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Lübeck Im Zweifel für die Freiheit
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21:10 21.02.2013
Von Rüdiger Jacob
Professor Klaus Schönhoven (l.) und Professor Axel Schildt diskutierten über Willy Brandt. Quelle: Rüdiger Jacob
Lübeck

Bedeutende Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Am 18. Dezember wäre Willy Brandt 100 Jahre alt geworden. Das wird in Lübeck, der Geburtsstadt des einstigen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Bundeskanzlers und Friedensnobelpreisträgers ein Jahr lang groß gefeiert. Jetzt stellte der Direktor der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und Professor für Neuere Geschichte an der Uni Hamburg, Klaus Schönhoven, sein Buch über Willy Brandt „Im Zweifel für die Freiheit. Reden zur sozialdemokratischen und deutschen Geschichte“ vor. Mit der Buchpräsentation hat das Lübecker Willy-Brandt-Haus die Jahresfeierlichkeiten für den großen Politiker eröffnet.

Jürgen Lillteicher, Leiter des Brandt-Hauses, konnte 100 Gäste in der Handwerkskammer begrüßen. Bevor Schönhoven zusammen mit Professor Axel Schildt, dem Direktor der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, die Diskussion einläutete, ging er in seinem Vortrag über das Selbstverständnis Willy Brandts ein. „Er hatte einen biografischen Zugang zur Geschichte“, betonte Schönhoven.

Brandt, nach Meinung sogar konservativer Beobachter eine sozialdemokratische Jahrhundertgestalt, hatte ein ganz eigenes Freiheitsverständnis. „Es war immer gesellschaftsbezogen, Freiheit für viele, nicht für wenige, Freiheit des Gewissens und der Meinung, auch Freiheit von Not und Furcht. Persönliche und soziale Freiheit gehörten laut Brandt untrennbar zusammen“, sagte Schönhoven. „Sein Freiheitsverständnis war nicht individualistisch begrenzt, es war immer gesellschaftsbezogen. Liberale Bürgerrechte, soziale Grundrechte und gesellschaftliche Solidarität waren in seinem Freiheitsdenken untrennbar miteinander verbunden.“ Laut Schönhoven war Brandts Freiheitsdefinition zukunftsoffen, Freiheit sei kein Zustand, sondern ein Ziel, welches permanent angestrebt werden müsse, auch in dem Wissen darum, dass der jeweilige Horizont keine feste Grenze sei, zitierte Schönhoven aus Brandtschen Reden. „Seine historischen Reden sind von individuellen Einsichten, Erfahrungen und Entscheidungen geprägt, er reflektierte sein eigenes Leben und die Erfahrungen, die er gewonnen hatte.“

Das 860-seitige Werk beinhaltet alle relevanten Reden Willy Brandts. Schönhoven stellt heraus, dass Brandt Wert darauf legte, inhaltlich und persönlich hinter dem Geschriebenen zu stehen. Zwar habe Brandt eigene Notizen aus der Hand gegeben, um darüber etwas schreiben zu lassen, „aber er hat stets nur das in seinen Reden verwendet, von dem er auch selbst zutiefst überzeugt war.“ Die Edition dokumentiert, wie kritisch und intensiv sich Brandt sich mit Etappen sozialdemokratischer Parteigeschichte auseinandersetzte. Sie gibt auch Einblicke in Brandts Kunst der Rhetorik.

Das Buch ist im Verlag Dietz erschienen und kostet 36 Euro.

jac

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