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Lübeck Hohe Gebühr: 170 Euro für ein paar Steine auf dem Grab
Lokales Lübeck Hohe Gebühr: 170 Euro für ein paar Steine auf dem Grab
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11:07 07.09.2016
Marion Meier ist täglich auf dem Vorwerker Friedhof. Quelle: Kröger
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Lübeck

Der Friedhof. Es ist der Ort, an dem Menschen den Verlust ihrer Liebsten betrauern können und mit Figuren, Blumen und Kränzen ein Zeichen der Verbundenheit auf die Gräber setzen. Ein Ort, an dem man den Verstorbenen doch noch nahe sein kann. Und der Friedhof ist ein Ort mit klaren Regeln und einer strengen Ordnung.

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Verwaltung kassiert für die Genehmigung einer Umrandung – Friedhofssatzung sorgt erneut für Verwirrung – Überarbeitung war im letzten Jahr angekündigt worden.

„Ich war so glücklich über das schöne Grab. Meinem Sohn war ich das schuldig.“Marion Meier (76)

Marion Meier ist täglich auf dem Vorwerker Friedhof. Denn hier ruhen nicht nur ihre Eltern – sie hegt und pflegt auch liebevoll das Grab ihres verstorbenen Sohnes Mario. „Seit dem 21. Januar bin ich jeden Tag auf dem Friedhof“, erzählt die 76-Jährige. Um die Trauer und den Verlust irgendwie zu bewältigen, verbringt die Rentnerin dort viel Zeit. Weil Marion Müller mit Steinen eine Umrandung um das Grab gezogen hat, ist sie jetzt der Friedhofsverwaltung aufgefallen. Neben den Pflanzen und Engels-Figuren steckt nun ein weißes Schild im Boden. „Angehörige bitte melden“, steht darauf. Denn die Rentnerin soll 170 Euro zahlen. Weil es ein Gesetz gebe und die Steine nicht erlaubt seien, das habe man ihr jedenfalls so mitgeteilt. „Ich verstehe das einfach nicht“, sagt die 76-Jährige. Auch am Grab ihrer Eltern hat Meier eine ähnliche Umzäunung eingerichtet. Dort habe sie keine Aufforderung von der Friedhofsverwaltung bekommen. „Da ist es erlaubt, hier nicht – was soll ich denn nun machen“, klagt Meier verzweifelt.

Die rötlich-braunen Steine hat die Rentnerin selbst auf den Friedhof gebracht. „Als ich mit der Umrandung fertig war , kam ein Friedhofsgärtner und hat gesagt, dass ich gute Arbeit geleistet hätte“, sagt Meier stolz. Dass die Steinreihe offenbar nicht gestattet ist, wusste sie nicht.

„Ich kann einfach nicht verstehen, wie die Entscheidungen getroffen werden“, sagt die 76-Jährige. Vor einem Jahr habe man ihr gesagt, sie müsse die Steinumrandung vom Grab ihrer Mutter entfernen. An Stelle der Steine setzte Meier ein Kunststoffzäunchen. Auch das sei nicht erlaubt gewesen. „Aber man sagte mir dann, dass ich die Steine wieder hinstellen dürfte. Und damals habe ich nichts bezahlen müssen“, so Meier. Eine Stellungnahme der Stadtverwaltung gab es dazu gestern nicht. Nach LN-Informationen sollen die 170 Euro aber die Gebühr für die Genehmigung der Grabeinfassung sein. Weil die Einfassungen gesichert sein müssen, würden sie von der Friedhofsverwaltung überprüft. Solche Einfassungen könne man machen, müsse sie aber prüfen lassen. In Lübecks Friedhofssatzung (Stand März 2015) steht, dass die Friedhofsverwaltung nicht genehmigte Grabeinfassungen und andere unzulässige Gegenstände kostenpflichtig entfernen kann.

Für Marion Meier ist die Aufforderung zur Zahlung ein echter Schreck. „Ich kann mir das einfach nicht leisten“, sagt die Rentnerin traurig. Sie sei so glücklich über die gepflegte Ruhestätte ihres Sohnes Mario gewesen. Die kleine Umrandung um die Pflanzen und Figuren sollte alles abrunden. „Andere Gräber sind teilweise sehr verkommen, ich versuche doch nur, mich gut um alles zu kümmern“, erklärt die 76-Jährige. Sie fürchtet nun, dass sie die Steine wieder entfernen muss.

Im letzten Jahr hatten die strengen Regeln auf Friedhöfen schon einmal für Verwirrung und Unverständnis gesorgt. Die Hinterbliebenen, die Gräber mit Kieselsteinen bedeckt hatten, wurden im Juni aufgefordert, die Grabstätten umzugestalten (die LN berichteten). Denn Kieselsteine waren laut Friedhofssatzung nicht erlaubt. Schließlich schaltete sich Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) ein. Die Kieselstein-Regelung sei historisch. Im Hauptausschuss hatte der Bausenator angekündigt, die Friedhofssatzung in Kürze nach weiteren alten Regelungen zu durchforsten. Die Kieselgräber mussten schließlich nicht umgestaltet werden, Lübeck erlaubte die kleinen Steinchen auf den Gräbern. Eine neue Friedhofssatzung gibt es seit der Diskussion im letzten Jahr noch nicht.

Ärger um Kieselgräber

Die Kieselsteine auf dem Grab ihres Sohnes und Mannes sollte die Kücknitzerin Regina Wandschneider im letzten Jahr entfernen.

„Kieselgräber stammen aus einer Zeit, als feste Grabeinfassungen nicht erlaubt waren“, erklärte Bausenator Boden damals die Regelung im Hauptausschuss. Bei der Grabpflege gerieten Kieselsteine dann in die Rasenmäher der Friedhofsgärtner. Eine Überarbeitung der Satzung wurde angekündigt.

 Tomma Petersen

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