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Lübeck Integration als Erfolgsmodell
Lokales Lübeck Integration als Erfolgsmodell
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20:52 22.06.2017
Beim Badminton-Training der TG Rangenberg erklärt Said (16) seinem Vereinskollegen Matteo (13), wie er den Schläger halten muss. Der 16-jährige Geflüchtete fühlt sich sehr wohl im Sportverein. Quelle: Fotos: Cosima Künzel (2), Inga Waldeck
Lübeck

Für viele Lübecker ist die Integration von Flüchtlingen nicht nur eine Floskel. Sie füllen die Worte mit Leben: im Verein, im Beruf und in der Freizeit. Für die TG Rangenberg sind die neuen Mitglieder als talentierte, ehrgeizige Sportler ein „Glücksgriff“. Im Flow-Projekt hat die Gemeindediakonie Lübeck schon rund hundert Geflüchteten und ehrenamtlichen Betreuern erfolgreich geholfen.

Bei der TG Rangenberg und im Projekt Flow gelingt die Neuorientierung für Geflüchtete.

So wie Mohammad Alshorbaji und Familie Prüser. Der 21-jährige Syrer kam als Geflüchteter Ende 2015 nach Deutschland und bildet seit Januar dieses Jahres mit Imke und Axel Prüser ein sogenanntes „Tandem“ im Projekt „Flow – Für Flüchtlinge! Orientierung und Willkommenskultur“. Zurzeit absolviert Mohammad ein Vorbereitungsjahr für die Fachhochschule und hat sich gleichzeitig einen 450-Euro-Job in einer Bäckerei gesucht. Der Syrer will Maschinenbau studieren, und Prüsers sind sich sicher, dass er das schafft: „Mohammad ist sehr ehrgeizig. Wir unterstützen ihn auf seinem Weg, aber vor allem haben wir alle viel Spaß und Freude an den Gesprächen und Unternehmungen.“

Laut Projektleiterin Gabriele Sester ist das Mentoring-Programm das Herzstück von Flow. „Wie bei Familie Prüser und Mohammad bilden ein oder mehrere Ehrenamtliche und ein Geflüchteter ein ,Tandem‘, um gemeinsam die Hürden der Neuorientierung und Integration zu überwinden.“ Fast hundert Tandems hat Flow seit Start im März 2015 auf den Weg gebracht, die Liste der Aktivitäten ist lang und erfolgreich. Derzeit läuft ein umfangreiches Sommerprogramm (www.projekt-flow.de). „Trotzdem suchen wir weitere Ehrenamtliche, die sich engagieren“, so Sester. Finanziert wird das Projekt maßgeblich durch die Lübecker Possehl-Stiftung, aber auch zahlreiche Bürger und Einrichtungen spenden für Flow.

Wenn es um das Thema „gelungene Integration“ geht, dann fällt Michael Gülck (49) von der TG Rangenberg sofort ein Name ein: Haidar Kamoona. „Er ist für unseren Verein und für mich als Volleyballtrainer ein wahrer Glücksfund“, sagt der 49-Jährige, der für die U-18-Jugendmannschaft verantwortlich ist. Gleich beim ersten Treffen war ihm klar, dass Kamoona perfekt zum Verein passt. Denn der 27-Jährige war in seiner Heimat nicht nur Jugendnationalspieler im Volleyball und hat Sport studiert. „Er war auch sofort unwahrscheinlich engagiert, aufgeschlossen und sympathisch.“

Aus dem Irak ist Kamoona im September 2015 nach Deutschland gekommen, seit Februar 2016 lebt er in einer Wohngemeinschaft in Lübeck. Er hat einen Deutschkurs gemacht, wartet auf den zweiten und hofft, in Deutschland ein Masterstudium Sport machen zu können. Im Verein hat ihm Gülck schnell einen Platz als Co-Trainer angeboten. Das Volleyball-Training ist jetzt sein Anker.

Auch Mushtaba (11) und Mohmmad Sadat (16) sowie Said Rajabi (16) fühlen sich in dem Sportverein wie zu Hause. Sie gehören zur Badminton-Sparte. Trainer Dirk Zacher (42) ist „absolut begeistert“ von den Jugendlichen: „Ich habe gleich gesehen, was für ein gutes Ballgefühl sie haben – und gleichzeitig sind sie unglaublich motiviert und diszipliniert“, sagt der 42-Jährige. Die jungen Leute leben seit November 2015 in Lübeck, sind „sozial hervorragend eingebunden“ und für den Verein „eine große Bereicherung“, so Zacher. „Die beiden Großen nehme ich inzwischen schon zu Punktspielen in der Hobby-Liga mit.“

Umso mehr schmerzt es beide Trainer, dass die jungen Geflüchtenten möglicherweise keine Zukunft in Deutschland haben. „Sie haben Ablehnungsbescheide für ihr Asylgesuch bekommen – das können wir nicht verstehen“, sagt Zacher. „Wir schaffen das! Ja, aber nicht, wenn man unsere Bemühungen ins Nichts laufen lässt.“

Cosima Künzel

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