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Lübeck Hubbrücke: Der Kern allen Übels ist so groß wie ein Schuhkarton
Lokales Lübeck Hubbrücke: Der Kern allen Übels ist so groß wie ein Schuhkarton
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23:18 25.11.2016
Darum steht die Hubbrücke: Klaus Thiel (60) zeigt das abgebrochene der Teil der gusseisernen Längswellenkonsole. Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Innenstadt

Es ist ein Riss. Ein kleiner. Zehn Zentimeter lang, zwei breit. Und er lässt Lübecks Autofahrer im Stau stehen. Denn dieser Riss hat die Hubbrücke stillgelegt. Am 25. Oktober. Er hat die Brücke aus dem Gleichgewicht gebracht. Im wahren Wortsinn. Denn er hat einen Teil der Längswellenkonsole abgebrochen. Dieses gusseiserne Ding hat die Größe eines Schuhkartons und ist für den Gleichgewichtssinn der Hubbrücke verantwortlich. Jetzt ist es kaputt. Dabei ist das Bauwerk von 1900 eine Meisterleistung der Ingenieurskunst. „Faszinierend“, sagt Henning Dierken, Chef des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Aber alt. Daher fällt die Hubbrücke immer häufiger und länger aus. Jetzt soll am 9. Dezember wieder alles repariert sein. Die Hubbrücke besteht aus drei Querungen. Probleme macht die Straßenbrücke in der Mitte.

Hubbrücke ist am 9. Dezember fertig – 2020 wird sie komplett erneuert.

Bauwerk von 1900

Die Hubbrücke wurde von 1896 bis 1900 gebaut – entworfen vom Wasserbaudirektor Ludwig August Hotopp. Das Bauwerk besteht aus drei Brücken: Die hochfahrbare Eisenbahnbrücke wurde 2009 stillgelegt und ist seither dauerhaft hochgestellt. Die hochfahrbare Straßenbrücke macht immer wieder Probleme. Und dann noch die feste Fußgängerbrücke.

Die Ursache allen Übels liegt jetzt vor Klaus Thiel. Er ist der Hubbrücken-Experte, kennt jede Facette des Bauwerks. Das abgebrochene Teil der Längswellenkonsole hebt Thiel hoch. „Ohne diese Konsole funktioniert die Brücke nicht“, sagt der Fachmann. Denn sie sorgt dafür, dass die Brücke gleichmäßig hoch- und runterfährt, in keine Schieflage gerät und sich nicht verdreht. Gar nicht so einfach.

Denn die Straßenbrücke wiegt 245 Tonnen. Sie wird mit zwei mächtigen Zylindern um 3,20 Meter angehoben, damit die Schiffe passieren und von der Trave in den Kanal einbiegen können. Die beiden Hubzylinder sind unter der Straßenbrücke montiert: auf der Stadtseite und auf der Seite der Hafenstraße. Doch damit diese mächtige Masse beim Hoch- und Runterfahren nicht zur Seite kippt, ist an der Längsseite eine Welle montiert – auf der gesamten Länge von 42,24 Metern.

Diese Welle mündet in der besagten Längswellenkonsole. Sie ist festmontiert an der Brücke – und an der Seite an einen Umlenkblock. Und diese Verbindung hat einen Riss bekommen und ist in zwei Teile gebrochen. Der Umlenkblock ist wiederum befestigt am stadtseitigen Brückenturm. Der Block hat zwei Zahnräder übereinander, das Zahnrad der Längswelle ragt dazwischen hinein. Dadurch wird die vier Meter lange Kette von oben nach unten geführt. Sie hält die Brücke in der Waage. Doch da die Längswellenkonsole zerbrochen ist, hat die Brücke aus der Balance geworfen – und kann nicht mehr bewegt werden. Das Ersatzteil kostet 7000 Euro. Das ist nicht viel. Dauert aber. Denn 117 Jahre alte Längswellenkonsolen gibt es nicht von der Stange. Die Firma Metalock in Norderstedt fertigt das Teil extra an. In einer Woche soll es da sein. Das Original besteht aus Guss, der Ersatz aus Stahl. Dann muss die neue Konsole noch angepasst und an der Brücke eingebaut werden. Ab 9. Dezember rollen die Autos wieder hinüber.

Allerdings: Die Hubbrücke muss noch durchhalten – mindestens bis zum 120. Geburtstag. Dann soll klar sei, wie das Bauwerk erneuert wird. Durch Neubau oder Umbau. Aktuell wird dazu eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Denn gegen die Lösung von WSA und Stadt hatte das Welterbe-Komitee Ende 2014 Einspruch erhoben.

Josephine von Zastrow

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