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Lübeck „Smartphone? Ich hab ein Freedom-Phone“
Lokales Lübeck „Smartphone? Ich hab ein Freedom-Phone“
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17:51 28.10.2018
Rapper Das Bo spielt mit Fünf Sterne Deluxe am 3. November in Lübeck Quelle: Hfr
Lübeck

Am 3. November spielen Fünf Sterne Deluxe in der Kulturwerft Gollan (ab 19 Uhr). Das Besondere: Das Konzert ist der Auftakt einer Veranstaltungsreihe namens „Factory Beatz“ und wird nicht von Event-Profis organisiert, sondern den 50 Auszubildenden – angehenden Tischlern, Hochbauern, Tiefbauern, Bauzeichnern und Industriekaufleuten – der Gollan Unternehmensgruppe, um deren Teamleistung zu stärken. 

Die LN haben vorweg ein Interview mit Rapper Das Bo von Fünf Sterne Deluxe geführt.

LN: Ihr spielt live in Lübeck. Kennst du die Stadt?

Das Bo: Gab es da nicht mal das Parkhaus? Da hab ich einige Mal aufgelegt. Ich kenne die Stadt auf jeden Fall und freu mich schon drauf. 

Ihr seid nach 17 Jahren wieder zurück mit Fünf Sterne Deluxe – und Ihr seid inzwischen alle über 40. Stört Dich das Thema Altern, vor allem in dieser Branche? 

Nö. Ich seh’ das so, ich lebe noch! Das ist schon viel Wert, wenn man bedenkt, wie viele Leute, die man kannte, in diesem Alter schon nicht mehr da sind. Und eigentlich bin ich ziemlich froh, in dieser Zeit nicht mehr so jung zu sein. Kein Wunder, dass die Leute ständig versuchen, sich irgendwie runterzutunen, weil sie diese Geschwindigkeit sonst nicht ertragen würden.

Factory Beatz – ein Konzert der besonderen Art

Mirko Alexander Bogojevic (42), alias Das Bo, kommt ursprünglich aus Bosnien-Herzegowina, ist aber ein gefleischtes Nordlicht, das den Hip-Hop-Stil der „Hamburger Schule“ entscheidend mitgeprägt hat, zum Beispiel mit dem Song „Türlich, Türlich“.

2017 haben Fünf Sterne Deluxe mit dem Album „Flash“ und der Single „Moin, Bumm, Tschack ihr großes Comeback gefeiert.

„Factory Beatz“ beginnen am Sonnabend, 3. November, um 20 Uhr (Einlass 19 Uhr) in der Kulturwerft Gollan, Einsiedelstraße 6.

Tickets kosten ab 38 Euro zuzüglich Gebühren, Schüler, Studenten und Auszubildende bis zu 25 Jahren zahlen 35 Euro, online erhältlich unter www.eventim.de.

Was genau meinst du?

Ich meine vor allem die Schnelllebigkeit und das ständige Zuballern mit Wahnsinn. Das hatte früher ohne die Smartphone-Ära alles viel mehr Zauber. Heute bekommt man alles immer und überall mit einem Klick und hat ständig dieses Ding in der Hand. Ich meine, Donald Trump ist Präsident und ist daueronline. Was soll man dazu noch sagen?! 

Ist man heute im Musikmachen – mit Alter und Erfahrung gelassener – als damals? 

Heute ist es besser und intensiver. Wir haben uns damals den Erfolg über die Jahre erarbeiten müssen, weil deutscher Hip Hop noch eine Subkultur war – da war man nicht über Nacht ein Star, wie es heutzutage gehen kann. Dadurch sind wir natürlich alle ein wenig geerdeter. Und als wir uns nach all den Jahren im Studio wieder trafen, haben wir gemerkt, wie hoch qualifiziert und schnell wir wieder zusammen funktionieren. Wir waren im Deutschen Hip Hop eine Art Pioniere und sind heute auf einem noch viel besseren Level unterwegs. 

Habt Ihr genug Stoff für ein weiteres Album? 

Ohne Ende. Wir haben durch unser neues Mitglied Louis Baltes auch noch mehr frische Impulse und sind kreativer denn je. 

Und war nach 17 Jahren alles so wie im Jahr 2000, als Ihr Eurer letztes Album aufgenommen habt? 

Es war noch geiler. Es ist natürlich eine andere Zeit heute, in der man sich neuen Umständen anpassen muss. Wir sind halt nicht diese Online-Typen, die täglich mit dem täglichen Twitter-Bla-und-Blubb präsent sind. Aber produktionstechnisch war es noch viel besser als vor 17 Jahren. 

Schämt man sich heute denn ein wenig für den musikalischen Nachwuchs? Da wird ja oft einfach mal schnell etwas produziert, weil es Geld verspricht. 

Nö, es ist halt in den vergangenen 20 Jahren unheimlich viel passiert in der Szene. Für die heute 20-Jährigen war Deutscher Hip Hop immer da. Für uns damals war es eine Subkultur, in der man erstmal Gleichgesinnte suchen und sich diese Gemeinschaft ganz langsam aufbauen musste. 

Und heute? 

Heute ist die Bandbreite von Künstlern riesig und es gibt es im Hip Hop so viel, dass man sich eher versucht, abzugrenzen. Und das finde ich schade, weil Hip Hop einer der größten Märkte bietet, sich in Sachen Jugend und Soziales zu engagieren – gerade, wenn man derzeit so den Rechtsruck in der Gesellschaft beobachtet. 

Dieser Rechtsruck wird vor allem in den Sozialen Netzwerken befeuert. 

Ich bin eher offline und habe weder ein Smartphone noch einen Internet-Anschluss Zuhause. Wenn ich Emails oder irgendwas im Netz abrufen möchte, mach ich das im Büro oder Studio – oder geh in ein Café mit WLan, wo ich auch gleich echte Kontakte pflegen kann.

Und was hast du für ein Handy?

Irgendeine alte Gurke, die ich liebevoll „Freedom“-Phone nenne, weil sie mir Freiheit gibt und kein Daddelautomat ist, der mich die ganze Zeit negativ beeinflusst. 

Und wie lebt es sich so ohne Smartphone? 

Super. Ich habe noch nie einen Job nicht bekommen, weil ich irgendeine Mail nicht innerhalb von fünf Sekunden beantwortet habe. Und wenn es wirklich wichtig ist, dann telefoniert man eh. 

Klingt schön oldschool...

Mir ist das Sein wichtiger als der Schein. Wenn ich jemandem gegenüber sitze, der ständig in sein Handy guckt und abwesend ist, frage ich mich, warum man sich dafür treffen muss?! Ich bin lieber gerne ganz da, wo ich bin. 

Ist aber nicht so einfach, das Ding wegzulegen...

Es ist Fluch und Segen zugleich. Aber man kann auch einfach mal Nichts passieren lassen, statt festzustellen, dass lange nichts passiert ist und dann ständig in dieses Ding zu gucken. Man kann sich auch mal die Bäume im Wind anschauen statt sich den x-ten Trash-Post oder die Diskussion um Trumps neuesten Tweet reinzuziehen. 

Es gibt halt viel zu gucken im Netz.

Ich glaube eben, durch die vielen Möglichkeiten und Einblicke, die man heute hat, wissen die Leute gar nicht mehr so genau, was sie wollen. Man wird mit Oberflächlichkeiten überschüttet und verpasst, was im echten Leben tatsächlich stattfindet. 

Nochmal zum Thema Rechtsruck in der Gesellschaft. Könnte Musik nicht eigentlich DIE Brücke sein –und warum gibt es da keinen Zusammenschluss von Künstlern, die zusammen ein Lied gegen Rassismus aufnehmen? 

Das fände ich toll, aber das ist es ja, was ich meine mit dieser Schnelllebigkeit. So eine Art Szene in dem Sinne gibt es ja nicht mehr. Die Zeit ist bei den meisten knapp, der Tag voll, Viele haben Familie und überall und aus jeder Ecke gibt es zwar einen Impuls – aber keinen richtigen Zusammenschluss, obwohl es essentieller denn je wäre. 

Kurzes Frage-Antwort-Spiel: Moin oder Moin Moin? 

Moin, Bumm, Tschack natürlich. (Das ist die erste Single aus dem aktuellen Album „Flash“, siehe Video)

Bushido oder Sido?

Wenn, dann beide.

HSV oder Pauli? 

Ich bin dumm, aber schlau. St. Pauli und HSV! (Textzeile aus „Dumm aber Schlau“)

Strand oder Pool? Strand – ich bin lieber in der Natur. 

Prince oder Michael Jackson? 

Mit Jackson bin ich groß geworden - aber : Prince ist der coolere Typ. Also nehme ich beide. 

Korn oder Cognac? 

Eher Cognac. 

Kaschemme oder Konzerthalle? 

Kaschemme. 

Falten oder Botox? 

Falten 

Netflix oder Fernsehen? 

Weder noch. 

Nice oder geil? 

Immer noch geil. 

Fleisch oder Veggie? 

Mehr Veggie 

Worüber hast du zuletzt gelacht?

Das kommt zum Glück regelmäßig vor, das ist Teil meiner Lebensqualität, mir das Lachen zu bewahren.

Du sollst für 10 Euro ein perfektes Dinner zaubern. Was gäbe es bei Dir? 

Da würde ich eine leckere Pesto selbst zubereiten. Die ist sehr einfach und schnell gemacht. Dazu gäbe es ein paar Nudeln – und vom Rest des Geldes würde ich noch einen schönen Rotwein besorgen. 

Was bedeutet Glück für dich? 

Vor allem Zufriedenheit. 

Irgendwas, was du Lübeck noch sagen möchtest? 

Zieht Euch warm an und kommt vorbei! Fünf Sterne Deluxe werden abflashen. Lasst uns das Leben zusammen feiern.

Interview: Schabnam Tafazoli

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