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Lübeck Integrationshelfer für Schüler: Lübeck geht einen neuen Weg
Lokales Lübeck Integrationshelfer für Schüler: Lübeck geht einen neuen Weg
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18:47 25.11.2013
Von Kai Dordowsky
Joachim Karschny: „Eine Herkulesaufgabe.“ Quelle: Foto: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Zwei Jahre lang wurde das Modell der integrativen Schule an den Standorten Eichholz, Lauerholz und Grönauer Baum getestet. Jetzt wird das Modell flächendeckend ausgeweitet und nach den Sommerferien an allen Schulen angeboten. „Das ist ein großer Schritt in Richtung Inklusion“, sagt Schulsenatorin Annette Borns (SPD). Joachim Karschny von Kinderwege, einer der Entwickler des Konzepts, spricht von einem „bundesweit vorbildlichen“ Modell. Franz-Josef Scholz, Leiter der Schule Eichholz: „Ich bin sehr zufrieden.“ Neun sozialpädagogische Assistenten und Heilerzieher stehen der Schule Eichholz als Integrationshelfer zur Verfügung, 20 Kinder werden von ihnen begleitet.

Die Idee dahinter: Statt dass Kinder mit einer Behinderung ihren persönlichen Schulintegrationshelfer bekommen, bilden Schulen und Freie Träger sogenannte Pools aus Schulhelfern. „In manchen Schulen haben wir heute die Situation, dass drei bis vier Integrationshelfer gleichzeitig in einer Klasse sitzen“, berichtet Borns. Eltern müssen die Eingliederungshilfe für ihr Kind durchsetzen. Die Helfer arbeiten oft mit befristeten Verträgen und können davon in der Regel nicht leben. „Das sind oft grenzwertige Beschäftigungsverhältnisse“, beklagt Senatorin Borns. Die Schulen können die Helfer nicht flexibel einsetzen. Und das werde mit der flächendeckenden Ausweitung, der Budgetierung und Poolbildung abgeschafft, sagt Karschny.

Die Helfer werden von sieben Trägern der freien Wohlfahrtspflege — Malteser, Awo, Kinder- und Jugendhilfeverbund, Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen, In Via und Kinderwege — eingestellt und in zwölf Schulsozialräumen eingesetzt. Ein Schulsozialraum umfasst jeweils mehrere Schulen. Das System besteht bereits, wurde für die Schulsozialarbeiter errichtet. Die für Jugendhilfe und Eingliederungshilfe zuständigen Behörden geben pauschale Summen an die freien Träger, die Personal und Geld in Absprache mit den Schulen einsetzen. 2,37 Millionen Euro pro Jahr sind für das Modell veranschlagt. Daraus lassen sich über 250 Helfer finanzieren, die sich um 280 bis 300 Kinder kümmern. Und die Helfer können Arbeitsverträge über zwei Jahre bekommen — solange soll das Modell mindestens laufen. Außerdem werde über die Poolbildung sichergestellt, dass die behinderten Kinder auch an der Nachmittagsbetreuung der Schulen teilnehmen könnten, versichert Borns.

Die Zahl der Kinder, die eine Eingliederungshilfe beanspruchen, steige stark an, weiß Karschny. Stark geistig oder körperbehinderte Kinder, Autisten und Kinder mit Asperger Syndrom könnten ihre individuellen Integrationshelfer weitgehend behalten, baut der Kinderwege-Geschäftsführer möglichen Ängsten von Eltern vor. Und die sind sehr konkret. „Eltern geht die individuelle Förderung verloren“, befürchtet Birgit Kalinke vom Arbeitskreis Integration, „bestimmte Kinder brauchen feste Bezugspersonen.“ Durch die neue Regelung bestehe zudem die Gefahr, dass Schulen ihre bisherigen Helferstunden verlieren. „An der Geschwister-Prenski-Schule sollen die Schulbegleiterstunden von 440 auf 270 Stunden pro Woche heruntergefahren werden“, berichtet Kalinke. Schulleiter Rolf Bennung hat der Stadt sofort klargemacht, „dass das für uns nicht realisierbar ist“.

Verunsicherte Eltern könnten sich mit ihren Fragen an die Schule und an die jeweiligen freien Träger wenden, beruhigt Joachim Karschny von Kinderwege: „Die werden sich um eine bedarfsgerechte und schnelle Lösung bemühen.“

In den verbleibenden Tagen bis zu den Sommerferien werden Lehrer, Eltern und Sozialarbeiter in Beteiligungsrunden detailliert über das Modell informiert. Ein erstes Schreiben an die betroffenen Familien ist unterwegs, die Schulleitungen wurden bereits ausgiebig in Kenntnis gesetzt. „Lübeck bringt innerhalb von sieben Monaten ein völlig neues Modell auf den Weg“, sagt Karschny, „das ist eine Herkulesaufgabe“.

Keiner wird ausgegrenzt
Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich Deutschland zur Inklusion verpflichtet. Die Konvention trat 2009 in Kraft. Das Inklusionsprinzip ist auch im Schulgesetz von Schleswig-Holstein festgeschrieben. Laut Aktion Mensch bedeutet Inklusion: Jeder Mensch erhält die Möglichkeit, sich vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen — von Anfang an und unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter.

Kai Dordowsky

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