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Lübeck Hotdogs im runderneuerten Denkmal
Lokales Lübeck Hotdogs im runderneuerten Denkmal
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20:52 26.07.2017
Die Roncalli-Mitarbeiterinnen Nina Leimer (25, l.) und Vivien Anton (22) gönnen sich bei Fabian Heissing im neu eröffneten Pavillon einen kleinen Pausen-Snack. Auch viele ihrer Kollegen warten seit Aufbaubeginn am Montag regelmäßig auf eine frisch zubereitete Stärkung. Quelle: Felix König

Eigentlich, so „Tailor in Town“ Heinrich Heissing (59), wollte man am vergangenen Sonnabend zunächst „ganz soft“ starten. Doch jetzt stehen seine Frau Elke (58) und Sohn Fabian (33) schon unter Dauerstrom: Touristen, aber seit Montag auch die Roncalli-Mitarbeiter, nutzen die Gelegenheit, sich am Pavillon gegenüber vom Holstentor einen Hotdog oder ein Sandwich zu holen, einen kalten Drink oder Kaffee zu genießen.

Herrenschneiderei und noble Galerie in der Mengstraße. Jetzt erweitert Familie Heissing mit dem Kiosk am Holstentor ihr Betätigungsfeld.

Nach längerem Leerstand, Abrissplänen seitens der Stadt als Eigentümerin und nach dem Veto der Denkmalpflege im vergangenen Sommer hat Familie Heissing sich des Pavillons angenommen. „Wir haben einen langfristigen Pachtvertrag“, sagt Heinrich Heissing, der das marode Gebäude aus den 50er Jahren binnen viereinhalb Monaten in Abstimmung mit der Denkmalpflege komplett hat umbauen lassen. Jetzt ist der Kiosk stylish und geradlinig, ohne jedoch die für die 50er Jahre typische Elemente zu vernachlässigen.

In den Umbau hat Heissing, Eigentümer von inzwischen drei Dielenhäusern in der Mengstraße, nach eigenen Angaben 130000 Euro gesteckt – „doppelt so viel wie eigentlich geplant“, sagt er und versichert: „Hätte ich das vorher gewusst – ich hätte es nicht gemacht.“ Jetzt aber ist alles gut. Ehefrau Elke und Sohn Fabian sind vom Fach, im runderneuerten Pavillon am Holstentor bieten sie keine gewöhnlichen Hotdogs oder Allerwelts-Sandwiches an: Die Hotdogs bestehen aus Rinds- oder Lammwurst, die Zutaten sind höchst kreativ. So wird der Hotdog „Lübeck“ mit Rotspon-Zwiebelconfit, Salat und Frühlingslauch serviert, die Variante „New York“ mit Sauerkraut, geschmort in Honig und Schwarzbier, roten Zwiebeln und süßem Senf. Interessant auch die Variante „Marrakesch“: Zur Lammwurst werden Linsensalat und Harissa-Dressing serviert. „Wir möchten auch Frühstück anbieten“, sagt Fabian Heissing, „wir kochen kreativ und setzen auf heimische Produkte.“ So stamme das Brot aus dem Freibackhaus, die Wurst von Lohff.

Wenn sich der Betrieb ein wenig eingependelt hat, soll es eine offizielle Eröffnung geben, geöffnet sein soll dann jeweils von 8 bis 23 Uhr. „Dann werden wir auch Mitarbeiter einstellen“, versichert Heinrich Heissing, denn das könnte dann doch für Frau und Sohn ein bisschen viel werden.

Ein derartiges Angebot hat es in dem Kiosk bislang noch nicht gegeben. Vom Jahr 2000 an hatte Dagmar Borchert einen klassischen Kiosk mit Postkarten, Zigaretten, Süßigkeiten und Zeitschriften betrieben, 2011 renovierte Karim Ghoudi und verwandelte das Haus in eine Pizzeria mit Café, das zwei Jahre lang gut gelaufen sei, bis sein Pachtvertrag endete. Sein Nachfolger ging in die Insolvenz.

Jetzt ist also Familie Heissing am Start. Gut möglich, dass der Wunsch von Christian Martin Lukas in Erfüllung geht. Der Chef des Lübeck und Travemünde Marketing hatte sich voriges Jahr, als die Denkmalpflege den Abriss des Gebäudes verhinderte, dazu geäußert. „Der Kiosk hat eine Lage mit viel Potenzial und einer hohen Besucherfrequenz.“ Er wünsche sich ein gastronomisches Konzept mit Kultcharakter – für Gäste, die sich das Holstentor in Ruhe aus der Nähe anschauen wollen.

Relikt der 50er Jahre

Der sechseckige Kiosk mit dem runden Dach, entstanden in den 1950er Jahren, hat aufgrund seiner Lage an Holstentor und Salzspeichern das Zeug zum Kultort. Die Pächter wechseln recht häufig, der letzte muss Insolvenz anmelden. Nach Auslaufen des letzten Pachtvertrages im Herbst 2016 wollte die Stadt den in die Jahre gekommenen Kiosk abreißen.

Kurz vor dem Abriss schaltet sich die Denkmalpflege ein – der Kiosk muss erhalten bleiben.

 Sabine Risch

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