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Lübeck Ideen für gute Nachbarschaft
Lokales Lübeck Ideen für gute Nachbarschaft
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20:24 17.12.2016
Sie wollen mit ihrem Wettbewerb Projekte für eine gute Nachbarschaft nach Lübeck holen: Peter Delius (v. l.), Sigrid Fischer und Kerstin Merk. FOTO: KABEL
Lübeck

Das Leben wird anonymer. Immer mehr alte Leute sind einsam. Die Familien lösen sich auf und überhaupt alle Bindungen. Man könnte dieses Klagelied fortsetzen. Nur hilft das niemandem. Der Verein ePunkt, der ehrenamtliche Arbeit aller Art unterstützt, will solchen Entwicklungen etwas entgegensetzen. Zum dritten Mal seit 2013 lobt er den Lübecker Nachbarschaftskrieg aus. An dem Wettbewerb können sich Nachbarschaftsprojekte aus ganz Deutschland beteiligen. Das Preisgeld, das ein anonymer Lübecker stiftet, hat sich auf 10000 Euro verdoppelt. Der Preis wird am 1. März im Rathaus verliehen. Bewerbungsschluss ist der 8. Januar.

Zuletzt gewann 2015 ein Göttinger Projekt den ersten Preis. Es brachte die alten Bewohner eines Viertels mit den Insassen eines in der Nachbarschaft gelegenen Jugendgefängnisses zusammen: Die Jugendlichen geben den Senioren PC-Unterricht. Der dritte Preis wurde an zwei Lübecker Initiativen verliehen. Eine hatte das Gemeinschaftshaus in der Siedlung Gärtnergasse in St. Jürgen wiederbelebt, die andere hatte sich mit Erfolg um die Neugestaltung des Brolingplatzes in St. Lorenz Nord bemüht.

Es gehe nicht darum, den „guten Nachbarn“ auszuzeichnen, sagt Peter Delius, Vorsitzender des Vereins, sondern darum, das Thema Nachbarschaft ins Licht zu rücken und gute Ideen zu fördern. Drei Themen stehen nach seiner Aussage im Mittelpunkt. Erstens: Gentrifizierung. Was passiert, wenn wohlhabende neue Bewohner ein Viertel verändern? Zweitens: Flüchtlinge. Wie kann Nachbarschaft zur Integration beitragen? Drittens: Generationenwechsel. Welche Formen von Nachbarschaft entstehen in den alten Siedlergemeinschaften, wenn immer mehr junge Familien sich dort Häuser kaufen?

Die Bewerbungen, sagt die ehrenamtliche ePunkt-Mitarbeiterin Sigrid Fischer, kämen aus ganz Deutschland. Aus Lübeck seien 2015 drei von 22 Bewerbungen gekommen, zwei Jahre vorher vier von 15. Trotz der nationalen Ausrichtung steht Lübeck im Fokus. „Wir versuchen natürlich schon, mindestens ein Lübecker Projekt zu befördern“, sagt Delius. Der „wahrscheinlich wichtigste Punkt“ des Preises sei aber, „gute Ideen nach Lübeck zu holen“.

Nachbarschaft, sagt Peter Delius, gehöre zum Grundbestand des Menschlichen. „Sie ist Hoffnung- und Sehnsuchtsraum – so ein bisschen wie die Familie zu Weihnachten.“ Tatsächlich müsse die Nachbarschaft heute in Teilen die Familie ersetzen. Sie könne aber auch ganz praktische Probleme lösen: Nachbarn helfen einander bei der Betreuung von Kindern und Alten; sie achten aufeinander und stärken so das Gefühl der Sicherheit; sie teilen und können so die wachsende Altersarmut lindern. Ob gute oder schlechte Nachbarschaft, das hänge laut Delius nicht von der sozialen Struktur ab. „Es gibt Bauleidenschaft, wo ich keine Stunde verbringen möchte, und es gibt soziale Brennpunkte, wo mir sofort Herzlichkeit entgegenschlägt.“

Den Preis wird Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit übergeben. Schirmherrin ist Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer, und die Festrede hält Franziska Giffey, Bürgermeisterin des Berliner Bezirks Neukölln. „Verglichen mit dem, was große Stiftungen ausschütten, sind ein paar Tausend Euro nicht viel Geld“, sagt Peter Delius. „Aber jemand, der einen Preis gewonnen hat, hat es leichter, hinterher Fördergelder zu bekommen.“ kab

LN

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