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Lübeck Höherer Eintritt für Schwimmbäder?
Lokales Lübeck Höherer Eintritt für Schwimmbäder?
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15:25 24.11.2016
Im Sportbad St. Lorenz finden unter anderem die Staffeltage der Schulen statt. Das Bad muss für insgesamt sieben Millionen Euro saniert werden. FOTO: ULF-KERSTEN NEELSEN

Neuer Anlauf: Die Werkleitung der Lübecker Schwimmbäder versucht erneut, die Eintrittspreise um zehn Prozent anzuheben. Erwachsene sollen im Hallenbad 4,40 statt vier Euro zahlen, Kinder 2,20 statt zwei Euro. In den Freibädern Moisling und Schlutup sollen die Erwachsenen 30 Cent, die Kinder 20 Cent mehr in die Kasse geben. Außerdem will die Werkleitung die Preise, die Schulen und Vereine zahlen, vereinheitlichen. Insgesamt erhofft sich der Betrieb davon fast 200000 Euro Mehreinnahmen. „Ich halte die Erhöhung für vertretbar“, sagt die zuständige Senatorin Kathrin Weiher (parteilos), „zumal die tatsächlichen Kosten viel höher sind und die Hansestadt weit über drei Millionen Euro pro Jahr subventioniert.“

Im Schul- und Sportausschuss holte sich die Werkleitung bereits eine Abfuhr, bei den Eintrittspreisen fiel das Nein aber äußerst knapp aus. Im Hauptausschuss gaben die Politiker kein Votum ab. Das letzte Wort hat heute die Bürgerschaft.

Seit 2010 seien die Eintrittspreise nicht mehr gestiegen, argumentiert Eckhard Graf, kommissarischer Werkleiter. Im vergangenen Jahr scheiterte der Betrieb trotz Unterstützung von Bildungs- und Kultursenatorin Kathrin Weiher (parteilos) am Nein der Politiker. Dafür wurden die Zwölfer- und Monatskarten abgeschafft und ein System von Bonuskarten eingeführt. Wie sich das auf die Einnahmen ausgewirkt hat, steht nicht in den Vorlagen. Die neue Lübeck-Card hat dagegen zu Einnahmeausfällen von 20000 Euro geführt.

 Nach Darstellung der Werkleitung ist der Betrieb an einen Punkt gelangt, „an dem die Möglichkeiten zu weiteren Konsolidierungen ausgeschöpft sind“. Die Verluste wurden in den letzten zehn Jahren von fast 4,5 auf 3,8 Millionen Euro im Jahr zurückgefahren, die Zahl der Mitarbeiter von 105 auf 60 reduziert. Zugleich muss der Betrieb ein gigantisches Sanierungsprogramm stemmen. Allein das Sportbad in St. Lorenz muss für insgesamt sieben Millionen Euro auf Vordermann gebracht werden. Die Fassade wurde gerade gemacht, die nächsten Sanierungsschritte wie die Erneuerung der Technik seien nur noch mit Drittmitteln möglich, heißt es im Wirtschaftsplan.

Frisches Geld wäre also nicht schlecht. „Zehn Prozent höhere Eintrittspreise machen wir nicht mit“, erklärt SPD-Fraktionschef Jan Lindenau, „wenn jedes Jahr zehn Prozent obendrauf kommen, geht bald keiner mehr in die Schwimmhallen.“ Über die Anhebung der Schulschwimmen-Preise will die Fraktion nochmal diskutieren. Lindenau: „Das zahlen ja nicht die Schulen, sondern der Bereich Schule und Sport.“

 Auch die GAL lehnt Preiserhöhungen rigoros ab. Fraktionsvorsitzende Antje Jansen: „Die Preise müssen stabil bleiben, sonst werden die Bürger vom Besuch der Hallen und Freibäder abgehalten.“ Die Grünen haben ebenfalls Probleme mit der Verteuerung. Fraktionschefin Michelle Akyurt: „Schwimmen darf nicht zum Luxus werden.“ Endgültig legen sich die Grünen aber erst kurz vor der Bürgerschaft fest.

 Die CDU dagegen stimmt beiden Anhebungen zu. „Die Schwimmbäder haben ein erhebliches Defizit“, sagt Bildungsexpertin und Kreisvorsitzende Anette Röttger, „eine Erhöhung um zehn Prozent ist moderat.“

Auch Marcel Niewöhner, Fraktionschef der BfL, hält zehn Prozent für maßvoll: „Die Eintrittspreise sind nicht übermäßig teuer.“

 Der Schulsportbeauftragte und Vorsitzende des Kreisschwimmverbandes plädiert dafür, wenn schon, mäßig anzuheben. Holger Bull: „Vereine nehmen Preiserhöhungen um wenige Prozent lieber hin als plötzliche, hohe Aufschläge.“ Wichtig sei, dass sie genug Vorlaufzeit hätten, um ihre Mitgliedsbeiträge anzupassen. Mit dem Verfall von Schwimmanlagen sei den Sportlern auch nicht gedient.dor

LN

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