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Lübeck Hilfe in der letzten Lebensphase
Lokales Lübeck Hilfe in der letzten Lebensphase
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20:43 04.01.2018
Hans-Ulrich Wehr (70) hat lange im Hospiz gearbeitet und zieht aus dieser Zeit viel Positives. Quelle: Foto: Lutz Roessler
St. Lorenz Süd

Der Mann mit dem Schnäuzer, der Brille und dem freundlichen Lächeln betritt den Raum, begrüßt alle im Büro von Hospizleiterin Dagmar Andersen (50), tätschelt Hündin „Lucy“– und schon herrscht eine lockere, entspannte Atmosphäre. Hans-Ulrich Wehr, der zum Jahresende 70 geworden ist, hat eine lebhafte, unaufdringliche Art. Vielleicht liegt das an seinem früheren Beruf: 38 Jahre war er als Kaufmann bei Plaza tätig, zuletzt im Beschwerdemanagement. Mit 60 ging er zu guten Konditionen in den Ruhestand. „Ich wusste zwar, dass ich mir irgendein Ehrenamt suche, aber erst einmal habe ich ein halbes Jahr gar nichts gemacht.“ Bis eine Kollegin seiner Frau erzählt habe, dass sie im Hospiz anfange. Wehr ging mit, führte Gespräche und begann als Helfer. „Das erste Betreten des Hauses war schon beklemmend“, sagt er. Denn schließlich bietet das Haus sieben Plätze für Menschen in der letzten Phase einer unheilbaren, tödlichen Krankheit. Aber: „Ich war beruhigt, als ich hörte, dass es erst einmal in die Küche geht.“ Dort bereiten die Ehrenamtlichen Getränke oder kleine Snacks für die Gäste zu.

Über die Küchenarbeit bekam er Zugang zu den Bewohnern der sieben Zimmer, kam ins Gespräch und erhielt viel Anerkennung. So habe er einmal eine Mandarine filetiert und einer Bewohnerin gebracht – darüber sei hinterher lange gesprochen worden, dass ausgerechnet ein Mann so etwas Schönes gemacht habe. Überhaupt, sagt Wehr mit einem Schmunzeln, „Männer sind willkommen und werden hier ganz anders wahrgenommen als draußen.“

„Am Anfang“, erzählt Hans-Ulrich Wehr, „versucht man immer einzuschätzen, wie lange es bis zum Tod eines Gastes dauert. Ich habe aber schnell festgestellt, dass man es nicht einschätzen kann.“ Die meisten Gäste versterben im Haus an der Moislinger Allee. Einige jedoch erleben unter der Fürsorge eine Besserung und können nach Hause gehen.

Im Rickers-Kock-Haus muss niemand machen, was er nicht machen möchte, und wer Sterbebegleitung übernimmt, absolviert zuvor eine Ausbildung. Hans-Ulrich Wehr wollte eigentlich nicht, machte es dann aber doch. „Wie so vieles, was ich zunächst abgelehnt habe.“ So wollte der engagierte Ehrenamtler, der auch für die Lübecker Hospizbewegung im Einsatz ist, nie eine private Sterbebegleitung im Hause eines Erkrankten übernehmen – und begleitete schließlich einen schwerst Herzkranken 16 Monate lang in dessen Zuhause. Auch seine letzte Begleitung – die eines Mannes, der als schwierig galt und selbst aus dem Pflegebereich kam – hat Wehr in guter Erinnerung. „Wir kamen über gemeinsame Bekannte ins Gespräch, daraus entwickelte sich eine meiner besten Begleitungen, weil sie am Ende sehr intensiv war.“

Im Rickers-Kock-Haus hat Hans-Ulrich Wehr rund 1600 Stunden verbracht, geschätzt zehn bis zwölf Menschen beim Sterben begleitet. Die Belastung halte sich in Grenzen. „Man ist hier nie allein, zudem gibt es Supervision, bei der man feststellt, dass jeder Ehrenamtler, egal wie lange er dabei ist, auch mal ein Problem hat. Meist finden wir dann eine gemeinsame Lösung.“ Zudem sehe man im Laufe der Zeit die Gäste nicht mehr als Sterbende, sondern als Lebende.

Dennoch hat Hans-Ulrich Wehr nach seinem 70. Geburtstag einen Schlussstrich unter seine Arbeit im Hospiz gezogen. „Ich hatte das Gefühl, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist.“ Der ambulanten Hospizbewegung bleibt er treu, „wobei ich künftig mehr Trauerbegleitung machen möchte“.

Was er aus seinen fast zehn Jahren im Hospiz mitnimmt, ist eine Menge: intensive Beziehungen zu Menschen, die er auf ihrem letzten Weg begleitet hat, Anerkennung und das Gefühl, „etwas wirklich Sinnvolles gemacht zu haben“. Was nicht minder zählt: „Wenn ich vorher über den Tod nachgedacht habe, ging das immer nur bis zu einem gewissen Grad. Jetzt bin ich relativ angstfrei, denn ich weiß, wie es gehen kann – nämlich gut.“

Hospiz und Ehrenamt

Lübecks einziges Hospiz ist in Trägerschaft der Vorwerker Diakonie. In einem Haus an der Moislinger Allee bietet es sieben Zimmer mit Balkon oder Terrasse für Menschen, die so intensiv gepflegt werden müssen, dass Familie oder ambulante Dienste das nicht mehr leisten können. 18 Hauptamtler und 29 Ehrenamtler kümmern sich im Rickers-Kock-Haus um die Menschen in ihrer letzten Lebensphase. 66 Hospizplätze gibt es in sechs Einrichtungen in Schleswig-Holstein.

Männer im Ehrenamt werden im Rickers-Kock-Haus dringend gesucht. Unter anderem für leichte Gartenarbeit. Wer sich dafür interessiert, kann sich unverbindlich unter Telefon 04

51/400260060 erkundigen.

Ein neuer Kochkursus für Witwer beginnt am 7. Februar. Anmeldung und Information unter 0451/56856,

Sabine Risch

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