Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck JVA-Prozess: Die letzten beiden Gutachter sagen aus
Lokales Lübeck JVA-Prozess: Die letzten beiden Gutachter sagen aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:16 06.04.2016

Beim Prozess um die Geiselnahme in der Lübecker Justizvollzugsanstalt (JVA) an Heiligabend 2014 haben gestern die beiden verbliebenen Sachverständigen ihre Einschätzungen abgegeben. Wieder ging es darum, ob eine Schuldminderung wegen Steuerungsunfähigkeit durch Alkoholkonsum infrage kommt. Beim Angeklagten Alexej S. sollte das Gutachten zudem Aufschluss darüber geben, ob eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt und sogar eine Sicherungsverwahrung denkbar seien. Er wird beschuldigt, den JVA-Beamten Rene K. mit einem Brotmesser bedroht und als Geisel genommen zu haben.

Weiterhin ist unklar, ob die Angeklagten Alexej S. (23), Eugenijus F. (38), Kahaberi A. (25) und Gintaras A. (51) zur Tatzeit betrunken waren. Alle vier sagten vor Gericht aus, sich wegen des Alkohols nicht an die konkreten Abläufe der Geiselnahme erinnern zu können.

Dr. Klaus Behrendt, Gutachter von Alexej S., sah zwei mögliche Erklärungen für eine Erinnerungslücke: Verdrängung oder Alkoholintoxikation. Für Ersteres gebe es „gute Gründe“, so Behrendt.

Schließlich neige S. zu aggressivem Verhalten, wenn er betrunken ist. Verdrängung sei dann ein „normaler Mechanismus, weil man sich selbst nicht so wahrnehmen“ könne und wolle. Er stellte bei Alexej S. eine Alkoholsucht fest und empfahl eine therapeutische Unterstützung. Eine Steuerungsunfähigkeit aufgrund des Alkohols schloss Behrendt nicht aus. Laut Zeugenaussagen gebe es „sieben Hinweise auf Ausfälle von S. durch Trunkenheit zur Tatzeit“. Für den Vorsitzenden Richter Kai Schröder war zudem die Frage relevant, ob S. generell einen Hang habe, Straftaten zu begehen. Dafür sah Gutachter Behrendt allerdings keine Hinweise. Er habe einen sehr guten Kontakt zum Angeklagten aufbauen können. „Er war sehr kooperativ“, betonte der Sachverständige.

Das zweite vorgestellte Gutachten fertigte Dr. Wolf Jonas vom Angeklagten Kahaberi A. an. Auch hier sollte dabei die Möglichkeit einer Strafminderung durch Steuerungsunfähigkeit geklärt werden. Jonas schloss gestern ein „enthemmtes Verhalten durch Alkoholkonsum nicht aus“. Oliver Dedow, Verteidiger von Kahaberi A., fragte nach, ob eine Gedächtnislücke durch Alkohol bei seinem Mandanten möglich sei. Jonas bestätigte: „Das nennt man dann einen Filmriss.“ Er sah aber keine „psychologischen Anhaltspunkte für einen Rausch, der auf eine seelische Krankheit von Kahaberi A. hinweisen könnte“, so Jonas.

Schon vergangene Woche sagten die Gutachter von Eugenijus F. und Gintaras A., dass ein erhöhter Alkoholspiegel Hinweise auf eine Steuerungsminderung geben könnten (die LN berichteten).Der JVA-Prozess wird am kommenden Mittwoch um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Von er

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ver.di wirft kommunalen Arbeitgebern „Missachtung“ der Beschäftigten vor.

06.04.2016

Die Vereinigte Baugenossenschaft Lübeck sammelte Spenden für den Verein — Gestern fand die Scheckübergabe statt.

05.04.2016

„Europäischer Arbeitgebertag“ wirbt um Flüchtlinge als Fachkräfte — Firmen sollen alle Potenziale nutzen.

05.04.2016
Anzeige