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21:25 10.03.2016
Viel Detailarbeit: Für die Schau haben Jan Zimmermann (l.) und Alexander Bastek Tausende historische Fotografien gesichtet. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Die Fotografien datieren zwischen 1840 und 1945, kuratiert wird die Schau von Alexander Bastek, Leiter des Behnhauses, und Foto-Historiker Jan Zimmermann. „Viele der Bilder sind der breiten Öffentlichkeit bisher nicht bekannt“, sagt Bastek, „sie wurden zwar publiziert, die wenigsten jedoch bisher in einer Ausstellung gezeigt.“

Im Mai zeigt das Museum Behnhaus Drägerhaus eine umfangreiche Ausstellung zur Entstehung der Fotografie.

So auch ein Bild der Sturmflut von Travemünde, aufgenommen 1872 von dem Lübecker Fotografen Johannes Nöhring. Oder zahlreiche Daguerreotypien — silbern glänzende Fotografien, die Mitte des 19.

Jahrhunderts mithilfe einer Kastenkamera auf Metallplatten gebannt wurden. Einige von ihnen stammen aus den Privatbeständen Lübecker Bürger. Im Oktober hatten Bastek und Zimmermann über die LN einen Aufruf gestartet. Sie wollten für ihre Schau historische Aufnahmen aus Privatbeständen finden. Zehn der silberglänzenden Aufnahmen wurden eingereicht.

Zusätzlich haben Bastek und Zimmermann in den letzten Monaten Tausende Fotografien im Fotoarchiv des St.-Annen-Museums gesichtet, manche davon sogar nachträglich datiert. „Das war oft Detektivarbeit“, sagt Jan Zimmermann, der in Lübeck die Bildagentur „Vintage Germany“ für historische Fotografien betreibt.

Bei manchen Aufnahmen seien sie erst über die Details im Bild auf das Entstehungsjahr gekommen. So auch bei einigen Fotografien von Joseph Wilhelm Pero, der ab Anfang der 1840er-Jahre ein festes Atelier in der Mühlenstraße hatte. „Pero hat einige Requisiten auch in anderen Bildern mit fotografiert“, erklärt Zimmermann, „so konnten wir auch die undatierten Aufnahmen einem Zeitrahmen zuordnen.“

Pero wird mit zahlreichen Daguerreotypien in der Ausstellung vertreten sein. Dazu wird es Räume mit historischen Architekturaufnahmen, Kunst-, Presse- und Porträtfotografie geben.

Neben vielen Bildern werden Texttafeln die Museumsbesucher auch über die Geschichte der abgebildeten Protagonisten oder Ereignisse informieren. „Eine Aufnahme aus dem Jahr 1849 zeigt beispielsweise ein Hochzeitspaar“, sagt Jan Zimmermann. Die Braut war eine Kaufmannstochter aus Lübeck. „Nur ein Jahr nach der Vermählung wanderte das Paar nach Brasilien aus.“ Dort verstarb die junge Frau wenig später — sie hatte das Klima nicht vertragen. „Die Fotografie ist das einzige, was von dem Paar und seinem kurzen Glück geblieben ist“, sagt Zimmermann.

Doch nicht nur das Abgebildete, sondern auch die Personen hinter der Kamera sollen in der Schau vorgestellt werden. „Mit der Zeit wurde der Kunstaspekt von Fotografien immer wichtiger“, sagt Alexander Bastek. Bisher habe man historischen Fotografien meist nur aus kulturhistorischen Gründen Aufmerksamkeit geschenkt, etwa bei der Rekonstruktion bestimmter Ereignisse. „Wir wollen auch die Fotografen und ihre künstlerische Absicht zeigen“, sagt Bastek.

Die Geburt der Fotografie

Die erste, bis heute erhaltene Fotografie der Weltgeschichte wurde 1826 von dem Franzosen Joseph Nicéphore Niépce hergestellt. Das verschwommene Bild zeigt den Blick aus dem Arbeitszimmer des Fotografen in einem französischen Gutshof.

Das Bild entstand mithilfe der Camera obscura, einer Lochkamera. Das einfallende Licht bildet dabei auf der gegenüberliegenden Rückwand der Kamera ein seitenverkehrtes Bild des Motivs.

Von Katrin Diederichs

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