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Lübeck Immer wieder Ausfälle: Priwallfähre nervt Passagiere
Lokales Lübeck Immer wieder Ausfälle: Priwallfähre nervt Passagiere
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22:04 03.09.2016
Schlangestehen statt Urlaubsstimmung: Wenn nicht beide Fähren zwischen dem Priwall und Travemünde verkehren, müssen die Passagiere für eine Überfahrt lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler
Travemünde

Alle zehn Minuten soll eine Fähre von der Travemünder Seite zum Priwall übersetzen. Von morgens um 6.05 Uhr bis abends um 21.55 Uhr soll die Traveüberquerung für Fußgänger, Radler und Autofahrer ein schnell überbrückbares Hindernis sein. Was im Fahrplanheft des Stadtverkehrs zeitlich punktgenau geplant ist, stimmt mit der Realität längst nicht überein. Mehr als 30 Autos reihen sich Auf dem Baggersand in eine Schlange, die bis bis zum Yachtclub Fischereihafen reicht. Anwohner und Urlauber warten in der Mittagssonne in ihren Fahrzeugen.

Nur eines der beiden Schiffe verkehrt regelmäßig – Anwohner und Urlauber ärgern sich über Wartezeiten und Preise – Stadtverkehr verweist auf Personalengpass.

„Ich bin total sauer“, sagt Rolf Henschel. Der 64-Jährige hat die Nase gestrichen voll. Jeden Tag fährt der in Pötenitz wohnhafte Lübecker mit der Fähre zur Arbeit – und steht regelmäßig im Stau.

Oftmals warte er eine Stunde lang, er habe auch schon 90 Minuten lang ausharren müssen. „Es ist eine Frechheit, so lange hier stehen zu müssen“, sagt Henschel.

Seit 1999 regeln die beiden Fähren „Travemünde“ und „Pötenitz“ den Verkehr, befördern täglich 8000 Fahrgäste. Doch ausgerechnet während der Urlaubszeit ist oft nur eine im Einsatz. „Durch vermehrte und unvorhergesehene Krankheitsfälle gibt es teilweise längere Wartezeiten“, räumt Stadtverkehrssprecherin Carolin Höhnke ein. Für das Verkehrsunternehmen handelt es sich um eine Ausnahmesituation.

Personeller Ersatz steht nicht zur Verfügung. Der Stadtverkehr beschäftigt 16 Fährführer und zwölf Kassierer am Standort Travemünde/Priwall. „Der Fährbetrieb hängt sehr von den Touristen ab“, sagt Höhnke. Tatsächlich sind in der Autoschlange viele auswärtige Kennzeichen zu finden. Ein wartender Urlauber schert gerade mit seinem Auto aus der Schlange aus und sucht sich entnervt ein anderes Ziel.

Weil jeden Tag ein unterschiedlich großer Andrang herrscht, lassen sich Stoßzeiten nur schwer abschätzen, erklärt Höhnke. Die im Schichtbetrieb arbeitenden Fährführer hätten zudem gesetzlich vorgeschriebene Pausen einzuhalten. Eine Aufstockung des bestehenden Personals sieht der Stadtverkehr aber nicht vor. Nur für den saisonalen Betrieb könne man keine neuen Mitarbeiter einstellen.

Für den Einsatz einer Fähre bedarf es eines Fährführers, eines sogenannten Decksmanns, der die Auf- und Abfahrt der Fahrzeuge regelt, sowie eines Kassierers. Bei personellen Engpässen übernimmt der Decksmann gelegentlich die Abwicklung des Bezahlvorgangs, was zu zusätzlichen Verzögerungen führt. „Wir arbeiten daran, die Abfertigung zu beschleunigen“, sagt die Stadtverkehrssprecherin. Die zweite Fähre wird aber auch weiterhin immer mal wieder ruhig im Wasser liegen, während der Ärger der Lübecker wächst. Zwischen der Halbinsel und Travemünde pendelnden Fußgängern bleibt als Alternative immerhin die Personenfähre „Priwall VI“. Das seit März zwischen Nordermole und Priwall eingesetzte Schiff kann rund 190 Personen je Fahrt befördern. Viele Fährgäste sind aber wie Rolf Henschel und seine Lebensgefährtin auf eine Überfahrt mit dem Pkw angewiesen. Für ein Jahresticket zahlt er zähneknirschend 1006 Euro. „Das ist die teuerste Fähre mit der kürzesten Fahrzeit in Deutschland“, sagt Henschel.

Auch die Vermieter von Ferienwohnungen stören sich an den Fähren. „Im Urlaub wollen die Leute nicht im Auto sitzen und warten“, sagt Berte Wedler, Leiterin von Landal Green Parks. Die 902 von Landal und Novasol angebotenen Betten seien in den Sommermonaten nahezu ausgebucht. Beschwerden über die Fährverbindung gehören mittlerweile zur Tagesordnung. Da es für die rund 1500 Bewohner des Priwalls noch keinen Supermarkt gibt, fährt Gisela Leuschner zwei Mal in der Woche nach Travemünde. Sind beide Fähren im Einsatz, sei das Warten zumutbar, findet die 78-Jährige. „Wenn es aber bald die Ferienwohnungen gibt, habe ich meine Bedenken.“ Ab 2018 sollen 454 neue Wohnungen in der Ferienanlage Waterfront noch mehr Gäste auf die Halbinsel locken.

In Zahlen

3 Millionen Menschen nutzen die zwischen Travemünde und dem Priwall verkehrenden Fähren „Travemünde“ und „Pötenitz“ im Jahr. Die Schiffe fahren im 24-Stunden-Betrieb, tagsüber normalerweise alle zehn Minuten, nachts alle 15 bis 30 Minuten . Eine Jahreskarte für einen Pkw kostet 610 Euro, ein Erwachsener zahlt 198 Euro im Jahr. Schätzungen des Stadtverkehrs zu Folge fahren täglich rund 8000 Fahrgäste mit der Fähre. „Im Sommer seien es meistens noch mehr“, sagt Stadtverkehrssprecherin Carolin Höhnke.

Die Norderfähre befördert rund 200 000 Fahrgäste pro Jahr.

 Christoph Brandt

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