Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Lübecker CDU-Fraktionschef: „Wir spielen mit dem besten Team“
Lokales Lübeck Lübecker CDU-Fraktionschef: „Wir spielen mit dem besten Team“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:53 13.06.2018
Neuer CDU-Fraktionschef: Oliver Prieur (52) hofft, dass die erste Bürgerschaftssitzung am Donnerstag Spaß bringt. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Sie sind Bürgerschaftsneuling und führen die schwierigste Fraktion. Warum trauen Sie sich das zu?

Oliver Prieur: Ich gehe unbedarft an die Sache heran und habe auch keine Altlasten. Das ist der Vorteil, wenn man neu ist.

CDU-Fraktionschef ist kein Traumjob. Warum machen Sie das?

Es ist eine Aufgabe, die gelöst werden musste. Einer muss sie dann auch lösen. Und ich kann mir als Unternehmer meine Zeit einteilen.

Preußisches Pflichtgefühl?

Ja. Aber ob das preußisch ist, weiß ich gar nicht. Meine Einstellung ist: Von allein passiert nichts. Und ich bin derjenige, der lieber rührt, als dass er gerührt wird.

Ihr Vorgänger war gerade einmal ein gutes Jahr im Amt. Der Vorvorgänger musste den Posten wegen der E-Mail-Affäre abgeben. Wie lange wollen Sie den Job machen?

Gewählt bin ich von der Fraktion auf zweieinhalb Jahre. Dann darf sich die Fraktion überlegen, ob es mit mir weitergeht. Und ich überlege es mir natürlich auch.

Hintergrund der E-Mail-Affäre war der jahrzehntealte Streit der beiden CDU-Lager. Wie wollen Sie denn mit dem umgehen?

Wir müssen das hinter uns lassen. Die Leute, die die E-Mail-Affäre betraf, haben jetzt andere Aufgaben. Das ist das Schöne an der neuen Fraktion. Da gibt es sechs Neue – und sie fordern von den Alten: Ihr müsst jetzt zusammenarbeiten.

Viele Stützen der Fraktion wie Andreas Zander, Hauke Wegner, Henning Stabe oder Dirk Freitag sind nicht mehr in der Fraktion. Was passiert mit denen?

Einige von den Leistungsträgern werden bürgerliche Ausschuss-Mitglieder.

Die beiden CDU-Lager zu vereinen, hat bisher aber keiner geschafft...

Das liegt daran, dass die Differenzen der Kreispartei in die Fraktion getragen wurden – und umgekehrt. Das hat sich aufgeschaukelt. Die Mitglieder in der Partei lechzen aber danach, dass das aufhört. Die Fraktion will sich von den Nickeligkeiten verabschieden und Sachpolitik machen. Denn: Wir spielen mit dem besten Team, das in der Bürgerschaft sitzt.

Stichwort: Zusammenarbeit. Sie würden gern mit der SPD zusammenarbeiten. Von da gibt es aber noch keine Signale . . .

Jeder hat sein Schiff getakelt, die Mannschaft zusammengestellt, und am Donnerstag wird gemeinsam in See gestochen. Bis jetzt gab es so viele organisatorische Dinge zu regeln – mit allen Fraktionen.

Aber mit der SPD würden Sie doch gern etwas zusammen machen?

SPD und CDU müssen etwas zusammen machen. Ständig wechselnde Mehrheiten bringen nichts. Dazu sind die Probleme zu groß. Wir müssen da Ruhe reinbringen. Wir können den Kleinkrieg in der Bürgerschaft nicht weiter führen, sondern müssen uns bei den großen Themen zusammenraufen – wie Finanzen, Gewerbegebiete, Altstadt-Entwicklung, Brücken, Straßen, Wirtschaft. Das ist auch das, was die Bürger von uns erwarten dürfen. Und wir haben mit Jan Lindenau (SPD) zudem einen neuen Bürgermeister – den können wir auch nicht hängen lassen.

Wie wollen Sie denn mit Jan Lindenau umgehen?

Er ist ein sympathischer Kerl, wir verstehen uns auch ganz gut. Und Lindenau will enger mit den Fraktionen zusammenarbeiten als sein Vorgänger. Er verdient eine gerechte Chance. Wir wollen nicht blockieren, sondern sehen, was er macht. Und er muss sein Wahlprogramm natürlich umsetzen.

Wie sieht es da beim Thema Stadtteilbüros aus?

Die Stadtteilbüros zu schließen war ein Fehler. Wir waren immer dagegen. Lindenau will sie 2019 wieder eröffnen mit einem neuen Konzept. Aber unsere Hauptforderung ist, dass es im Vorwege eine Zwischenlösung gibt.

Was sind Ihre Schwerpunkte?

Für uns steht die Einnahmeseite im Vordergrund. Wirtschaft, Investitionen, Wohnungsbau sind uns wichtig. Wir werden uns aber auch den sozialen Themen widmen. Da haben wir neue Leute, die sich darum kümmern, bis in die Haarspitzen brennen und loslegen wollen.

Was halten Sie von den neuen Fraktionszusammenschlüssen – und würden Sie den Einzelkämpfer Lothar Möller von der BfL aufnehmen?

Nein. Die CDU hat die Wahl deutlich verloren. Wir müssen jetzt liefern. Das machen wir unter der Flagge der CDU – und nicht mit jemand anderem. Nicht so wie die GAL und die Freien Wähler, die sich zusammengeschlossen haben. Oder die Grünen und Die Partei. Dass das zusammenpasst, bezweifeln wir. Dazu sagte ein ehemaliger CDU-Kreischef einmal: „Wenn man zwei Hähnchen zusammenbindet, hat man noch lange keinen Adler.“

Firmenchef als Fraktionschef

Oliver Prieur (52) ist gebürtiger Lübecker und lebt in Kücknitz. Er hat sein Abitur am Trave-Gymnasium gemacht und bei der Firma Possehl Kaufmann gelernt. 1997 gründete er sein eigenes Unternehmen mit fünf Mitarbeitern und handelt seither mit Dichtstoffen – ein spezialisierter Großhandel für Handwerksbetriebe. Er trat 2008 in die CDU ein, arbeitet seither in Ausschüssen mit. Im Mai trat er erstmals zur Kommunalwahl an, gewann direkt den schwierigen Wahlkreis Kücknitz. Prieur ist verheiratet, hat einen erwachsenen Sohn.

 Josephine von Zastrow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige