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Lübeck Ich habe doch gar keinen Hund
Lokales Lübeck Ich habe doch gar keinen Hund
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07:57 07.07.2016
Hartmut Schenk hat zwar eine Hundeleine, aber nur, weil er regelmäßig mit den Vierbeinern aus dem Tierheim Gassi geht. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Wenn man bei Hartmut Schenk in der Reihenhaussiedlung in Karlshof klingelt, passiert erst einmal gar nichts. Kein Bellen, kein Winseln, kein Kratzen an der Tür. Als Schenk mit einem Lächeln öffnet, wird der Besucher auch nicht schwanzwedelnd von einem haarigen Wuschel freudig angesprungen und begrüßt. Eigentlich ist es ziemlich ruhig in dem Haus.

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Lübecker soll aufgrund eines Fotos mit einem Vierbeiner in den Lübecker Nachrichten Hundesteuern zahlen.

Lediglich Ehefrau Gabriele schaut um die Ecke und empfängt den Gast herzlich. Wie es bei den Schenks so zu Hause aussieht, mag zwar wenig aufregend scheinen, ist aber für die Hansestadt Lübeck offensichtlich von großer Bedeutung. Denn am vergangenen Donnerstag erhielt Schenk einen Brief: „Dem Bereich Haushalt und Steuern wurde bekannt, dass Sie in der Hansestadt Lübeck einen Hund halten“, heißt es darin mit der Aufforderung, die Anmeldung zur Hundesteuer nachzuholen. Das Kuriose ist: Von einem Hund fehlt bei den Schenks weit und breit jede Spur.

„Ich dachte, ich guck nicht richtig“, erinnert sich Schenk an den Moment, als er am vergangenen Donnerstag den Brief öffnete. Zwar ist Schenk ein großer Hundefreund, er geht mehrmals die Woche mit „Lasco“, einem Schäferhund aus dem Tierheim, spazieren, ist als ehrenamtlicher Tierschutzberater unterwegs und im Vorstand des Vereins Hundefreilauf tätig. Für diesen Verein organisierte er auch ein Benefizkonzert für das Freilaufgehege in Israelsdorf (die LN berichteten). Ein eigener Hund solle aber nicht ins Haus. „Ich möchte einfach keinen Hund und die ganzen Haare haben“, erklärt Gabriele Schenk. Doch nun ist da dieser Brief. Als ihr Mann einen Blick auf das Absendedatum wirft, zählt er eins und eins zusammen.

Der Artikel über das Benefizkonzert in den LN inklusive Foto, auf dem Schenk mit einer Konzertbesucherin und den Hunden zweier Konzertbesucher – „Motte“ und „Wilma“ – in die Kamera lächelt, erschient just an dem Tag, als der Brief der Stadt abgesendet wurde. „Das konnte ja schlecht ein Zufall sein. Ich rief dann direkt bei der Stadt an, weil ich dachte, dass es sicher schnell geklärt werden kann.“ Das war ein Irrtum: „Am Telefon wurde mir bestätigt, dass ich aufgrund dieses Bildes Hundesteuern zahlen soll. Aber für das Foto haben wir lediglich ,Wilma‘ fotografiert, weil sie oft mit ihrem Frauchen in dem Freilaufgehege spazieren geht. Ich selbst habe ja keinen Hund, mit dem man mich hätte fotografieren können“, erklärt der Rentner kopfschüttelnd.

Doch die Erklärung schien der Stadt nicht zu reichen. „Ich hatte den Eindruck, dass sie mir kein Wort glaubten.“ Stattdessen habe ihn die Stadt in der Pflicht gesehen, den Halter des Hundes zu nennen. „Ich kenne aber den Namen von ,Wilmas‘ Frauchen nicht“, betont Schenk. Das sei der Dame am Telefon aber egal gewesen. Sie müsse einen Namen in das System eintragen. „Ich habe auch vorgeschlagen, dass sie sich selbst von unserem hundelosen Dasein überzeugen könne, aber sie sagte, das sei nicht ihre Aufgabe“, berichtet Schenk weiter von dem kuriosen Telefonat.

Ob es ein üblicher Vorgang der Stadt sei, aufgrund von Zeitungsartikeln die Bürger anzuschreiben, überlegt Schenk. „Dass die so viele Kapazitäten für so etwas haben, ist schon erstaunlich.“ Aber Schenk sieht die Sache gelassen. „Am Telefon hieß es, dass ich vielleicht vorgeladen werde, aber ich habe mir ja nichts vorzuwerfen, und ich finde nicht, dass es meine Aufgabe ist, fremde Hunde anzumelden“, sagt er mit einem Schmunzeln. Bei der Stadt konnten gestern bis Redaktionsschluss keine Angaben zu dem Vorfall gemacht werden.

 Elisabeth Riedel

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