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Lübeck Historisches Haus soll wieder aufgebaut werden
Lokales Lübeck Historisches Haus soll wieder aufgebaut werden
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21:32 12.06.2017
Pfingsten brannte das Haus von 1291 in der Kleinen Burgstraße/Hinter der Burg komplett aus. Quelle: Foto: Wolfgang Maxwitat

Eines der ältesten Lübecker Häuser ist Pfingsten ein Raub der Flammen geworden, aber die Überreste in der Kleinen Burgstraße/Ecke Hinter der Burg sollen nicht dem Erdboden gleich gemacht werden. Das empfiehlt die Denkmalpflege. Bereichsleiterin Irmgard Hunecke sagte am Montag im Kulturausschuss der Bürgerschaft: „Die Ruine kann hoffentlich zusammen mit dem Eigentümer wieder zu einem vollständigen Gebäude hergestellt werden.“

Bei dem weithin sichtbaren Brand war ein Sachschaden von rund 200 000 Euro entstanden, verletzt wurde niemand.

Nach dem Feuer: Denkmalpflege empfiehlt dem Eigentümer, die Ruine nicht abzureißen – CDU-Politiker spricht öffentlich von Brandstiftung.

Die städtischen Denkmalpfleger haben zwar erhebliche Verluste an historischer Substanz festgestellt, zugleich seien aber „relevante Partien erhalten geblieben“. Nach derzeitigem Sachstand gehen die Denkmalpfleger davon aus, dass das 1997 unter Schutz gestellte Haus weiterhin ein Denkmal bleibt. Vor dem verheerenden Feuer sei eine bauhistorische Untersuchung erstellt worden, so dass gute Unterlagen vorliegen würden, betonte Hunecke im Kulturausschuss.

Der CDU-Politiker Jörg Sellerbeck, der den Eigentümer des Hauses seit drei Jahren bei seinen Sanierungsbemühungen begleitet und während des Brandes vor Ort war, sprach im Ausschuss von Brandstiftung.

„In dem Gebäude lagerte fertig zugeschnittenes Bauholz, das war ein gefundenes Fressen für das Feuer“, sagte Sellerbeck, „das Holz ist offensichtlich angesteckt worden.“ Auf LN-Nachfrage präzisierte der Politiker, dass ihm zwei Hinweise auf eine Brandstiftung bekannt seien. Ein Zeuge habe eine Person aus dem Haus laufen sehen und der Stehflügel einer Doppeltür sei aufgebrochen worden. Sellerbeck: „Das macht die Feuerwehr nicht.“

Sellerbeck hat nach eigenen Angaben auch dafür gesorgt, dass ein Mitarbeiter der Denkmalpflege an den Brandort gerufen wurde. „Feuerwehr und Technisches Hilfswerk wollten die Reste der Ruine herunterreißen“, berichtete der CDU-Politiker. Das sei verhindert worden. Hauke Wegner (CDU) wollte von der Verwaltung wissen, ob Feuerwehr und Denkmalschutz bei brennenden Kulturdenkmalen zusammenarbeiten würden. „Die Feuerwehr informiert uns“, sagte Hunecke, „ich wurde selbst schon nachts aus dem Bett geklingelt.“

Die Bereichsleiterin schilderte den Politikern, dass Baudenkmale nicht nur Opfer von Flammen werden. In der Schwartauer Allee habe ein Investor ein kleines Haus, das Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde, abgerissen. Das Gebäude sei 1991 als einfaches Kulturdenkmal eingestuft worden und hätte wegen einer seit zwei Jahren gültigen, neuen Gesetzeslage überprüft werden müssen.

Weil es in der Hansestadt 365 solcher einfachen Kulturdenkmale gebe und alle neu eingestuft werden müssten, der Verwaltung dafür aber das Personal fehle, sei dem Investor erst einmal nur ein Hinweis gegeben worden. „Anfang Mai haben wir mit dem Investor darüber gesprochen“, berichtete Hunecke den Kulturpolitikern. Am vergangenen Freitag habe sie erfahren, dass das Gebäude abgebrochen worden sei.

Hunecke: „Ich gehe davon aus, dass es eine Ordnungsstrafe geben wird.“

NS-Symbole werden nicht entfernt

Die städtischen Sachverständigen haben sich im Kulturausschuss gegen eine Beseitigung von NS-Symbolen in der Hansestadt ausgesprochen.

„Wir wollen keinen Geschichtsexorzismus betreiben“, sagte Dr. Jan Lokers, Leiter des Stadtarchivs. „Wir sind dagegen, die Symbole zu tilgen“, erklärte Denkmalschützerin Irmgard Hunecke.

Hunecke zählte vier Stellen auf, an denen die Symbole zu sehen sind – in Rosetten an einem Handlauf im Holstentor, an der Fassade der ehemaligen Bundesbank, auf Rundbögen des Wasser- und Schifffahrtsamtes sowie an der Fassade der Bundespolizeiakademie. Am Holstentor seien aber keine Hakenkreuze, sondern ein Vorläufer zu sehen. Es sei geplant, entsprechende Hinweisschilder anzubringen. Diese Symbole seien wichtig, um Schülern zu zeigen, dass „es auch in Lübeck Nationalsozialismus gab“, erklärte CDU-Politiker und Geschichtslehrer Hauke Wegner. „Es ist richtig, die Orte zu dokumentieren“, sagte Peter Petereit (SPD).

dor

 Kai Dordowsky

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