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Lübeck Immer Ärger mit den Mülltonnen
Lokales Lübeck Immer Ärger mit den Mülltonnen
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22:10 10.08.2017
Ein weiter Weg: Manfred Steinfath (82) wohnt etwa 200 Meter von der asphaltierten Straße entfernt. Bis dort sollte er die Mülltonnen bringen. Die Entsorgungsbetriebe zeigen sich aber entgegenkommend. Quelle: Foto: Fabian Boerger

Derzufolge müsse die Zufahrt von Müllbehälterstandplätzen so angelegt sein, dass ein Rückwärtsfahren nicht erforderlich ist. Die Rückwärtsfahrt mit einem Müllfahrzeug beinhalte zu hohe Risiken. Sach- und Personenschäden aus der Vergangenheit waren Anlass für eine entsprechende Verordnung.

Die Entsorgungsbetriebe Lübeck (EBL) sichten derzeit das Stadtgebiet nach Bereichen, in denen eine Anfahrt mit Müllfahrzeugen wegen der Gegebenheiten für den Straßenverkehr nicht mehr möglich ist.

„Wir sind derzeit dabei, ein Kataster zu erstellen. Betroffene Stichstraßen werden gesichtet und ausgewertet“, sagt Cornelia Tews von den EBL. Welche Abschnitte betroffen sind, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar.

Einer, den die Vorschrift künftig treffen wird, ist Manfred Steinfath. Er ist 82 Jahre alt und wohnt am Ende der idyllisch gelegenen Straße Am Feldrain. Sein Haus liegt 200 Meter von der asphaltierten Straße entfernt und ist nur über einen schmalen Feldweg zu erreichen. Ein etwa 60 Meter langer Abschnitt gehört zu dem Grundstück Steinfaths, doch der restliche Teil ist Eigentum der Hansestadt. Zunächst sei der unbeschnittene Knick das Problem gewesen, weshalb der Müll nicht abgeholt wurde, so Steinfath. Dabei gehören die umliegenden Grünflächen und der Großteil des Weges der Stadt. Später erfuhr er durch ein Schreiben der EBL, dass aufgrund von Regelungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung seine Mülltonnen an das Ende des Weges zu bringen seien. Das Grundstück werde nicht angefahren, da eine rückwärtige Anfahrt von 200 Metern nicht mehr möglich sei.

Soweit so gut. Wären da nicht sein Alter und die schwierigen Bedingungen im Winter. „Der Weg ist schlichtweg zu weit – und im Winter meistens vereist. Das ist unzumutbar“, sagt Steinfath und klagt nun gegen die Änderung. Die Forderungen der Stadt seien unverhältnismäßig, sagt Dr. Silke Reimer, Fachanwältin für Verwaltungsrecht, die den 82-Jährigen rechtlich vertritt. Da ein Großteil des Weges im Besitz der Stadt liege, sei es auch an ihr, den Knick zu beschneiden und die Abholung zu garantieren. Darüber hinaus seien die Müllfahrzeuge mittlerweile auf einem technologischen Stand, der die Rückwärtsfahrt ermöglichen müsste.

Die Entsorgungsbetriebe bieten zwar grundsätzlich an, Tonnen auch mal zu Fuß zu holen und zum Fahrzeug zu rollen, jedoch wohl nicht über die lange Strecke, die bei Steinfath zurückzulegen ist. „Wenn es nicht anders geht, bin ich zu einen Kompromiss bereit“, sagt der 82-Jährige Auch die EBL zeigen sich kooperativ. In dem Schreiben zu Änderung der Müllabfuhr bietet das Unternehmung den Anwohnern Hilfestellungen an. Im Rahmen einer Ortsbegehung diskutiert ein Mitarbeiter mit Anwohnern über das Thema und eventuelle Lösungsvorschläge. Letzte Ansage der EBL: Bis auf Widerruf befährt das Müllfahrzeug weiterhin die Stichstraße.

 Fabian Boerger

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