, es wird noch viel zu viel tabuisiert und stigmatisiert.“ Christopher Steckkönig, sellvertretender LN-Ressortleiter, sagt: „Die Hilfe für psychisch kranke Kinder und Jugendliche ist ein sehr wichtiges Thema, das wir in bewährter Zusammenarbeit mit der Sparkasse zu Lübeck sehr gerne unterstützen.“ Mit Spenden für den Neubau der Vorwerker Fachklinik könne den jungen Patienten geholfen werden, wieder neuen Lebensmut zu finden“, so Steckkönig.

Das Spendenkonto

Kontoinhaber: Vorwerker Diakonie gemeinnützige GmbH

IBAN: DE50 2305 0101 0160 4397 41 BIC: NOLADE21SPL

Sparkasse zu Lübeck, Verwendungszweck: „Spende: Hilfe im Advent

Die Spender werden in den LN genannt. Wenn Sie das nicht möchten, vermerken Sie im Verwendungszweck „bitte anonym“. Falls Sie eine Spendenbescheinigung wünschen, geben Sie Ihren Namen und Adresse bei der Überweisung an. Bei Spenden bis 200 Euro reicht der Überweisungsbeleg als Bescheinigung.

Der aktuelle Spendenstand: 2500 Euro

Die Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Vorwerker Diakonie ist in der Region Lübeck/Ostholstein/Stormarn/Herzogtum Lauenburg die einzige Einrichtung dieser Art für Kinder und Jugendliche. Pro Jahr wird hier rund 500 jungen Menschen geholfen. Die Patienten leiden unter Traumata, Depressionen, Borderline-, Zwangs- und Angst-Störungen sowie Selbstverletzungen und Suizidgedanken.

Die neue Fachklinik Junges Leben (Jule) wird 4450 Quadratmeter Nutzfläche und einen 290 Quadratmeter großen Innenhof haben. Es gibt fünf Stationen mit 50 stationären Behandlungsplätzen und acht tagesklinische Plätze. Dazu: zwölf Fachtherapieräume, Spielezimmer, Aufenthaltsräume und Patientencafé.

Gebaut wird von 2019 bis 2021. Wenn alles fertig ist, soll es 50 Behandlungsplätze auf fünf Stationen geben. „Wir haben die Klinik neu gedacht und ein neues Stationskonzept erarbeitet.“ Auf jeder Station sind die Patienten in unmittelbarem Kontakt zu ihren Therapeuten und Ärzten. Der Vorteil: kurze Wege, hohe Ansprechbarkeit und verbesserte Therapie-Intensität. Außerdem wird es ein Besuchercafé, Spielecken, Aufenthaltsräume und getrennte Bäder für Mädchen und Jungen geben. Soykas Fazit: „Kinder sollen hier Kraft tanken, Freude und Lebensmut wiederfinden.“

Cosima Künzel

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