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Lübeck Hündin „Mimi“ hält ihr Viertel sauber
Lokales Lübeck Hündin „Mimi“ hält ihr Viertel sauber
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09:43 16.09.2017
Ein Maul voll Plastikflaschen: Dalmatinerhündin „Mimi“ sammelt auf ihren Spaziergängen immer jede Menge Unrat und nimmt ihn mit. Und sie tut es freiwillig.  Quelle: HOLGER KRÖGER
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St. Jürgen

Zweimal täglich führt Sylvia van den Tol (61) „Mimi“ an der Kanaltrave aus, und zweimal täglich beendet „Mimi“ den Spaziergang mit einem Maul voller Plastikflaschen, Zigarettenschachteln, Fastfood-Kartons, Eisstiele oder Plastiktüten. Beigebracht habe ihr das niemand, sagt Sylvia van den Tol. „Ich weiß bis heute nicht, warum sie das macht“, sagt sie. Seit 36 Jahren sei sie Hundebesitzerin, aber so etwas habe sie noch nicht erlebt.

Was „Mimi“ mitbringt, muss Besitzerin Sylvia van den Tol am Ende entsorgen.

Angefangen habe es zu Hause. „Ich habe mal mein Schlafzimmer ausgeräumt, weil ich wischen wollte, und einen Wecker rausgestellt. Dann hat sie mir den ins Wohnzimmer gebracht.“ Bald danach habe „Mimi“

angefangen, draußen für Ordnung zu sorgen. „Zu Hause ist ja nichts aufzuräumen. Ich bin ja so penibel und sauber“, sagt van den Tol, während „Mimi“ versucht, ihre zwei Plastikflaschen plattzudrücken, um zusätzlich noch ein Stück modriges Holz ins Maul nehmen zu können.

Draußen gibt es immer etwas zu sammeln. Einmal, erzählt „Mimis“ Besitzerin, habe sie einen Eierkarton und einen Damenpumps angeschleppt; ein anderes Mal eine Zigarettenschachtel mit vier Zigaretten und 15 Euro. Oft habe „Mimi“ schon Bälle gefunden, die andere Hunde verloren hätten. „Ich habe schon fünf, sechs davon.“ Und wenn sie sonst nichts findet, dann sammelt „Mimi“ auch Steine oder Holzstücke auf. Sie verliert nie den Überblick über ihre Ausbeute. „Was sie heute schon hatte, nimmt sie dann nicht mehr“, sagt Sylvia van den Tol. Am Ende jedes Spaziergangs trägt „Mimi“ alles bis dorthin, wo ihre Besitzerin das Auto geparkt hat, und die wirft es in eine Mülltonne.

Dagmar Bischoff, Hundetrainerin in Lübeck, kennt solches Verhalten vor allem von Retriever-Rassen. Die sind darauf gezüchtet und abgerichtet, geschossenes Wild aufzulesen und den Jägern zu bringen.

„Ich kenne einen Hund, der Leergut sammelt“, sagt Bischoff. „Die Besitzer sammeln das Pfandgeld in einem Spartopf und gehen davon essen.“ Abrichten müsse man Hunde dafür nicht. „Ganz oft gibt es Hunde, die bieten das von allein an.“ Mit ausgeprägtem Ordnungssinn habe das Müllsammeln nichts zu tun. „Wenn die merken, der Mensch findet das gut, dann machen sie das weiter.“ Ob der Hund seinem Herrchen ein Apportel – also einen Gegenstand fürs Apportiertraining – oder eine Plastikflasche bringe, sei dabei kein Unterschied.

„Mimis“ eigentümliches Verhalten hat bei ihr Spuren hinterlassen. „Die Reißzähne sind zur Hälfte schon weg“, sagt Sylvia van den Tol. „Aber wenn sie Knochen gefressen hätte, wären sie auch so abgewetzt. Man könnte das verkronen – aber dann könnte sie keinen Müll mehr sammeln.“ Zu ihren menschlichen Kollegen, die in den städtischen Grünanlagen professionell Müll auflesen, hat „Mimi“ bislang keinen Kontakt aufgenommen, im Gegenteil: „Um die macht sie einen großen Bogen“, erklärt Sylvia van den Tol. „Vor den Greifern hat sie Angst.“

 Von Hanno Kabel

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