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Lübeck Immer an der Grenze lang
Lokales Lübeck Immer an der Grenze lang
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19:05 09.03.2018
Biologin Ursula Kühn (l.) vom städtischen Bereich Naturschutz und Redakteurin Cosima Künzel versuchen, auf dem Stadtplan eine Route auszutüfteln. Das ist nicht einfach, denn Flüsse, Straßen, Firmengelände und Privatgrundstücke sind im Weg. Quelle: Fotos: Cosima Künzel

Wer an Lübeck denkt, der hat meist die Altstadt vor Augen: das Holstentor, den Markt, die Fußgängerzone und das Wasser rundherum. Unser Herz der Hansestadt.

Lübeck hat eine große Stadtfläche – Unsere LN-Redakteurin will sie während einer 120 Kilometer langen Wanderung genau erkunden, Menschen treffen und Neues entdecken – Aber zuerst: Auf die Planung, fertig, los!.

Aber Lübeck ist ja viel größer. Im Süden geht es bis Krummesse, im Norden bis Travemünde. Kaum zu glauben: Ganze 120 Kilometer ist die Stadtgrenze in etwa lang, aber wo verläuft sie exakt?

Welche Menschen leben und arbeiten in der Nähe? Was bewegt die Bürger an der Peripherie der Hansestadt? Was liegt ihnen am Herzen?

120 Kilometer zu wandern sind ein großes Projekt. Zumal es ja nicht möglich ist, die Luftlinie zu gehen. Vermutlich werden es etliche Kilometer mehr. Und dabei sind Unwägbarkeiten wie Autobahnen, Flüsse, ein Flughafen und mehrere Firmengelände noch nicht eingerechnet. Aber zum Glück gibt es Menschen, die sich auskennen mit Karten, Wegen und Grenzverläufen in der Hansestadt. So wie Ursula Kühn. „Die Stadtgrenze zu erkunden, ist in vielfältiger Hinsicht spannend; aber es wird nicht einfach“, sagt die Landschaftsplanerin und Biologin vom städtischen Bereich Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz. Sie hat die Erholungsführer „Lübeck natürlich“ mitgestaltet und arbeitet derzeit beim fünfjährigen Forschungsprojekt „Regiobranding“ mit. „Ziel der wissenschaftlichen Arbeit ist es, typische regionale Kulturlandschaften zu lokalisieren und deren Attraktivität zu steigern“, sagt sie. Und darum Besonderheiten zu entdecken, geht es bei der Grenzwanderung ja quasi auch. Doch bevor die Wanderung beginnen kann, muss zunächst aber ein mehr oder weniger gangbarer Weg rund um die Stadt gefunden werden.

Mit einem Textmarker in der Hand hilft Kühn bei der Routenplanung. Etappe für Etappe tüftelt sie Strecken mit aus, die möglichst genau an der Grenze entlangführen. Schon bei der Planung werden Hindernisse deutlich. „Hier kommen Sie nicht über die Wakenitz, das ist Sperrzone“, sagt Kühn zum Beispiel und rät zu Umwegen. Nicht selten sind Schnellstraßen, Fabrikgelände oder Wohnhäuser im Weg.

„Da müssen Sie mal schauen, wie Sie weiterkommen.“

Geplant sind für mich, als 47-jährige Grenzgängerin, zehn Tage fürs Wandern, das macht täglich mindestens zwölf Kilometer. Streckenmäßig klingt das nicht so viel für eine mehr oder weniger sportliche Redakteurin, die allerdings keine Ahnung hat, welche Umwege sie unterwegs erwarten. Und gewandert bin ich seit einer Klassenfahrt in der Grundschule nicht mehr. Außerdem will ich Menschen treffen, fotografieren, schreiben, planen. Das braucht Zeit.

Und wie wird das langsame Vorwärtskommen sich anfühlen in meiner überreizten, vernetzten, schnellen Welt? Ist es möglich, den rasanten Alltag mit einer sechsköpfigen Familie auszubremsen, einen Gang runterzuschalten? Bevor sich zu viele innere Grenzen auftun, will ich lieber die praktischen Dinge regeln: Was nehme ich mit? Outdoor-Experte Florian Hennig (32) von Globe- Camp gibt Tipps: „Ich empfehle einen vernünftigen Wanderhalbschuh, Socken mit Woll-Synthetik-Mix, atmungsaktive Regensachen und eine Kopfbedeckung.“ Als Rucksack reiche die Variante vom Discounter, meint Hennig, das sei nur eine Frage des persönlichen Komforts. Rückenbelüftung und gute Trageriemen seien Aspekte, die man bedenken könne. Unverzichtbar sind laut Profi mindestens anderthalb Liter Wasser – je nach Hitze und Einkehrmöglichkeiten. „So kommen mit Kleidung, Proviant und Fotoausrüstung gut fünf Kilo zusammen.“ Ach ja, eine Portion Mut und Zuversicht sollten auch mit ins Gepäck. Die kann ich nicht kaufen, habe ich aber schon.

Ich packe in meine Sachen

Als Rucksacktouristin in Thailand habe ich nach einem Tag in der brütenden Hitze schon mal fünf Kilo Pullover, Hosen und Socken nach Hause geschickt. Selbst wenn es in Norddeutschland nicht so heiß ist, will ich ein wenig schlauer packen. Die Tipps meines Wander-Experten beherzige ich gern, soweit es geht. So habe ich keine Wanderschuhe, da müssen meine Laufschuhe herhalten. Den Rucksack leihe ich von meinem Mann, die Brotdose und das Mückenspray von meinen Kindern.

Beim Planen am PC und Heraussuchen einer Wander-App fürs Tablet hilft mir unsere Sekretärin. Dank GPS will ich Wege finden, die im Stadtplan nicht sind. Aber all das ist schwierig, und ohne die Hilfe würde ich mich einmal im Kreis um die Altstadt navigieren lassen. Nun bleibt nur noch, die Strecken im Detail zu finden, auf der digitalen Karte einzugeben und – ach ja, das Wandern.

 Cosima Künzel

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