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Lübeck Ist das Kunst oder kann das weg?
Lokales Lübeck Ist das Kunst oder kann das weg?
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22:24 21.09.2016
Quelle: Sabine Risch
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Innenstadt

Als der französische Streetart-Künstler Julien de Casabianca im Mai das Mädchen mit seiner Schürze überm Kleid, dem Umhängetäschchen und dem Spielzeug in der Hand als Tapete auf die Bunkerwand kleisterte, war das Interesse bereits riesengroß. Nicht nur die Lübecker Künstlerinnen Ulrike Heil und Ingeborg Pieper, die mit kleinen Outings aus dem Behnhaus Drägerhaus im Winter für viel Aufsehen gesorgt und die Aktion losgetreten hatten, waren begeistert. Es werte das Viertel auf, die öde Bunkerwand habe eindeutig gewonnen, lautete ihr Urteil.

 

Ein bisschen trotzig schaut das Kind von der grau-beige-grünen Bunkerwand herab auf die Schildstraße und die Aegidienkirche. Quelle: Fotos: S. Risch
„Ich wohne in der Nachbarschaft und gehe täglich daran vorbei. Ich seh viele Touristen, die stehen- bleiben. Auch ich finde es gut – mal was anderes.“Heinz-Rüdiger Anson (69), Anwohner
„Ich würde mich freuen, wenn es dauerhaft bliebe, weil es die unsäglich kahle Wand verschönert. Ich freu mich immer wieder über den Anblick.“Heidemarie Kugler-Weiemann (64)
„Ich habe viel mit der Augsburger Graffiti-Szene zu tun. Das Bild ist schön, es sollte bleiben. Eine spannende Aktion, Kunst aus dem Museum zu befreien.“Diana Schubert (41), Augsburg
„Es ist schon schön, stört nicht, wenn es bleibt, und wertet das Gebäude deutlich auf. Außerdem ist es mal was anderes, ich kannte ,Outings‘ bisher nicht.“Eva Grützner (43), München

Aegidien-Pastor Thomas Baltrock bekommt als unmittelbarer Nachbar beinahe täglich mit, „dass Touristen beglückt davor stehenbleiben, entzückt sind von dem Bild und es fotografieren“. Es passe gut zum Charme des Viertels, das durch die Belebung des Museumsquartiers ohnehin stärker in den Fokus der Touristen gerückt sei.

Doch das „Kind im Spielzimmer“, das Heinrich Eduard Linde- Walther 1901 schuf und das im Original im Behnhaus zu sehen ist, ist vergänglich. Die Tapete an der Bunkerwand ist Wind und Wetter ausgesetzt, würde sich nach und nach auflösen. Soll es dauerhaft bleiben, müsste es fixiert werden. Baltrock ist da ein wenig zwiegespalten. „Das Temporäre hat seinen Charme, das Bleibende auch“, sagt er. Heidemarie Kugler-Weiemann, Bewohnerin des Aegidienhofes, spricht sich vehement für den Verbleib aus: „Es würde mich freuen, weil es die unsäglich kahle Wand verschönert. Mit seiner Schürze überm Kleid erinnert es mich an die kleinen Mädchen, die früher in diesem Viertel wohnten.“

Doch bevor das Bunker-Bild fixiert wird, startete das Behnhaus Drägerhaus einen kleinen Aufruf. „Es war uns sehr wichtig, für den dauerhaften Erhalt des großformatigen Outings in der Schildstraße ein positives Stimmungsbild der Lübeckerinnen und Lübecker einzuholen. Über die durchweg positive Resonanz auf unserer Facebookseite sind wir daher sehr glücklich“, sagt Museumsleiter Dr. Alexander Bastek. Gleich in den ersten Tagen seien 20 positive Reaktionen gekommen. „Unbedingt dranlassen“ oder „Auf jeden Fall erhalten“ war der Tenor. Jetzt soll das Stimmungsbild noch ein wenig verfeinert werden: Über das Facebook-Portal der Lübecker Museen kann jeder sein Statement dazu abgeben.

Doch wie kann es haltbar gemacht werden und wer bezahlt das? Die Hanse-Unternehmerinnen hatten bereits die de Casabianca-Aktion gesponsert. Vorsitzende Ellen Ehrich hat nun Kontakt zu dem Lübecker Künstler Dirk Helbig aufgenommen, der monatsweise in Barcelona arbeite und viel Erfahrung mit großflächiger Wandgestaltung habe. Der sei im Austausch mit Julien de Casabianca. Wenn jetzt noch weitere positive Stimmen für das „Kind im Spielzimmer“ hinzukommen, kann es bald losgehen. Dann wird wieder der Kranwagen anrücken, damit Dirk Helbig das Bild an der Bunkerwand wetterfest machen kann – finanziert von den Hanse-Unternehmerinnen.

Das Originalbild, das im Mai auf Reisen nach Dänemark gegangen war, ist übrigens wieder zurück in Lübeck. Das Ölgemälde ist Teil der Ausstellung „Begegnungen. Deutsche und dänische Malerei 1860-1960“, die morgen um 19 Uhr im Behnhaus Drägerhaus eröffnet wird.

• Abstimmung unter: www.facebook.com/luebeckermuseen

 Sabine Risch

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