Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Horst-Michael Schulz wird leitender Polizeiarzt in Kiel
Lokales Lübeck Horst-Michael Schulz wird leitender Polizeiarzt in Kiel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:01 26.09.2017
Dr. Horst-Michael Schulz ist jetzt Leitender Polizeiarzt in Kiel. Quelle: hfr
Lübeck/Kiel

Der in Meiningen (Thüringen) geborene Mediziner freut sich über die Entscheidung, mit der ihm auf der Zielgeraden seiner Laufbahn die Funktion des Leitenden Polizeiarztes in Kiel anvertraut worden ist. „Damit habe ich bis vor ein paar Monaten eigentlich nicht mehr gerechnet“, zeigt sich Schulz dankbar.

Die Karriere von Horst-Michael Schulz als Arzt im Polizeidienst beginnt 1986 in Nordrhein-Westfalen. Hier hat Schulz, der in Neuruppin aufwächst und 1971 das Abitur macht, die erste Stelle als Polizeiarzt inne. Zuvor war er nach seinem Medizinstudium als Assistenzarzt in Karlsburg und in einem Krankenhaus in Bielefeld tätig.

Unter abenteuerlichen Umständen flüchtet Horst-Michael Schulz 1980 aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland. Ein erster Fluchtversuch mit einem Freund im September 1979 scheitert noch. Mit einem Schlauchboot versuchen beide, von der Insel Rügen nach Schweden zu türmen. Die Unbilden der Ostsee mit meterhohen Wellen lassen die Flucht zum Desaster werden. Vollkommen entkräftet finden sich die beiden jungen Männer am Strand von Rügen wieder. Sie haben jedoch Glück im Unglück, denn der Fluchtversuch bleibt wie durch ein Wunder unbemerkt. Deshalb trauen sich beide ein Dreivierteljahr später nochmals. Und werden für ihren Mut belohnt, die Flucht in den Westen gelingt.

Als Polizeiarzt in Nordrhein-Westfalen sehen Schulz und seine Frau für sich keine Zukunft. Sie haben schon lange den Wunsch, irgendwann einmal am Meer leben zu dürfen. Schon zwei Jahre später klappt es zur Freude der beiden jungen Eheleute. Ein glücklicher Umstand ermöglicht den Wechsel nach Schleswig-Holstein. „Bis dahin gab es in Lübeck nur einen Vertragsarzt für die Polizei. Das änderte sich.

Es wurde nun eine echte Polizeiarztstelle eingerichtet, das war meine Chance“, erinnert sich der Leitende Regierungsmedizinaldirektor. Es werden 1987 sogar zwei Polizeiarztstellen ausgeschrieben, eine für Kiel und die andere für Lübeck. Während Klaus Würdemann, der später Leitende Polizeiarzt, die Stelle am 1. Januar 1988 in Kiel annimmt, muss Schulz noch ein Vierteljahr warten. „Wegen meiner Ostvergangenheit musste ich mich noch intensiver Sicherheitsabfragen unterziehen“, erinnert er sich. Seit dem Wechsel in die Hansestadt betreut Schulz die Beschäftigten der Polizeidirektionen Lübeck und Ratzeburg. Nun blickt der Vater zweier erwachsener Töchter auf eine fast 30 Jahre währende Zeit als Polizeiarzt im Behördenhaus zurück und stellt sich der Aufgabe im Kieler Landespolizeiamt. Die Stelle war nach Ausscheiden von Dr. Würdemann fast ein Jahr unbesetzt.

„Dennoch fühle ich mich doch auch ein wenig wie ein Verräter an meinen langjährigen Patienten im Lübecker Raum. Meine ,Seelchen‘ werden mir fehlen“, bekennt Horst-Michael Schulz. Das habe er besonders deutlich zu spüren bekommen, als er beim G-20-Einsatz in Hamburg die Einsatzkräfte medizinisch betreut habe. Es sei sehr wichtig, solche Einsätze als Polizeiarzt zu begleiten. Auf die Einsatzkräfte wirke schon die Anwesenheit der Mitarbeiter des ärztlichen Dienstes beruhigend.

Schulz möchte in seiner neuen Funktion sicherstellen, dass alle Polizeiärzte im Land nach den gleichen Standards arbeiten: „Das ist wichtig, damit einheitliche, gerichtsverwertbare Ergebnisse bei den Gutachten zur Polizeivollzugsdienstfähigkeit und den Eignungsuntersuchungen zur Verfügung stehen.“ Und auch im Bereich der Arbeitsmedizin, insbesondere bei den Schichtdienstmodellen der Polizei, seien gesundheitliche Aspekte zu berücksichtigen. Akademische Gutachten seien dabei hilfreich. Vor allem aber die kurative Medizin für seine Patienten bleibe ein Schwerpunkt der polizeiärztlichen Arbeit.

 tgr

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!