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Lokales Lübeck In Lübeck boomt der Biomüll
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22:18 20.05.2016
Jürgen Adler (52), Abteilungsleiter Abfallwirtschaft Technik, begutachtet eine frische Lieferung Biomüll in der MBA-Anlieferungshalle. Die Lübecker werfen immer noch zu viel Störstoffe wie Plastiktüten in den organischen Abfall. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Die Entsorgungsbetriebe Lübeck (EBL) haben erneut Abfallmengen von außerhalb für ihre Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage (MBA) an Land gezogen. 5000 Tonnen Biomüll aus Bad Segeberg und Neumünster werden seit März in der MBA behandelt. Der Vertrag läuft bis 2020. Seit Jahresbeginn liefert der Kreis Steinburg Biomüll – jedes Jahr 9000 Tonnen. 3,5 Millionen Euro bekommen die EBL dafür in sieben Jahren. Aus Kiel kommen 11600 Tonnen Biomüll, der Vertrag läuft bis 2017. Zusammen mit den Lübecker Mengen werden in der MBA 41000 Tonnen Bioabfälle verwertet. Jürgen Adler, Chef der Anlage und Abteilungsleiter Technik: „Wir werden vermehrt von Umlandgemeinden angesprochen, ob wir weitere Mengen aufnehmen können.“ 9000 Tonnen gehen noch – dann ist die derzeitig erlaubte Höchstkapazität erreicht.

Vor einem Jahr gaben die Politiker grünes Licht für die 1,7 Millionen Euro teure Erweiterung der Anlage neben der Deponie Niemark, die sowohl Restmüll aus der grauen Tonne als auch organische Abfälle aus den braunen Gefäßen verarbeiten kann. Begleitet wurde die Entscheidung von Zweifeln, ob sich das Ganze rechnet. Ein Jahr später lautet die Bilanz der EBL-Spitze: Mit Bioabfall wird Geld verdient.

„Das war eine gute, strategische Entscheidung“, sagt EBL-Direktor Jan-Dirk Verwey, „die besser ausgelastete MBA entlastet die Gebührenzahler und leistet durch sauberen Strom und saubere Wärme einen Beitrag zum Klimaschutz.“

Die Mengen an Biogas, die aus dem Müll gewonnen werden, haben sich verdoppelt. Zwei Blockheizkraftwerke nutzen das Gas, um Wärme und Strom zu produzieren – eines auf dem MBA-Gelände und eines in der Rigastraße. Die Entsorgungsbetriebe planen deshalb den Bau eines neuen Gasspeichers mit 5000 Kubikmetern Fassungsvermögen – der bestehende fasst nur 800 Kubikmeter. Manfred Rehberg, Chef der Betriebswirtschaft der EBL: „2013 haben wir noch 250000 Euro für Energie ausgegeben, 2015 haben wir 210 000 Euro damit verdient und in diesem Jahr wird es noch mal deutlich mehr.“ Henri Abler (SPD), Vorsitzender des Werkausschusses der EBL: „Offensichtlich ist die Rechnung aufgegangen.“

Ortstermin in der Anlage, die vor elf Jahren in Betrieb ging, 36 Millionen Euro kostete und viele Jahre ein Sorgenkind war, weil an der Technik ständig nachgebessert werden musste: Es ist stickig, es ist staubig und es ist heiß. Ein Mülllaster bringt fünf Tonnen Bioabfälle, ein Radlader schiebt das Gemisch aus Gartenabfällen, Essens- und Obstresten zusammen, ein Polyp-Greifer füllt den Abfall in die Aufbereitungsanlage. Bis zum Dezember vergangenen Jahres konnte die MBA entweder Rest- oder Biomüll verarbeiten, beides gleichzeitig ging nicht. Mit der neuen Biolinie läuft die mechanische Verarbeitung parallel. Herzstück ist eine Prallmühle, die Störstoffe wie Plastiktüten nicht mehr zerkleinert, sondern im Ganzen wieder aussortiert. Verbessert wurde auch die Siebtechnik, so dass nicht mehr so viel organischer Müll unterwegs verloren geht. Die ganze Fracht wird mit Wasser versetzt, in die Faultürme geleitet, von Bakterien bearbeitet, schließlich entwässert und getrocknet. Die Gärreste aus den Faultürmen werden ins benachbarte Biomassewerk gebracht und dort zu hochwertigem Kompost verarbeitet. Anlagen-Chef Adler: „Der Kompost geht in den Landschaftsbau, die Landwirtschaft und an Werke, die Torf- und Gartenerde herstellen.“

Weil Bioabfall so lukrativ ist, können die EBL gar nicht genug davon kriegen. Die Lübecker werfen zu viele Küchenabfälle in die graue Restmülltonne. Der Restmüll wird zwar auch in der MBA verarbeitet, aber was hinten rauskommt, darf nicht im Biomassewerk zu Kompost veredelt werden. Adler: „Die Gärreste aus den Restmülltonnen landen auf der Deponie.“

Die EBL planen eine Aufklärungskampagne. Adler: „Die Inhalte der Biotonne werden zu 100 Prozent verwertet, sie ist eine Energietonne.“

 Kai Dordowsky

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