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Lübeck Als die neue Brücke das alte Haus fraß
Lokales Lübeck Als die neue Brücke das alte Haus fraß
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12:13 30.12.2018
Anfang September 1967 werden Pfähle für die Wakenitzbrücke eingerammt. Das Haus im Vordergrund wird bald Geschichte sein. Quelle: Hans Kripgans
St. Jürgen

Von Nordosten her naht unaufhaltsam die Brücke, und das Haus, auf dem eine alte Schrift auf die Bootslagerung und -vermietung von Karl Ross hinweist, hat ihr nichts entgegenzusetzen. Es ist im September 1967 nur noch eine Frage der Zeit, bis es abgerissen wird. Dies ist eine Geschichte, die sich in der Zeit zwischen 1950 und 1975 stets wiederholt – in Lübeck wie in vielen deutschen Städten: Die Stadtplaner stehen dem rasant wachsenden Autoverkehr wie einer Naturgewalt gegenüber, die immer mehr Platz und immer mehr Opfer fordert. Ende der 60er Jahre ist nicht nur die Altstadtinsel überlastet, sondern auch der Mühlentorplatz und die Kreuzung Moltkestraße und Hüxtertorallee.

Ende 2018: Nichts erinnert mehr an das alte Haus, das Ende der 60er Jahre der Wakenitzbrücke weichen musste. Quelle: Lutz Roeßler

Die Lösung: noch mehr Platz für Autos. Die Ratzeburger Allee wurde auf sechs Spuren ausgebaut. Radfahrer und Fußgänger mussten nehmen, was übrig blieb. Als Teil eines Umgehungsringes wurde die Wakenitzbrücke gebaut, eine mächtige Betonkonstruktion. Landeswirtschaftsminister Gerhard Gaul lobte bei der Einweihung im Mai 1969 den schönen, neuen Blick auf die sieben Türme – ganz so, als würden müßige Flaneure die Brücke bevölkern.

Nach knapp 50 Jahren muss nun auch die Wakenitzbrücke gründlich saniert werden. Bis 2021 werden dafür 4,4 Millionen Euro verbaut.

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