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Lübeck Hübsch oder hässlich? Der neue Koberg ist fast fertig
Lokales Lübeck Hübsch oder hässlich? Der neue Koberg ist fast fertig
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12:17 06.09.2016
Über eine Woche früher als geplant wird morgen der Lübecker Koberg wieder für den Verkehr freigegeben. Quelle: König (4), Maxwitat (1)
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Innenstadt

Die frischen Markierungen leuchten weiß, die Fahrbahn des Kobergs hat nun ihre schwarze Asphaltdecke bekommen. Morgen Abend, nach der Abnahme der Baustelle, wird der Koberg nach sieben Wochen Sanierung wieder für den Verkehr freigegeben – über eine Woche früher als geplant. Das letzte Stück Straße zwischen der Königstraße und dem Heiligen-Geist- Hospital wird heute asphaltiert. Das neue Aussehen des Kobergs ist nun deutlich zu erkennen. Und es spaltet die Lübecker und die Lokalpolitiker.

Mit einem Foto der asphaltierten Fahrbahn, dem dahinter klein wirkenden gepflasterten Platz des Kobergs und dem Satz ,Brought to you by SPD und CDU in Lübeck’ hat Grünen-Chef Thorsten Fürter auf seiner Facebook-Seite für Diskussionsstoff gesorgt. Und auf die Verantwortung der beiden großen Parteien hingewiesen. „Das sieht ja furchtbar aus“, kommentiert Userin May-Britt Schrader das Foto.

Auch Eik Detlefsen findet: „Hier wurde ein geschichtlicher, schöner Straßenzug mit Füßen getreten“.

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Neuer Asphalt auf dem Koberg spaltet die Lübecker.

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Über die losgetretene Lawine zeigt sich Fürter überrascht. „Ich hatte nicht erwartet, dass das so abhebt, aber es zeigt, dass der Koberg ein emotionales Thema ist“, sagt der Grünen-Chef auf LN-Anfrage. Der Koberg sehe nun einfach nicht gut aus. „Und das ist genau das, was wir befürchtet haben.“ Mit Kopfsteinpflaster sei der Platz schöner gewesen – und nun sei er unansehnlicher gemacht worden. „Der Asphalt zerstört natürlich das schöne Bild der Altstadt“, schließt sich auch FDP-Mann Manfred Kirch an. „Die Bürgerschaft hat damals einen Fehler gemacht, als sie das Angebot von der Possehl-Stiftung ausgeschlagen hat“, sagt Fürter.

Im April hatte die Stiftung angeboten, die Mehrkosten von 200 000 bis 240000 Euro für ein neues, erschütterungsarmes Kopfsteinpflaster zu übernehmen. Denn der Asphalt kostete 510000 Euro, geschnittenes Kopfsteinpflaster hätte 700 000 Euro gekostet. Die Bürgerschaft entschied sich mit den Stimmen der CDU und SPD für den Flüsterasphalt. Die kleineren Fraktionen konnten sich mit ihrer Forderung nach geschnittenem Kopfsteinpflaster nicht durchsetzen.

Morgen werden die sanierten Straßen für den Verkehr freigegeben. Das Aussehen des Asphalts gefällt nicht jedem. Rund um den Platz wird heftig diskutiert.

Die Meinungen der Lübecker gehen beim Thema Koberg weit auseinander. „Optisch passt es wirklich gar nicht – furchtbar“, sagt Katrin Merkel. Die 37-Jährige findet, dass man gerade in Altstädten Kopfsteinpflaster erhalten müsse. Auch die 21-jährige Ramona Winterstein kann den schwarzen Asphalt nicht gut leiden. „Das Pflaster gehört einfach zu Lübeck, jetzt sieht es so gerade und ordentlich aus. Das finde ich hässlich“, bemängelt sie. Anwohnerin Olga Mull sieht die Sanierung anders: „Vorher war es doch auch nicht schön hier. Nun ist es wenigstens ruhiger geworden – und der Platz ist ja geblieben.“ Die Asphaltdecke hat auch den Blick von Dieter Pluta auf sich gezogen. „Das sieht sehr gut aus“, lobt der 63-Jährige. Die Bauarbeiten seien dazu noch schnell vorüber gewesen. „Wenn die Busse jetzt ohne Gepolter hier fahren können, ist das gut.“

„Wir mussten dringend etwas tun, um die Gebäude zu schützen“, verteidigt CDU-Fraktionschef Andreas Zander die Entscheidung zur Sanierung. Zudem sei der Asphalt ein Provisorium. Wenn entschieden sei, wie man die Altstadt nutzen wolle – beispielsweise autofrei – könne man geschnittenes Pflaster legen. „Der Untergrund war das Problem. Der ist jetzt so, dass man in ein paar Jahren Pflastersteine verlegen könnte.“ Der verkehrspolitische Sprecher der SPD schließt sich Zander an. „Man sollte dringend aufhören, den Koberg schlechtzureden und sich dafür einsetzen, dass der Platz wiederbelebt wird“, sagt Ullrich Pluschkell. Denn das mache den Koberg schön, nicht das Pflaster. „Grundsätzlich begrüßen wir natürlich die Sanierung. So werden die Erschütterungen weniger, die uns Probleme bereitet haben“, sagt auch Klaas-Peter Krabbenhöft, Verwalter der Stiftung Heiligen- Geist-Hospital, vor dessen Türen nun der Asphalt glänzt. „Schön ist es zwar nicht wirklich, aber es ist eine Notlösung. Vielleicht kommen ja einmal geschnittene Steine“.

 Tomma Petersen

 

 

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