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Lübeck Insolventer Hafenbetriebsverein: Stellt die LHG jetzt Arbeiter ein?
Lokales Lübeck Insolventer Hafenbetriebsverein: Stellt die LHG jetzt Arbeiter ein?
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07:20 16.08.2016
Eine entscheidende Rolle spielt die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) - für ihr tägliches Geschäft an den Kaikanten leiht sie sich aktuell immer noch HBV-Leute aus. Quelle: Archiv/Malzahn
Lübeck

„Allen Beteiligten ist klar, dass Leute entlassen werden müssen“, sagt Insolvenzverwalter Klaus Pannen. Jetzt verhandle er mit dem Betriebsrat und versuche, das so sozialverträglich wie möglich zu regeln. Offen ist vor allem, wie viele ihren Job verlieren. Dem Vernehmen nach sind es mindestens ein Drittel. Eine Zahl, die HBV-Chef Stefan Höppner bereits Anfang Juni genannt hat – kurz nachdem der HBV Insolvenz anmelden musste.

Entscheidung innerhalb von drei Monaten – Politiker zweifeln an der Zukunft des Vereins.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG). Sie beschäftigt derzeit etwa 300 Hafen- und Umschlagsarbeiter. Doch für ihr tägliches Geschäft an den Kaikanten braucht sie mehr Leute. Deshalb leiht sie sich aktuell immer noch HBV-Leute aus – wenn auch wesentlich weniger als früher. Nun ist die Frage: Stellt die LHG Mitarbeiter des insolventen HBV ein – oder nicht?

„Die LHG prüft, ob sie HBV- Leute übernimmt“, sagt Pannen. Er hofft, innerhalb der nächsten drei Monate Klarheit zu haben. Im Gespräch sind maximal 90 bis 100 Leute. Über diese Zahl wurde bereits beim Zukunftspakt für die LHG verhandelt – der aber scheiterte. LHG-Chef Sebastian Jürgens will sich zu dem Thema nicht konkret äußern:   „Im Rahmen des Einsatzes von HBV-Mitarbeitern stehen wir in Kontakt mit dem Insolvenzverwalter.“

Ein wenig anders beurteilt der HBV-Betriebsrat die Lage. „Aktuell sind alle verfügbaren Leute eingesetzt – inklusive der Aushilfen“, sagt Volker Krause, stellvertretender HBV-Betriebsratschefs. Die Stimmung unter den Mitarbeitern sei „nicht gut“. Denn die Situation verunsichere die Leute. „Es hängt vieles von der LHG ab“, sagt Krause. Und die treibt derzeit selbst in einem unruhigen Fahrwasser.

Die LHG hat innerhalb von zwei Jahren drei Großkunden verloren, braucht daher eben weniger Leiharbeiter – und steckt in den roten Zahlen. Nach LN-Informationen wird das Defizit für 2015 zwischen ein und zwei Millionen Euro liegen. Zudem: Der Zukunftspakt für die LHG scheiterte im Februar. Damals sollten von 153 HBV-Leuten ein Drittel mit Abfindung und auf freiwilliger Basis gehen. Die restlichen 90 Mitarbeiter sollten von der LHG übernommen werden. Allerdings: Das Ganze war Teil eines Gesamtpaketes. Denn auch die LHG-Hafenarbeiter sollten dabei auf Lohn verzichten. Doch die Arbeitnehmerseite lehnte den Pakt ab, weil die Einschnitte bei den Arbeitern zu hoch gewesen seien. Damit gibt es nun keinen erkennbaren Plan für die Zukunft der LHG.

Und es ist auch völlig unklar, ob die LHG überhaupt Leute einstellt. „Auf keinen Fall sollte sie alle HBV-Leute übernehmen“, warnt CDU-Fraktionschef Andreas Zander. Denn der LHG selbst gehe es nicht gut „Was die LHG jetzt gar nicht braucht, ist, weiter ins Trudeln zu geraten.“ Auch SPD-Fraktionschef Jan Lindenau sagt: „Nur wenn die LHG Bedarf hat an Leuten, dann sollte sie sie einstellen.“ Das würde aber das Ende des Hafenbetriebsvereins bedeuten. Denn der ist so etwas wie die Leiharbeitsfirma für den Hafen – wird aber seit Jahren zu 98 Prozent von der LHG genutzt. „Ein dauerhafter Leiharbeiterverein allein für die LHG ist nicht sinnvoll“, sagt Lindenau Er könne sich einen solchen Verein für den Lübecker Hafen nur vorstellen, wenn auch andere Hafenbetriebe dort Leute ausleihen.

„Das Ganze wäre dann aber viel kleiner – so mit 20 bis 30 Leuten.“

Ähnlich sieht es Zander. „Um Arbeitsspitzen abzufangen, ist ein Leiharbeitsverein im Hafen gut.“ Dafür müsste es aber wieder richtig brummen im Hafen. Daher fordern die Grünen einen Plan von Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), wie der Hafen auf Vordermann gebracht werden kann. Saxe allerdings sagt: „Die Stadt hat ihre Angebote auf den Tisch gelegt.“ Aber noch seien nicht alle Beteiligten soweit, auch ihre Angebote zu präsentieren. Gemeint ist: Die Stadt würde auf Pacht von der LHG für Hafenflächen verzichten – so ist es im Zukunftspakt notiert. Allerdings müssten auch die Arbeitnehmer Zugeständnisse machen.

Lindenau sieht indes die LHG- Chefs in der Pflicht: „Mir fehlt da eine Strategie.“ Derzeit werde nur bis zum nächsten Jahr gedacht. Lindenau aber fordert Ziele für die nächsten fünf Jahre, an denen sich die Chefs messen lassen. Lindenau: „Ich habe den Eindruck, es werden geringe Ziele gesetzt, damit man daran nicht scheitert.“

 Josephine von Zastrow

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