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Lübeck Immer weniger Plätze: Lübecks Sportler auf Hallensuche
Lokales Lübeck Immer weniger Plätze: Lübecks Sportler auf Hallensuche
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21:10 26.08.2016
Soll überplant werden: Das Gebiet mit Blick auf den Dom. Quelle: Neelsen

Kaum hatten Marc Dreyer (Geschäftsführer Schütt) und Boy Meesenburg (Jacob Sönnichsen GmbH & Co. KG) ihr gemeinsames Vorhaben vorgestellt, auf der 9,9 Hektar großen Fläche am Geniner Ufer ein neues Wohngebiet mit rund 1000 Einheiten zu entwickeln, da liefen an einigen Stellen die Telefone heiß. Denn: Die Welsbachhalle mit ihren je acht Squash- und Badminton- sowie zwölf Tennisplätzen liegt inmitten des Gebietes, das überplant werden soll. Folglich müsste sie abgerissen werden.

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Wenn das Wohnbauprojekt „Geniner Ufer“ in ein paar Jahren verwirklicht wird, muss die Welsbachhalle abgerissen werden – Tennis, Squash und Badminton betroffen.

„Wir haben schon erste Anfragen von Leuten bekommen, die bisher in der Welsbachhalle spielen“, erzählt Bodo Kolterjahn von der Tennisabteilung des TuS Lübeck von 1893, die über zwei eigene Hallenplätze verfügt. Man habe sogar schon einmal grob angedacht, einen dritten Hallenplatz zu bauen. Und auch Nikolaus Lang, Eigentümer und Geschäftsführer der Welsbachhalle samt Fitnessstudio und MTB-Fahrradmarkt, spricht von Irritationen. Es habe etliche Anrufe von Tennisspielern gegeben, die glaubten, bereits im nächsten Winter nicht mehr in der Halle Tennis spielen zu können.

Dem ist nicht so, wie Lang versichert. Zwar habe er mit der Entwicklungsgesellschaft Geniner Ufer einen Kaufvertrag über das Grundstück der Welsbachhalle abgeschlossen, „aber die Käufer haben alle Rechte und Pflichten übernommen“, so Lang, der vor allem die noch mehrere Jahre laufenden Mietverträge meint. „Für die Welsbachhalle rechne ich mit mindestens fünf weiteren Betriebsjahren.“

Davon geht auch Marc Dreyer aus. Momentan bereite man die Ausschreibung für einen städtebaulichen Wettbewerb vor, dessen Ergebnis dann hoffentlich im April vorliege. Erst wenn es einen „Masterplan“

gebe, könne das Bebauungsplan-Verfahren starten, „das dann mindestens 18 bis 24 Monate dauert, was für Lübeck schon knapp bemessen ist“. Und wenn es Baurecht gebe, werde nicht zuerst auf dem Grundstück der Welsbachhalle gebaut, sondern vermutlich auf der Fläche, die Holz Michelsen (Eigentümer ist Geschäftspartner Boy Meesenburg) freiräumt, wenn der Umzug in die Grapengießerstraße erfolgt ist.

Ob in fünf Jahren, früher oder später: Wenn die Welsbachhalle abgerissen wird, gibt es keine Squash-Plätze mehr in der Hansestadt, Badminton kann nur noch in Sporthallen gespielt werden, Tennis-Hallenplätze würden rar. Zwar verfügen diverse Vereine über eigene Hallenplätze, die sie auch an externe Spieler vermieten: der LBV Phönix hat sechs, der TuS Lübeck zwei, der Sportverein Gut Heil von 1876 drei Hallenplätze, der Travemünder Tennis- und Hockeyclub zwei. Doch Vorrang haben stets die eigenen Vereinsmitglieder. Der Tennis Club Hubertus in Groß Grönau nutzt momentan die Welsbachhalle. „Wir planen seit drei Jahren eine eigene Halle mit zwei Plätzen und hoffen, im Frühjahr mit dem Bau beginnen zu können“, sagt Vorsitzender Thomas Jessen. „Wenn das nicht klappt, könnten wir Probleme mit der Jugendarbeit bekommen.“

Entspannt sieht Manfred Kley, Vorsitzender des Kreistennisverbandes, dem Abriss entgegen. „Ich glaube nicht, dass es ein Problem wäre, ohne die Welsbachhalle auszukommen.“ Man müsse sich nur die Statistiken ansehen, um zu erkennen, dass Tennis seit Jahren stark rückläufig sei.

Die „Sportstadt“ Lübeck sieht sich nicht in der Pflicht, für ausreichend Hallenplätze zu sorgen. Friedrich Thorn, Bereichsleiter Schule und Sport: „Wir machen uns vor allem Gedanken über die schulische Versorgung.“ Der Sportentwicklungsplan der Hansestadt weise sogar aus, dass die Versorgung mit Tennisplätzen überdimensioniert sei. „Wenn aber jemand glaubt, eine Tennishalle kommerziell betreiben zu können, sind wir gern bei der Standortsuche für einen Neubau behilflich.“

 Sabine Risch

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