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Lübeck TW-Geschäftsführer Frank Schärffe: „Um die Zukunft ist uns nicht bange“
Lokales Lübeck TW-Geschäftsführer Frank Schärffe: „Um die Zukunft ist uns nicht bange“
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10:05 31.07.2018
Interview unter Palmen: TW-Sportchef Jens Kath (l.) und Geschäftsführer Frank Schärffe im Interview mit LN-Sportredakteur Jens Kürbis. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Zehn Tage Travemünder Woche, zehn Tage diese Sätze: Segeln wie in der Karibik, die Karibik liegt in Travemünde. Können Sie das Wort Karibik noch hören?

129. TW in Zahlen

800000 Besucher gaben die Veranstalter an.

1400 Segler und Seglerinnen

620 gestartete Boote, 45 Coachboote

253 Wettfahrten (mit Liga-Wettbewerben)

200 Programmpunkte

32 Proteste und 29 Änderungen der Segelanweisungen

23 Nationen (Premiere: Trinidad & Tobago, Angola, Taiwan)

Frank Schärffe (TW-Geschäftsführer): Na klar. An eine Travemünder Woche mit diesem Wetter kann sich kaum jemand erinnern. Die Stimmung war entspannt, die Meile gerade in der Woche total gut besucht. Es war eine tolle Travemünder Woche. Die Besucherzahl würden wir bei 800000 ansiedeln.

Jens Kath (TW-Sportchef): Karibik? Ich kann es nicht oft genug hören. Es waren ja auch traumhafte Bedingungen. Dass der Wind im ersten Teil der Woche spät kam, war schon ein Luxusproblem. Wir haben ohne die Ligawettbewerbe mit 167 von 181 geplanten Wettfahrten fast das komplette Segelprogramm geschafft, das ist selten. Hinzu kommen nur 32 Proteste – und das bei dem Programm. Dazu tolle Rückmeldungen von den Seglern, sogar Standing Ovations am Grünstrand für die Wettfahrtleitung. Auch Anderl Denecke hat in Vertretung für Brian Schweder einen hervorragenden Job als Gesamtwettfahrtleiter gemacht. Sein internationaler Background tut der TW gut. Kurzum: Es war eine der schönsten Travemünder Wochen.

War sie auch eine Referenz für weitere Bewerbungen als Meisterschaftsrevier? Darüber definiert sich die Woche ja.

Kath: In jedem Fall. Wir bewerben uns um die IDM im Seesegeln 2019. Wenn ich an die Langstrecke mit Start in der Trave denke – besser kann man Seesegeln nicht zeigen. Ich weiß nicht, was man da noch tun soll? Auch die Premiere der Youth Champions League mit dem neuen Finalformat war top.

Welche Titelkämpfe haben Sie für die Zukunft sicher?

Kath: 2019 kommen die Open Bic zur EM mit einem großen Feld. die Laser wieder zu ihren Jugend-Meisterschaften. 2020 segeln die Laser 4.7 ihre EM, kommen mit 350 Booten – ein riesiges Feld. Auch am Thema Inklusion sind wir dran, wollen 2019 einen offiziellen Wettbewerb der RS Venture-Klasse aufnehmen.

Und olympische Klassen?

Kath: Auch da bewerben wir uns, wollen auch Kitesurfen gern aufnehmen.

Zurück ans Land. Es gab auch Kritik. Mit dem Medienzelt und Ankerplatz lagen zwei Bühnen direkt nebeneinander. Viele Besucher drehten ob der Lautstärke-Überlagerungen genervt ab. Auch die Lounge für Segler mitten im TW-Herzen war schlecht besucht . . .

Schärffe: Da werden wir uns künftig besser abstimmen. Und Ja, die Lounge war gerade am Abend nicht belebt. Auch da werden wir nachjustieren.

In diesem Jahr fehlte auch der SAP-Cube für die Live-Übertragungen. Er steht jetzt in Aarhus. wo WM ist. Kommt er 2019 wieder?

Schärffe: Davon gehen wir aus. Der Cube prägt seit 2013 das TW-Bild.

Ist dann auch wieder ein Live-Komplettprogramm geplant? In diesem Jahr gab es an vier Tagen Segeln aus der Konserve.

Schärffe: Auch das streben wir an.

Ein Dauerthema sind fehlende Parkplätze und Staus. Wie wollen Sie das für 2019 entschärfen?

Schärffe: Wir können es nicht entschärfen. Die TW braucht Platz – auch Parkplätze für unsere Mitarbeiter, die wir im Übrigen mieten. Wir bekommen da nichts geschenkt, wie schon zu lesen war. Wir brauchen mehr statt weniger Parkraum. Leider verfolgt die Politik da momentan einen völlig anderen Ansatz. Nur darauf zu verweisen, dass die Besucher mit Bus und Bahn kommen sollen, reicht nicht.

Stichwort Waterfront. Wann schwappt die TW auf den Priwall?

Schärffe: Nicht vor 2020. Aber es wird da keine Budenzeile geben. Ideen haben wir. Auf der Plaza ist Kleinkunst vorstellbar, eine schwimmende Bühne im Hafen, auch RC-Segler, die mit ihren ferngesteuerten Booten Meisterschaften austragen.

Halse zurück zum Rotspon-Cup. Bleibt der Cup nach dem Beinahe-Unfall? Es ist ja nicht der erste . . .

Schärffe: Er bleibt natürlich. Der Cup hat Tradition, eine hohe mediale Aufmerksamkeit, ist publikumswirksam. Auch die Trave bleibt als Austragungsort und das Match-Race-Format. Wir werden ihn auch weiter auf den großen Zwölfer-Yachten segeln.

Klicken Sie hier, um zahlreiche Bilder von der Travemünder Woche 2018 zu sehen!

Die Außenhaut der „Trivia“ hat einige Schrammen? Wer trägt die Kosten? Der Bürgermeister?

Schärffe: Das ist ein Thema des Eigners.

Die Stadt Lübeck unterstützt die TW seit mehr als einem Jahrzehnt mit 31000 Euro per anno und helfenden Händen. Genug?

Schärffe: Da ist sicher noch Luft nach oben. Die Stadt ist zwar Mitveranstalter. Wir müssen dennoch zahlen. Flächennutzung, Fährnutzung – für alles. Aber wir merken, dass mit dem neuen Bürgermeister neue Gesprächsansätze, auch ein anderes Interesse an der Travemünder Woche da ist.

Gut, der Bürgermeister hat vor dem Rathaus ja auch die TW-Fahne gehisst. In der Innenstadt ist die Travemünder Woche aber nur spärlich zu sehen . . .

Schärffe: Sie ist überhaupt nicht zu sehen. Im Stadtbild Lübecks weist nichts auf die Veranstaltung hin. Das ist die größte und wichtigste Veranstaltung der Region. Das wird der Veranstaltung nicht gerecht.

Als Kontrast dazu: Was war Ihr schönster TW-Moment?

Kath: Für mich, der jahrelang auf der Seebahn war, ganz klar der Trave-Start der Yachten in die Langstrecke. Das war das Trave Race 2.0, ein toller Leckerbissen.

Schärffe: Der Moment? Für mich gab es viele. Das Wetter spielte mit, auch die Menschen in dieser gelösten Atmosphäre an den Abenden zu sehen, sorgte für große Zufriedenheit. Und: Wir haben ein tolles Team beisammen, mit vielen jungen Ehrenamtlichen, die neu dabei sind, frischen Wind mitbringen. Um die Zukunft ist uns nicht bange.

Gespräch: Jens Kürbis

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