Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck IG Metall droht mit 24-Stunden-Streiks
Lokales Lübeck IG Metall droht mit 24-Stunden-Streiks
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:51 10.05.2016
Metaller aus acht Betrieben demonstrieren auf der Wiese neben dem Gewerkschaftshaus für höhere Löhne. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

 „Auch in Lübeck werden wir Betriebe abschließen“, kündigte Daniel Friedrich, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Lübeck-Wismar, gestern auf dem Küstenaktionstag vor dem Gewerkschaftshaus an. 1000 Beschäftigte aus acht Betrieben legten gestern die Arbeit nieder, zogen durch gesperrte Straßen zum Holstentor.

Zur Galerie
Küstenaktionstag in Lübeck: 1000 Beschäftigte aus acht Betrieben gingen auf die Straße.

„Wir lassen uns nicht mit Brotkrümeln abspeisen“, sagte Friedrich auf der Kundgebung. Wenn die Arbeitgeber diese Woche kein akzeptables Angebot vorlegen, käme es zu ganztägigen Warnstreiks. Dirk Ehlers, Betriebsratsvorsitzender von Nordischer Maschinenbau Baader: „Wir sind dazu bereit.“ Die IG Metall hat bei der Stadt bereits die Sperrung mehrerer Straßen beantragt, um die Beschäftigten aus den Unternehmen zu holen und zu zentralen Sammelplätzen zu bringen.

Gestern Vormittag startete um 10 Uhr der Zug der Metaller in der Malmöstraße. Über die Revalstraße, die Geniner und die Finkenstraße ging es Richtung Innenstadt. Die Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten auf 1000. Die IG Metall bestätigte diese Zahl. Zur Kundgebung mittags auf der Wiese neben dem Gewerkschaftshaus war die Zahl der Demonstranten aber schon merklich geschrumpft. Der 1.

Bevollmächtigte war zunächst als Stimmungskanone gefragt. „Warum steht ihr so weit weg?“, fragte Daniel Friedrich, „hört auf zu essen und kommt nach vorne.“

Friedrich kritisierte das bisherige Angebot der Metall-Arbeitgeber als unzureichend und zitierte Wirtschaftsdaten von Unternehmen. Baader wolle dieses Jahr den Umsatz um acht bis neun Prozent steigern, und Gabler Maschinenbau habe 2015 eines der besten Ergebnisse der Firmengeschichte eingefahren. Beim Dräger-Konzern habe man den Eindruck, dass ausschließlich die Arbeitnehmer an der schwierigen Lage schuld seien und nicht der Vorstand.

„Die Gewinne verschwinden in den Taschen der Manager — und die Beschäftigten werden mit Linsengerichten abgespeist“, sagte Uwe Polkaehn vom DGB Nord. Fünf Prozent mehr Lohn müssten es dieses Jahr sein, das bisherige Angebot der Arbeitgeber sei ein Hohn. Jonas Meier, stellvertretender Vorsitzender der Jugendvertretung bei Dräger, rechnete vor, wie viel mehr ein Azubi in der Tasche habe, wenn sich die Arbeitgeber durchsetzen. Meier: „1,05 Prozent für zwölf Monate macht neun Euro pro Monat mehr. Das reicht für einen Döner mit Pommes.“

Der Arbeitgeberverband Nordmetall hat den gestrigen Küstenaktionstag als „verantwortungslose Gewerkschaftsfolklore“ kritisiert. Viele Betriebe im Norden würden unter schwächelnder Konjunktur und Auftragsrückgängen leiden.

Bei großen Lübecker Metallbetrieben hielten sich die Auswirkungen des gestrigen Warnstreiks in Grenzen. 120 der rund 500 Beschäftigten bei Baader hätten gestreikt, sagte Personalleiter Marc Hamer auf LN-Anfrage. „Es ist zu Kapazitätsengpässen gekommen, aber die Arbeit wird nachgeholt“, erklärte Hamer. Auch mit den angekündigten 24-Stunden-Streiks werde das Unternehmen professionell umgehen.

Dräger meldet rund 260 Streikteilnehmer. Nennenswerte Produktionsausfälle seien nicht bekannt, erklärte eine Unternehmenssprecherin. Bei Gabler Maschinenbau wollte sich die Geschäftsführung nicht zu den Auswirkungen äußern.

Metaller-Löhne

9000 Mitglieder zählt die IG Metall Lübeck-Wismar.

35000 Euro brutto verdient ein Produktionsmitarbeiter in der Metallbranche im Jahr. Beschäftigte in Hochtechnologiebetrieben würden zwischen 45000 und 50000 Euro im Jahr erhalten, sagt die IG Metall. Nach Angaben des Arbeitgeberverbandes würde das Durchschnittseinkommen der norddeutschen Metaller auf 53000 Euro steigen, wenn die Erhöhung von 2,1 Prozent für 24 Monate akzeptiert würde.

Von Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige