Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Immer mehr junge Leute ohne Zuhause
Lokales Lübeck Immer mehr junge Leute ohne Zuhause
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:00 16.10.2011
Martin Meyer-Sahling (23) hört gerne Musik. 22 Quadratmeter stehen ihm im Jugendwohnprojekt zur Verfügung. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Die Hausordnung im Jugendwohnprojekt am Elmar-Limberg-Platz ist streng: absolutes Alkoholverbot, Rauchen auf dem Zimmer ist untersagt, Übernachtungsgäste auf dem Zimmer ebenso, Drogen sowieso. Herbert (Name geändert) kann damit leben. Der 20-Jährige, der eine Qualifizierungsmaßnahme im Ausbildungspark Blankensee durchläuft, kam aus Magdeburg nach Lübeck. Und landete im Jugendwohnprojekt „Wohnen lernen“ des sozialistischen Jugendverbandes „Die Falken“. „In Lübeck muss kein junger Mensch unter der Brücke schlafen“, sagt Cornelia Pluschkell, Kassenverantwortliche der Jugendorganisation und Ehefrau des bekannten SPD-Politikers Ulrich Pluschkell. Wegen ihres reiferen Alters zählen sich Pluschkell und die Kreisvorsitzende Renate Pauline-Wittmaack zu den „Grauen Falken“.

Die beiden Frauen haben das „Wohnen lernen“-Projekt vor einem Jahr maßgeblich auf die Beine gestellt, haben den zweiten Stock im Bürgerhaus Falkenfeld-Vorwerk gemietet, die pädagogische Begleitung der 14 Jugendlichen (fünf Frauen und neun Männer) organisiert, stehen mit ihrem Vermögen für die Finanzierung des Projekts gerade und gucken regelmäßig nach dem Rechten – alles ehrenamtlich. „Das Projekt schließt eine Lücke“, erklärt Kristin Krohner, Fallmanagerin beim Jobcenter. Krohner vermittelt die Jugendlichen ins Projekt. Das Jobcenter zahlt 260 Euro im Monat für die Miete und die pädagogische Begleitung.

Aufgenommen werden nur junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren, die in einer Ausbildung oder Qualifizierungsmaßnahme des Jobcenters sind. Im Projekt der Falken lernen sie, wie man sozialverträglich miteinander wohnt, wie man Zimmer und Gemeinschaftsräume sauber hält, mit seinem Geld auskommt und mit Behörden umgeht. Martin Meyer-Sahling wollte mit Gleichaltrigen zusammenwohnen, fand aber nichts, traute sich das auch nicht richtig zu. „Ich habe hier gelernt, für mich selbst zu sorgen“, erzählt der 23-jährige Gartenlandschaftsbauer, der seit 1. September berufstätig ist. Jetzt kommt er mit amtlichen Papieren zurecht und zur Not findet er bei den Falken immer Ansprechpartner: „Ich suche jetzt eine Wohnung auf dem freien Markt.“ Wenn Martin Meyer-Sahling demnächst sein 22 Quadratmeter großes Apartment räumt, bekommt er ein Zertifikat, das er bei den Vermietern vorlegen kann.

Die Falken bemühen sich um eine spezielle Gruppe. Der Großteil wohnungsloser Jugendlicher landet bei der Unterkunftssicherung des Bereichs Soziales sowie der Vorwerker Diakonie. Die Gestrandeten werden in Hotels, Pensionen, beim Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM), in Jugendherbergen, bei der Heilsarmee oder in der Notunterkunft der „Brücke“ untergebracht. 104 waren es im vergangenen Jahr, hat der Bereich Soziale Sicherung jetzt in einem Bericht festgestellt. Seit 2007 (40 Fälle) steigt die Zahl kontinuierlich. 104 855 Euro hat die Stadt dafür im vergangenen Jahr aufgebracht – 2008 waren es knapp 32 000 Euro. Erstaunlich: Die Hotelunterbringung kostet nur halb so viel (420 Euro im Monat) wie die Unterbringung bei der Heilsarmee (858 Euro). „Wie kommt das?“, wollte Jan Lindenau (SPD), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, jetzt von der Verwaltung wissen. Antwort: Seit Jahrzehnten arbeite die Stadt mit einer Hotelbetreiberin zusammen, die sehr einfache und kostengünstige Zimmer zur Verfügung stelle. Bei anderen Anbietern würde Betreuung angeboten, das mache die Unterbringung teurer, erklärte Ulrich Kewitz, Teamleiter der Unterkunftssicherung.

Die Grünen wollen eine andere Lösung. Die jährlichen Kosten der Notversorgung seien so hoch, dass die Stadt dafür ganze Wohnungen fest anmieten könnte, erklärt Jugendpolitikerin Katja Mentz. Obwohl die Fachleute davon abraten, will Mentz diese Lösung prüfen lassen. Die Grünen-Politikerin: „Für 500 Euro im Monat bekommt man eine Dreizimmer-Wohnung.“

Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Sechs Kandidaten wollen sich am 6. November zum Lübecker Bürgermeister wählen lassen. Die LN stellen sie in einer Serie vor. Heute: Harald Klix (parteilos).

16.10.2011

Die Altstadt diskutiert, einmal monatlich bis 22 Uhr zu öffnen. In einigen Supermärkten in Lübeck wird sogar bis 24 Uhr Ware verkauft. Die LN haben bei Real im Mönkhof Karree späte Kunden getroffen.

16.10.2011

Lübeck - Zehn Personen zwischen 18 und 21 Jahren haben in der Nacht zu gestern eine Schlägerei in der Kanalstraße angefangen. Fünf Streifenwagen eilten gegen 23.30 Uhr zum Skaterpark.

15.10.2011