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Lübeck Islamisten hacken Webseiten von Firmen
Lokales Lübeck Islamisten hacken Webseiten von Firmen
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16:28 16.10.2014
„Ich liebe Dich, ISIS“ stand auf der angegriffenen Internet-Seite der Lübecker Firma. Quelle: Screenshot: Wapner
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Lübeck/Kiel

Der Lübecker Marc Solterbeck (47) traute seinen Augen nicht: Als er am Dienstag die Internet-Seite seines Unternehmens www.ethletic.de öffnete, sah er statt des gewohnten Bildes eine Werbeseite für die Extremistengruppe IS mit Videobotschaft. „Ein Kunde aus Köln, der im Internet nach uns suchte, rief an und machte mich auf den Hackerangriff aufmerksam“, erzählt Solterbeck, der fair gehandelte Produkte vertreibt. „Wir haben die Seite umgehend vom Netz genommen.“

Zu solchen Angriffen gehöre kriminelle Energie, sagt Stefan Eichhorst von der Firma yBit. „Die Angreifer suchen nach verwundbaren Websites. Ich habe die Dateien analysiert und Updates vorgenommen“, sagt er. Zwei Stunden später lief Solterbecks Internetseite wieder.

Der Lübecker ist kein Einzelfall. In Kiel erwischte es am gleichen Tag die Traum GmbH, ein Veranstaltungszentrum mit Kino. „Ein Nutzer hat uns darüber informiert. Wir waren erst mal total schockiert und dachten, dass das doch gar nicht wahr sein kann“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Heiko Küpper. Ein Polizist, der sich privat über das Kino-Programm informieren wollte, hatte die geänderte Webseite gesehen und daraufhin seine Kollegen bei der Kriminalpolizei informiert.

„Die Seite ist an diesem Tag einige hundert Mal angegriffen worden“, sagt Christian Isachsen von der Firma Pixelwerft, der den Internet-Auftritt betreut. „Ich habe die Schadsoftware entdeckt und sofort gelöscht.“ Innerhalb von zwei Stunden hatte er den Fehler behoben, das System gesichert und die Seite wieder freigeschaltet. Isachsen hält die Täter für Trittbrettfahrer. „Ich glaube, dass Hackergruppen dahinterstecken, die sich der Zeichen und Sprache der IS bedienen, um mehr Aufmerksamkeit zu erreichen.“ Für sie sei das „Sport“. Sein Rat, um sich vor solchen Angriffen zu schützen: „Durch gute Server-Hygiene die Einfallstür so gut wie möglich geschlossen halten.“

Auch ein Hotel bei Berchtesgaden war Opfer eines Hackerangriffs, die Polizei wurde eingeschaltet. Die Webseite der Firma Swype — sie stellt Tastaturen her — wurde ebenfalls geknackt. Die Täter wollen das israelische Vorgehen im Gaza-Streifen anprangern. Auf einer Facebook-Seite werden die gehackten Seiten gezeigt.

Schleswig-Holsteins oberster Datenschützer Thilo Weichert geht von politisch motivierten Taten aus. Angriffe auf Seiten von Unternehmen seien ein „absoluter Klassiker“, aber Werbung für die Terrorgruppe IS sei in Schleswig-Holstein neu. „Wer etwas Derartiges tut, macht das nicht aus reiner Spielerei“, sagt Weichert.

„Diese Vorgehensweise wird durch politisch-motiviert agierende Gruppen gern genutzt, um einen wirksamen Weg in die Öffentlichkeit zu finden. Dies geht in die Richtung digitale Propaganda“, sagt der Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA), Stefan Jung. Angriffsziele seien vor allem Webseiten mit vielen Nutzern und einem hohen Verbreitungsgrad.

Für betroffene Firmen ist es wichtig, schnell informiert zu werden, um reagieren zu können. „Wir haben pro Tag bis zu 400 Besucher im Internet“, sagt Marc Solterbeck. „Ich bin froh, dass uns der Kunde aus Köln gleich angerufen hat.“

Bei der Polizei melden
Das Landeskriminalamt rät, im Falle einer Manipulation Anzeige bei der nächsten Polizeidienststelle zu erstatten. Allgemein empfehle man, stets das Betriebssystem, die Firewall und die Antivirensoftware aktuell zu halten, da Angriffe in Abhängigkeit bestehender Sicherheitslücken erfolgen. Für den weiteren Betrieb sollte man gegebenenfalls eine Fachfirma beauftragen, um die IT-Sicherheit zu überprüfen und Sicherheitslücken zu schließen.

M. Wegner und C. Risch

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