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Lübeck Höchster Bevölkerungszuwachs seit 1950
Lokales Lübeck Höchster Bevölkerungszuwachs seit 1950
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19:15 26.01.2016

218523 Bürger leben aktuell in der Hansestadt — das sind 2723 mehr als noch 2015. Die städtischen Statistiker melden den höchsten Einwohnerzuwachs seit Kriegsende — sogar höher als nach der Wiedervereinigung. Den Rekordzuwachs bescheren Flüchtlinge und die Zuwanderer aus den EU-Staaten Polen, Bulgarien und Rumänien. Die Zahl der Lübecker mit deutschem Pass blieb unverändert. „Lübeck steht jetzt vor enormen Investitionen in Wohnungen, Schulen und Kitas“, sagt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), „aber mir sind Probleme durch das Bevölkerungswachstum lieber als Probleme mit dem Schrumpfen der Einwohnerzahl.“

Die Zahl der Syrer, die in Lübeck angemeldet sind, wuchs im vergangenen Jahr um 800, die der Afghanen und Iraker um jeweils 300. Rund 500 Menschen aus Polen, Bulgarien und Rumänien wanderten 2015 an die Trave. Der Ausländeranteil stieg von 8,2 auf 9,3 Prozent. Überall, wo Unterkünfte für Schutzsuchende entstanden sind, steigen die Bevölkerungszahlen. Die Statistiker können das straßengenau festmachen: In der Travemünde Allee sind mehrere Hundert dazugekommen, in der Schlutuper Straße wurden 77 neue Einwohner registriert. Die Schließung der Einrichtung in der Fliederstraße spiegelt sich ebenfalls wider — die Zahl der Gemeldeten sank um 36.

Die höchsten Einwohnerzuwächse gab es in St. Gertrud, weil dort die Erstaufnahme des Landes auf dem Volksfestplatz steht. „Seit 1. Dezember 2015 ist die Einrichtung keine Außenstelle von Neumünster mehr, sondern eine eigenständige Erstaufnahme“, erklärt der Statistiker Dr. Gerhard Bender. Schutzsuchende, die wegen ihres Asylverfahrens länger auf dem Volksfestplatz bleiben, werden bei der Lübecker Meldebehörde registriert. Bislang sind das 558 neue Einwohner. Saxe: „Wir haben ein Rieseninteresse daran, dass Flüchtlinge, die sich hier aufhalten, auch bei uns gemeldet sind.“ Denn für jeden Einwohner erhält Lübeck 1000 Euro pro Jahr an Landeszuweisungen.

Bevölkerungszuwachs bedeutet aber auch neue Investitionen in Wohnungen, Kitas und Schulen. Nach Angaben des Bürgermeisters muss Lübeck 25 zusätzliche erste Klassen einrichten. Zum Vergleich: Im laufenden Schuljahr 2015/2016 gibt es an den 39 Grundschulen sowie Grund- und Gemeinschaftsschulen insgesamt 87 erste Klassen. Laut Bildungsbericht 2015/2016 ist die Zahl der Grundschüler gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent gestiegen (landesweit um 1,4 Prozent). Die Zuwanderung junger Familien aus Syrien, Afghanistan und Irak schlägt sich in diesen Zahlen nieder. Saxe: „Wir müssen neue Klassenräume schaffen, und das Land muss mehr Lehrkräfte zur Verfügung stellen.“

Ausländische Familien sorgen auch dafür, dass es wieder mehr Geburten in Lübeck gibt. 1918 Babys kamen im vergangenen Jahr auf die Welt. „Das ist der höchste Stand seit dem Jahr 2000“, erklärt Bender. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass deutsche Ehepaare wieder mehr Nachwuchs in die Welt setzen, sagt Bender. Jüngster Stadtteil ist Buntekuh mit 19,1 Prozent Einwohnern zwischen 0 und 17 Jahren. Die meisten Senioren (44,7 Prozent) leben in Travemünde. Die Gruppe der Werktätigen (18 bis 64 Jahre) ist am stärksten in der Innenstadt zu Hause (75,1 Prozent). 49960 Lübecker sind älter als 65 Jahre, 33228 Kinder und Jugendliche stellen 15 Prozent der Lübecker Bevölkerung. 1980 war das Verhältnis von Jungen zu Alten zuletzt umgekehrt. Selbst die Zuwanderung junger Flüchtlingsfamilien ändert daran im Augenblick noch nichts.

Immer weiter schrumpft die Zahl der evangelischen Christen (95009). 1884 kehrten der Kirche im vergangenen Jahr den Rücken. Dagegen bleibt die Zahl der Katholiken vor allem dank der Zuwanderung aus Polen stabil (18 582).

Kai Dordowsky

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