Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Immer mehr Salz in Lübecks Wasser
Lokales Lübeck Immer mehr Salz in Lübecks Wasser
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:47 02.07.2017
5,1 Millionen Kubikmeter Trinkwasser wurden im vergangenen Jahr in Lübecks größtem Wasserwerk Kleinensee gefördert und aufbereitet. 16 Brunnen – drei davon in Kücknitz – speisen das Wasserwerk, für das Abteilungsleiter Heiner Hartwig neue Fördergebiete sucht. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

12,4 Millionen Kubikmeter Trinkwasser verbrauchen 220000 Lübecker sowie Gewerbebetriebe jedes Jahr. Damit das kostbare Nass jederzeit aus dem Hahn fließt, greifen die Stadtwerke auf vier Quellen zurück – ihre drei Wasserwerke in Kleinensee, Klein Disnack und Vorwerk sowie auf die etwas mehr als vier Millionen Kubikmeter, die die Hamburger Wasserwerke per Pipeline liefern. Doch um die Wasserversorgung auch in den nächsten Jahrzehnten sicherzustellen, muss der kommunale Versorger (Strom, Gas, Wasser, Wärme) neue Fördergebiete erschließen.

Hansestadt muss neue Gebiete erschließen – Nördlich des Hemmelsdorfer Sees sollen neue Brunnen gebaut werden – Quelle aus Hamburg ist begrenzt.

„Wir bekommen die Mineralisierung nicht mit vertretbarem Aufwand aus dem Wasser“, erklärt Heiner Hartwig, Abteilungsleiter Wasserwirtschaft der Stadtwerke. Betroffen sind die Wasserwerke Kleinensee südlich des Hemmelsdorfer Sees und Vorwerk. Die Versalzung ist kein neues Phänomen. Schon 1980 wurde das Wasserwerk Priwall geschlossen, weil der Salzgehalt im Wasser zu hoch wurde. Laut Trinkwasserverordnung liege der Grenzwert bei 250 Milligramm Chlorid pro Liter Wasser, erklärt der Stadtwerke-Fachmann, das Lübecker Nass liege zwar darunter. Aber die Wasserbehörden von Land und Stadt machen Auflagen: Die Stadtwerke sollen die zulässige Fördermenge im Wasserwerk Kleinensee von bis zu 5,5 Millionen Kubikmeter im Jahr ab 2027 auf 3,5 Millionen drosseln. Außerdem sollen drei Brunnen in Kücknitz, die per Leitung an Kleinensee angeschlossen sind, aufgegeben werden.

Die Folge: Lübeck sucht nach neuen Quellen. Die Geologen des Landes hätten Flächen nördlich des Hemmelsdorfer Sees vorgeschlagen, berichtet Heiner Hartwig. Bis zu zwei Millionen Kubikmeter pro Jahr erhoffen sich die Wasserexperten vom künftigen Werk Kleinensee-Nord. Im nächsten Frühjahr würden erste Bohrungen vorgenommen. Dann prüfen die Stadtwerke, ob es Straßen gibt, über die die Brunnen erreicht werden können, und ob man das Spülwasser los wird. Zugleich müssen die Stadtwerke mit den Grundeigentümern verhandeln. Hartwig hofft, dass die geplante Fördermenge mit vier neuen Brunnen erreicht wird. Wenn die Standorte feststehen, müssen über viele Kilometer Leitungen zum Wasserwerk Kleinensee gelegt werden. Eine Inbetriebnahme sei frühestens zwischen 2020 und 2022 denkbar, erklärt der Abteilungsleiter. Kosten können die Stadtwerke noch nicht nennen. Allerdings zeigen die bereits laufenden Baumaßnahmen im Wasserwerk Klein Disnack, dass es sich nicht um Peanuts handelt. Dort werden gerade zwei neue Brunnen gebaut – für rund 900000 Euro. Und dort sind wesentlich kürzere Entfernungen zu überwinden.

Im Grundwasser des Wasserwerks Vorwerk wurden 2014 und 2016 Spuren von Pflanzenschutzmitteln gefunden. Die Werte würden deutlich unter den gesetzlich vorgeschriebenen liegen, erklärte Hartwig im Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung. „Im Trinkwasser, das an die Kunden geht, haben wir keine Spuren von Pflanzenschutzmitteln mehr gefunden.“ Bislang sei unklar, „woher das Zeug kommt“. Das Wasserwerk wird weiter genutzt. Eine mündliche Zusage der Genehmigungsbehörden liege bereits vor. Bis zu 1,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr sollen gefördert werden.

150 Jahre

In diesem Jahr feiern die Stadtwerke das 150-jährige Bestehen einer zentralen Wasserversorgung. 1867 wurde mit dem Aufbau begonnen. Zuvor war das Wasser ungereinigt aus der Wakenitz entnommen worden. 1972 ging Lübecks größtes Wasserwerk Kleinensee, aus dem bis 2027 jährlich bis zu 5,5 Millionen Kubikmeter entnommen werden können, ans Netz.

1982 folgte Klein Disnack, das gerade zwei neue Brunnen erhält. 2009 begannen die Hamburger Wasserwerke mit ihren Lieferungen von 4,2 Millionen Kubikmeter jährlich durch eine Pipeline nach Lübeck.

 Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!