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Lübeck Ist das Hansemuseum behindertengerecht?
Lokales Lübeck Ist das Hansemuseum behindertengerecht?
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20:18 29.09.2017
„Wo ist die Inklusion im Hansemuseum geblieben?“ Erika Bade, Behindertenrat Lübeck

Fünfeinhalb Jahre lang stritt Erika Bade für die Belange der 26000 behinderten Menschen in Lübeck. Am 1. November vergangenen Jahres gab sie das Amt als Behindertenbeauftragte der Stadt ab.

Seitdem engagiert sie sich im achtköpfigen Behindertenrat der Hansestadt. Bade legte jetzt im Sozialausschuss der Bürgerschaft ihren letzten Jahresbericht als Beauftragte vor – und kritisierte das Europäische Hansemuseum in deutlichen Worten.

„Ich war im letzten Monat mit meiner Tochter im Europäischen Hansemuseum“, erzählte Bade den Politikern, „und ich war sehr enttäuscht.“ Die Räume seien für Sehbehinderte viel zu dunkel. Die Schrifttafeln würden für Rollstuhlfahrer viel zu hoch hängen, und die Gänge seien für große Rollstühle viel zu schmal. „Ich habe Blut und Wasser geschwitzt bei der Millimeter-Rangiererei mit meinem Elektro-Scooter.“ In Zukunft würden immer mehr Menschen auf diese großen Rollstühle angewiesen sein, erklärte Bade. „Wo ist die Inklusion im Hansemuseum geblieben?“ Das Haus habe Architekturpreise und Stiftungsgelder bekommen, sagte Bade. „Aber Behinderte waren kein Thema.“

Das sieht die Museumsleitung ganz anders. Das Haus sei nicht nur barrierefrei, sondern biete verschiedene Nutzungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung. „Aufzüge an der Untertrave, im Eingangsbereich des Museums und auf der Dachterrasse ermöglichen Besuchern im Rollstuhl den Zutritt ins Museum“, erklärt Pressereferentin Nelly Birgmeier. Im Museum gebe es Rampen, so dass jeder Teil auch für Rollstuhlfahrer erreichbar sei. „Unsere Besucher haben die Möglichkeit, einen Rollstuhl auszuleihen.“ Sowohl der Neubau als auch das Burgkloster seien mit behindertengerechten Toiletten, Handläufen und Geländern sowie Kontraststreifen und Aufmerksamkeitsfeldern mit Noppenstruktur bei Treppen ausgestattet. Schrift in Braille sei auf den Geländern und in den Fahrstühlen ebenfalls vorhanden. Die Pressereferentin: „Darüber hinaus halten sich zu jeder Zeit Besucherbetreuer in den Ausstellungsräumen auf.“ Der besondere Einsatz von Licht in einigen Räumen sei Teil des Museumskonzeptes. Birgmeier: „Um die Szenerien atmosphärisch zu gestalten, sind diese dunkler gehalten, wohingegen die Kabinette – als klassische Museumsräume – heller erleuchtet sind. Licht und Dunkel sind hier Mittel zur Inszenierung.“

Beim Bau seien die Belange von Behinderten berücksichtigt und deren Verbände einbezogen worden. Auch Erika Bade als Behindertenbeauftragte sei dabei gewesen. Stimmt, sagt Bade. „Wir haben uns Jahre lang mit dem Architekten gestritten.“ Das Hansemuseum sei oberflächlich behindertenfreundlich, aber nicht barrierefrei. Bade: „Ich bleibe bei meiner Kritik.“

Heimaufsicht nicht erreichbar

Der Seniorenbeirat der Hansestadt kritisiert die Unterbringung der Heimaufsicht, die im zweiten Obergeschoss in der Dr.- Julius-Leber-Straße sitzt. „Personen, die auf den Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind und diese Aufsichtsbehörde aufsuchen, werden im Flur des Eingangsbereichs beraten“, bemängelt Annegret Oelgaard vom Seniorenbeirat, „das ist hinsichtlich des Datenschutzes unzumutbar.“ Aus Sicht des Beirates ist es unverständlich, dass das städtische Gebäudemanagement nicht in der Lage ist, die drei Mitarbeiterinnen anders unterzubringen.

Die Stadt argumentiert damit, dass kaum jemand die Heimaufsicht aufsuche, sondern die Behörde zu den Menschen in die Alten- und Pflegeheime komme. Oelgaard: „Ein Bewohner eines Altenheimes wird bei einer eventuellen Beschwerde die Heimaufsicht nicht bitten, zu ihm zu kommen.“ dor

 Kai Dordowsky

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