Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck JVA-Prozess: Anwälte der Verurteilten prüfen Revision
Lokales Lübeck JVA-Prozess: Anwälte der Verurteilten prüfen Revision
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:25 03.05.2016
„Vielleicht enthält die schriftliche Begründung irgendwelche Anhaltspunkte.“Frank-Eckhard Brand, Gintaras A.s Anwalt

Die Wirren um die Geiselnahme in der Lübecker Justizvollzugsanstalt (JVA) an Heiligabend 2014 könnten auch nach dem mehrmonatigen Prozess noch weitergehen.

Auf LN-Anfrage bestätigen alle Verteidiger der vier Verurteilten, dass sie Revision eingelegt haben — das Rechtsmittel muss binnen einer Woche nach dem Richterspruch eingereicht sein. Alle vier Anwälte sehen ihren Einspruch momentan zunächst bloß als „Prophylaxe“ an, eventuell wollen sie das Urteil aber tatsächlich anfechten.

„Wir halten es uns offen, die schriftliche Urteilsbegründung zu prüfen“, sagt Frank-Eckhard Brand, der Gintaras A. (51) vertritt. „Vielleicht enthält sie irgendwelche Anhaltspunkte für eine Revision.“ Sein Mandant war wegen Beihilfe zum versuchten Raub und Gefangenenmeuterei zu einem Jahr und neun Monaten verurteilt worden. Allerdings kann es sein, dass Brand den Revisionsantrag später zurückzieht. Nach der Hälfte der Haftzeit kann A. freikommen und in sein Heimatland abgeschoben werden. Eventuell ist dieser Zeitpunkt früher erreicht als ein neues, anderes Urteil nach der Revision.

Genau diesen Aspekt hat auch Rechtsanwalt Oliver Dedow im Sinn. Sein Klient Kahaberi A. (25) steht unmittelbar vor seiner halben Haftzeit, jetzt im Mai könnte er freikommen und nach Schweden abgeschoben werden. Das Gericht hatte A. ebenfalls wegen Beihilfe zu eineinhalb Jahren verurteilt, kombiniert mit einer vorherigen Strafe wegen Drogenschmuggels vom Oktober 2014 beläuft sich alles auf drei Jahre. „Eigentlich würde ich gerne einen Freispruch erreichen“, sagt Dedow. Doch angesichts seiner baldigen Freilassung könnte es sein Mandant „ablehnen, in Revision zu gehen“.

Ganz anders dagegen die Verteidiger von Haupttäter Alexej S. (23) und Eugenijus F. (38): S. wurde wegen Geiselnahme, versuchten Raubes, Gefangenenmeuterei und Widerstands gegen Vollzugsbeamte zu sechs Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Seine Anwältin Kerstin Raber hatte bereits nach dem Urteil verkündet, dass sie dieses zu hart findet. „Ich warte die schriftliche Begründung ab, danach überlege ich weitere Schritte“, sagt sie nun den LN. Das Zusenden kann noch Wochen dauern.

Jan Kürschner, F.s Verteidiger, übt besonders am Urteilspunkt „versuchter Raub“ heftige Kritik. Der 38-Jährige und S. nahmen dem überrumpelten Justizvollzugsbeamten den Gefängnisschlüssel ab, sowohl Staatsanwaltschaft als auch Gericht werteten das als versuchten Raub. „Nach meiner Auffassung hat diese Tat aber kein eigenes Gewicht“, so Kürschner. Vielmehr sei dies durch den anderen Punkt „Gefangenenmeuterei“ mit abgedeckt. Insgesamt erhielt Eugenijus F. eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Den anfänglichen Anklagepunkt, F. sei auch an der Geiselnahme direkt beteiligt gewesen, sah die Kammer nicht als erwiesen an. Die Staatsanwaltschaft teilt auf LN-Anfrage mit, „voraussichtlich nicht in Revision“ zu gehen.

Die Geiselnahme

2014 kommt es an Heiligabend zu einer Geiselnahme im Lübecker Gefängnis. Vier Männer überwältigen den JVA-Beamten Rene K. und stehlen seinen Gefängnisschlüssel. Im weiteren Verlauf hält ihm Alexej S. ein Brotmesser an die Kehle und will sich den Weg in die Freiheit freipressen. Insassen und Beamte überwältigen ihn. Dafür, dass die damalige JVA-Chefin Agnete Mauruschat die Polizei erst einen Tag später informiert, muss sie ihren Posten räumen.

Von Peer Hellerling

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mitglieder der Wichern-Gemeinde und der Jüdischen Gemeinde beten gemeinsam auf dem Jüdischen Friedhof.

03.05.2016

Die „Trave“ hat mit dem Bau von insgesamt 95 Wohnungen begonnen — 36 Apartments sind seniorengerecht.

03.05.2016

Geschenk an Bürgerschaftsmitglied Katja Mentz.

03.05.2016
Anzeige