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20:44 27.12.2017
Toni und Antonia spielen als Lutopia Orchestra in der Breiten Straße. Quelle: Fotos: Rüdiger Jacob
Innenstadt

„Wir spielen zwar auf der Straße, und dann sind wir die Straßenmusiker“, sagt ein Mann mit Wollmütze. Er nennt sich Toni und ist mit Antonia das Lutopia Orchestra. „Wir sind aber auch echte Musiker, geben Konzerte, die nicht im Freien stattfinden“, sagt Toni.

Sie brauchen keine Beleuchtung und keine Bühnenshow und haben nur ein Problem, wenn es regnet oder stürmt: Landläufig heißen sie Straßenmusiker, die Menschen, die mit Gitarre, Kontrabass, Geige, oder Schlagzeug und natürlich mit ihren Gesang die Passanten unterhalten.

Die beiden haben auf der Breiten Straße direkt vor Karstadt einen Teppich ausgerollt. Das ist ihre kleine, mobile Bühne, die sie überallhin mitnehmen. Das Freiluft-Equipment beinhaltet aber noch etwas mehr: Einen großen Kontrabass, größer als Antonia, die gebürtige Sibirerin. Es geht immer auf zwei großen Lastenfahrrädern los. Mit auf Achse sind eine Fußschlagzeugmaschine, ein Banjo, eine Ventilposaune, Gitarren und ein Akkordeon. Nein, die frischen Temperaturen machten den Instrumenten nichts aus, sagen die zwei. Und was ist mit den Musikanten selbst? „Gegen die Kälte hilft heißer Tee“, sagt Antonia, die etwas neidisch zu Toni hinüberschaut. „Ihm wird ja nicht kalt, er bewegt sich ja ständig.“

In der Tat, das tut er. Toni bringt den ganzen Körper ein, wenn er das Schlagzeug tritt oder sich mit der Quetschkommode verbiegt. Es ist ein musikalischer Reigen aus Blues mit Polkaeinflüssen, wie Toni jene Klänge beschreibt, die viele Passanten zum Stehenbleiben bewegen. Immer wieder werfen sie ein paar Münzen in den geöffneten Geigenkasten. Ein wenig Folk- und Country, und ein eigens kreiertes, besonders temperamentvolles Genre: die Progressiv-Polka.

Im nächsten Jahr wollen die beiden Musiker fünf Monate lang auf Festivaltour gehen. Jetzt, im Dezember, geht es „so häufig wie möglich“ auf die Straße. „Der Dezember ist der ideale Monat für Straßenmusik, je nachdem, wie das Wetter mitmacht“, sagt Toni. Um mitten in Lübecks Altstadt Musik machen zu dürfen, hat sich das kleine Orchester eine Genehmigung geholt. „Die Menschen sind in Stimmung und gut drauf“, lobt Toni das Lübecker Publikum.

Auch Jewhenij Kjechdjr ist auf die Straße gegangen. Der Mann aus Sibirien sitzt auf dem Gehweg am Klingenberg auf einem Campingstuhl und hält eine Gitarre in der Hand. Der Straßenmusiker, der in der Nähe Hamburgs wohnt, setzt in Lübeck nicht nur auf die paar Euro, sondern auch auf Kontakte, die „manchmal einfach so entstehen“. Die Kunst sei, so gut zu spielen, dass die Leute stehenbleiben, sagt der Musiker, der in seiner Heimat nach eigenen Angaben nicht unbekannt ist.

Und so gibt es viele Prominente, die die Straßenmusik schätzen. Der inzwischen verstorbene Leonhard Cohen zum Beispiel. Oder die Hamburger Blueslegende Abi Wallenstein. „Auf der Straße ist man reduziert auf die Essenz von Musik, ohne Scheinwerfer, geschlossene Räume oder Elektronik“, sagt Wallenstein. „Quasi nackt“ müsse man sich ein Publikum erobern – „ganz allein mit Hilfe von Tönen, Grooves und Körpersprache.“ So setze man sich noch einmal intensiver mit seiner Musik auseinander, so der Bluesmusiker, der wie Antonia, Toni und Jewgenij die Straße liebt.

Und wer weiß, was noch kommt. Denn auch Rod Stewart hat in den 60er Jahren als Teenager als Straßenmusiker in Paris seine musikalischen Anfänge gemacht.

Von Rüdiger Jacob

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