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Lübeck Hoffnung für das Tierpark-Gelände
Lokales Lübeck Hoffnung für das Tierpark-Gelände
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20:34 04.05.2016
Allmählich erobert sich die Natur das Gelände zurück. Es liegt in einem Landschaftsschutzgebiet. Quelle: Lutz Roeßler

Zerborstene Fensterscheiben, mit Graffiti besprühte Ruinen, niedergetretener Maschendraht, verkrautete Mauerreste: Das ehemalige Tierpark-Gelände in Israelsdorf bietet keinen schönen Anblick. Ende 2010 schloss der Tierpark nach großem öffentlichen Druck. Seitdem ist nichts passiert. Jetzt plant die Stadt, das Gelände mit Stiftungsgeld zum Teil eines großen Naherholungsgebiets mit Wanderwegenetz und Lehrpfaden im Lauerholz nördlich der Wesloer Landstraße zu machen. „Wir haben einen Geldgeber gefunden, der das wohlwollend prüft“, sagt Rüdiger Mahnkopf vom Bereich Stadtwald.

„Unser Ziel ist, dass es wieder ein ordentliches Waldgelände ohne einen Zaun drumherum wird.“ Rüdiger Mahnkopf vom Bereich Stadtwald

Lübecks kleiner Zoo: Ende nach 60 Jahren

1952 zieht der 1950 gegründete Tierpark nach Israelsdorf. In den 60er-Jahren kommen bis zu 80000 Besucher pro Jahr.

1993 retten Spenden Lübecker Bürger den Zoo.

2008 beschließt die Bürgerschaft das Ende — nach jahrelangen Protesten von Tierschützern. 2010 wird der Zoo geschlossen.

Das Tierpark-Gelände im Norden des Lauerholzes wäre dann einer von drei Ausgangspunkten des Wanderwegenetzes — neben dem Rittbrook im Südwesten und dem Holzhof Wesloe im Süden. Was weitere Einzelheiten des Projekts, die Identität des möglichen Geldgebers und die Kosten angeht, hält Mahnkopf sich bedeckt. Unsicher ist noch, ob der Geldgeber die Kosten für Abriss und Entsorgung der verkommenen Bauten übernehmen würde. Nicht zuletzt daran sind bisher alle Bemühungen, das Gelände wieder zugänglich zu machen, gescheitert.

Für die Anwohner ist der Zustand des Tierparkgeländes ein Ärgernis. Christel Kripke, Sprecherin des Runden Tischs Karlshof-Israelsdorf, sagt: „Das ist ein Gefahrenpunkt, und schön sieht es weiß Gott nicht aus. Es kann nicht sein, dass die Kinder in den vergammelten, teilweise einsturzgefährdeten Gebäuden spielen. Wehe, wenn da was passiert!“ Sie war früher Mitglied des Tierpark-Vereins. „Unsere Vorstellung war ja mal, einen Streichelzoo in Verbindung mit der Katharineumswiese zu machen, mit einem Café.“ Daraus wurde nichts — wie auch aus allen anderen Plänen: Der Großbäcker Tim Sachau wollte 2009 einen modernen „Hanse-Zoo“ aufbauen. 2014 brachte Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) ein Baumhaus-Hotel ins Gespräch — ohne einen Investor zu haben. Der Verein Hunde-Freilauf Lübeck zeigte Interesse, hat aber inzwischen nebenan eine Freilauffläche eingerichtet.

Der Zugang zum ehemaligen Tierpark-Gelände ist verboten. Das hat offensichtlich Eindringlinge nicht davon abgehalten, Zäune niederzureißen, Fensterscheiben zu zerbrechen und Graffiti auf Wände zu sprühen. Foto: Lutz Roeßler

Die Priorität des Bereichs Stadtwald ist klar. „Unser Ziel ist, dass das Gelände wieder ein ordentliches Waldgelände ohne einen Zaun drumherum wird“, sagte Mahnkopf den Bürgern bei einer Einwohnerversammlung im Gemeinschaftshaus Karlshof. Das sei die einzige zukunftsfähige und genehmigte Nutzung. „Der Zoo hat auch nur so eine Notgenehmigung gehabt. Da gab es nie einen Bebauungsplan.“ Mahnkopf schätzt die Kosten für Abriss und Entsorgung auf 100000 Euro. Solange deren Übernahme nicht geklärt sei, werde nichts passieren: „Im Moment besteht unsere Aufgabe darin, den Zaun wiederherzustellen und die umgestürzten Baustellen-Schilder wieder aufzustellen.“

Die Bürgerschaft hatte zwar seinerzeit den Rückbau beschlossen, aber die Mittel nie bereitgestellt. Antje Jansen (GAL), die damals zu den Wortführern der Tierpark-Gegner gehörte, ist für einen baldigen Abriss. „Man kann das nicht so liegenlassen.“

Andere Politiker sind zurückhaltender. Ursula Wind-Olßon (CDU), Mitglied des Umweltausschusses, sagt: „Ohne ein handfestes Projekt wird keiner Geld in die Hand nehmen.“ Bürgerschaftsmitglied Harald Quirder (SPD) spitzt es so zu: „Wenn ich eine Schule habe, die dringend saniert werden muss, und ein Gelände im Wald, wo Gebäude abgerissen werden sollen — dann brauche ich Ihnen nicht zu sagen, wie das ausgeht.“

Sven Wehde (40) über die Zukunft des verfallenen Tierparks

Sven Wehde.

Der ehemalige Tierpark in Israelsdorf bietet heute einen traurigen Anblick. Die Ruinen sind ein Schandfleck, der dringend beseitigt werden müsste. Allerdings sind die Abrisskosten von knapp 100000 Euro hoch. Zu hoch. Lübecks Stadtkasse ist chronisch leer — und das Geld wird an anderer Stelle dringender gebraucht. Deshalb tut sich seit Jahren verständlicherweise nichts.

Schade aber, dass es überhaupt soweit kommen musste. Mit Tim Sachau und seinen Plänen für einen Hanse-Zoo gab es damals einen ernsthaften Investor mit konkreten Plänen. Mit etwas Mühe hätten die Politiker hier vielleicht eine wunderbare Nachnutzung schaffen können. Lübeck wäre heute um eine Attraktion reicher und um eine hässliche Bauruine ärmer.

So eine Möglichkeit darf nicht noch einmal ungenutzt bleiben. Sollte also wirklich eine Stiftung bereit sein, das Gelände in ein Naherholungsgebiet zu verwandeln und vielleicht sogar die Abrisskosten zu übernehmen, sollte die Chance diesmal genutzt werden.

Von Hanno Kabel

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