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Lübeck Infiziert von Swing und Lindy Hop
Lokales Lübeck Infiziert von Swing und Lindy Hop
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12:01 24.07.2018
Stefanie Gollon organisiert den „Sunday Swing“ im Schulgarten – und legt als DJane Ms. Ellie Catz passende Musik auf. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Ein blaues Kleid mit weißen Punkten und weit schwingendem Rock, helle Netzstrümpfe, ein Make-up und eine Frisur, die genauso gut in die 1940er Jahre passen könnten: Stefanie Gollon (50), von Beruf Medien-Designerin, hat sich für das Treffen im Schulgarten so gestylt, wie sie auch zu einer der vielen Swingtanz-Veranstaltungen gehen oder als DJane Ms. Ellie Catz auflegen würde. Sie strahlt, wenn sie erzählt von den Veranstaltungen und den Erlebnissen mit Swing und Lindy Hop.

Inzwischen gibt es auch in Lübeck eine lebendige Swing-Szene von Menschen, die die Musik der 1920er bis 1940er Jahre lieben und leidenschaftlich Lindy Hop tanzen. Eine der Veranstalterinnen, die sich unter dem Namen „Swinging Lübeck“ zusammengetan haben, ist Stefanie Gollon.

Dem Tanz, entstanden Ende der 1920er Jahre aus Charleston, Stepptanz und anderen Elementen und zur Musik der Big Bands vor allem in New Yorker Ballsälen angesagt, haftet etwas Besonderes an: „Es war der erste gemischtrassige Tanz“, weiß Stefanie Gollon. In damaligen Zeiten ein Stück Freiheit, Ausgelassenheit, war Lindy Hop lange vergessen. Erst ab den 1980er Jahren erlebte er eine Renaissance.

In Lübeck war es ab 2012 Schauspieler, Musiker, Sänger und Dozent Christoph Wiatre, der die ersten „Swinging Ballroom“-Veranstaltungen organisierte.

Stefanie Gollon, die früher Marketing für die Musikbranche machte und CD-Cover gestaltete, hatte ihr einschneidendes Swing-Erlebnis 1999. Während der Messe Popkomm in Köln hörte sie die kanadische Band Big Rude Jake und sah erstmals Lindy-Hop-Tänzer. Als dann später auch noch die Swing-DJane schlechthin, Swingin’ Swanee, und der älteste Swing DJ Georg Discher auflegten, war es um sie geschehen: „Ich war infiziert“, erzählt sie schmunzelnd.

Trotzdem dauerte es noch einige Jahre, bis Swing und Lindy Hop in Lübeck ankamen. 2016 fanden sich mehrere Lübecker zusammen, um – meist im kleineren Rahmen – Veranstaltungen zu organisieren. „Es ist ein harter Kern von vielleicht fünf, sechs Leuten, der sich einbringt“, sagt Stefanie Gollon, darunter Michael Steffen und Tanzpädagogin Doreen Fiedler, die als „Fräulein Doreen“ die Tanzwütigen den Lindy Hop lehrt. Ebenso wie Oliver Rodriguez und Marina Warncke, die im Schatz-Café Kurse ausrichteten. Zu den Veranstaltungen im Sacher’s, einst in der Lachswehr, in der Ohana Lounge, in Nicole Köhlers „Salon Schön“ oder im Schulgarten komme meist ein harter Kern von 60 bis 70 Leuten. Für den Newsletter, den Stefanie Gollon ebenso gestaltet wie die Homepage, hätten sich 200 Interessierte gelistet. „Die meisten“, sagt die 50-Jährige, „sind im Alter zwischen 30 und 50, aber es gibt auch Ausnahmen.“ Einige stylten sich ganz stilecht, andere kämen in normaler Freizeitkleidung.

Locations für die Tanzveranstaltungen zu finden, sei nicht ganz einfach. Denn für diesen sportlich sehr fordernden Tanz dürfe es kein harter Fliesen- oder Betonboden sein. „Und weil es so sportlich-anstrengend ist, trinken Lindy-Hop-Tänzer meist nur literweise Wasser.“ Was für die Gastronomie nicht besonders attraktiv sei.

Doch was ist es, was den Reiz des Swingtanzes ausmacht? Für Stefanie Gollon ist es die gewisse Freiheit beim Tanzen: „Es gibt keine falschen Schritte, es gibt nur Varianten, und es ist zwar ein Paartanz, aber ohne feste Paare. Da wird immer einmal wieder gewechselt.“ Und es bringe eine Leichtigkeit mit. Schön findet sie daran auch, „dass Lindy Hop sehr albern ist – das ist meine Medizin für Tage, an denen ich gestresst oder genervt bin.“

Die nächsten Termine

Sunday Swing im Schulgarten ist am Sonntag, 5. August und 2. September, 15 bis 18 Uhr, angesagt; sommerlicher Tanztee mit DJane Ms. Ellie Catz und Stärkung aus dem Schulgarten-Café, Hutkasse.

„Let your soul swing“ am Donnerstag, 13. September, in der Ohana Lounge, Hüxstraße 58, 19 bis 23 Uhr, gedacht für Anfänger wie erfahrene Lindy Hopper, Hutkasse.

Swing im Sachers, Sonntag, 23. September, Hüxterdamm 14, 15 Uhr Lindy-Hop-Crashkurs mit Fräulein Doreen (Hutkasse), 16 bis 18 Uhr Tanzfläche frei bei Swingmusik, Kaffee und Kuchen (Folgetermine: 28. Oktober, 25. November).

Moonlight Hanse Swing, Dienstag, 2. Oktober, Ohana Lounge, Hüxstraße 58, mit Live-Band The Sazerac Swingers, Anfangszeit wird noch bekannt gegeben.

Infos unter www.swinging-luebeck.de oder www.hanseswing.de.

Sabine Risch

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