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Lübeck Hut ab! Lindenau hat es allen gezeigt
Lokales Lübeck Hut ab! Lindenau hat es allen gezeigt
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23:39 19.11.2017
LN-Chefredakteur Gerald Goetsch 
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Lübeck

Der SPD-Fraktionschef hat es besser geschafft, seine Unterstützer zu mobilisieren. Schon deshalb hat er den Sieg verdient. Ein denkbar knapper Erfolg, den sich der Wahlkämpfer Lindenau hart erarbeitet hat. Auf den Sieger des Abends wartet jetzt ein wohlverdienter Urlaub. Und ab Mai eine Herkulesaufgabe.

Jan Lindenau wird Lübecks jüngster Bürgermeister. Mit 38 Jahren steht er für einen Generationswechsel im Rathaus. Gemessen wird er daran, ob es auch einen politischen Neubeginn geben wird. Die Chance besteht durchaus. Lindenau hat in den vergangenen Monaten viel dazugelernt. Es schien so, als habe der sonst eher spröde wirkende Bankkaufmann die Freude am öffentlichen Auftreten entdeckt. Man möchte ihm wünschen, dass ihn dies über den Wahlkampf hinaus beflügelt.

Der Wahlsieg stärkt den Fraktionschef in der eigenen Partei. Als Verwaltungschef wird er sich allerdings von den Genossen emanzipieren müssen. Denn von einer absoluten Mehrheit in der Bürgerschaft ist die SPD weit entfernt. Und wird es aller Voraussicht nach auch nach der Kommunalwahl bleiben. Wie schwierig es sein kann, als SPD-Kandidat Mehrheiten für wichtige Ziele jenseits der Partei zu organisieren, davon kann sein Vorgänger ein Liedchen singen.

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Von einem „schweren Erbe“, welches er antritt, sprach Lindenau gleich nach der Wahl. Eine realistische Einschätzung. Die ersten beiden großen Projekte haben es in sich: Den Bürger-Service zu verbessern und den Dauerstau aufzulösen. Die Erwartungen sind hoch. Bernd Saxe kann seinem Nachfolger jetzt entscheidend helfen, wenn er schon in der Übergangszeit die richtigen Weichen stellt. 

Und Kathrin Weiher? Siegesgewiss gestartet, hat sie den Wahl-Marathon am Ende denkbar knapp verloren. Von der Wechselstimmung, die in Lübeck durchaus spürbar vorhanden war, hatte im ersten Wahlgang ein anderer profitiert: Detlev Stolzenberg räumte überraschend 20 Prozent der Stimmen ab. Das hat dem Weiher-Lager am Ende  offenbar viel Wind aus den Segeln genommen.

Am Ende eines langen Wahlkampfes hielt die abenteuerliche Allianz von Linken bis Union zwar zusammen. Die große Zahl der Nichtwähler beweist aber auch:  Weiher und ihre Unterstützer haben es nicht vermocht, das Wählerpotenzial der sie tragenden Parteien voll auszuschöpfen. Die Kultursenatorin räumte ein, dass ihre Befürworter am Ende wahlmüde waren. Kathrin Weiher zeigte sich als faire Verliererin.

Nicht einmal jeder dritte Lübecker ist an die Urne gegangen. Das ist die schlechte Nachricht dieses Abends. Ein Desinteresse, das allen Sorgen machen muss. Ein Vakuum, das reichlich Platz lässt für neue Akteure. Gerade mal 32,6 Prozent Wahlbeteiligung: Dieser Wahlkampf hätte ein besseres Ergebnis verdient gehabt: Es ging um die wichtigen Themen. Und es wurde fair gestritten. Das ist die gute Nachricht: Beiden Kandidaten ist zuzutrauen, künftig über Lagergrenzen hinweg für Lübeck zu arbeiten. Der selbstbewusste Wahlsieger hatte Fortune. Nun braucht er verlässliche Bündnispartner in der Bürgerschaft. Ein politischer Neuanfang im Rathaus – das wäre ein echter Glücksfall für Lübeck.

Alle Informationen zur Wahl finden Sie hier

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