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22:07 01.06.2016
Sperrmüll, Kunstwerk, Studentenscherz? Auf einem Erdhaufen an der Einhäuschen Querstraße, der bei den Vorarbeiten für die Tiefgarage entstanden ist, haben Unbekannte ein kleines Stillleben mit Fernseher installiert. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Ganz oben auf dem drei Meter hohen Erdhaufen an der Einhäuschen Querstraße steht ein kleiner Fernseher. Gegenüber ein einfacher Stuhl, ohne Sitzfläche, aber mit Armlehnen. Über der Rückenlehne hängt eine schwarze Jacke. An einer Stehlampe schlägt ein Kleiderbügel aus Plastik im Wind leise klappernd gegen das Metall. Im Hintergrund erheben sich majestätisch die Türme der Marienkirche.

„Das sieht ja wenigstens mal kreativ aus. Oft liegt da Sperrmüll rum.“ Ariane König, Anliegerin

Annette Bartels-Fließ, Projektleiterin für das Gründungsviertel, entdeckte das merkwürdige Ensemble bei ihrem morgendlichen Rundgang. Sie ist fasziniert von den riesigen Mengen Erde, die bewegt werden, von den mächtigen Pfählen, die dort in die Erde gebohrt werden, wo bald eine Tiefgarage entstehen soll, von den Archäologen, die auf zwei Grundstücken am östlichen Rand des Areals die alten Fundamente erforschen. „Es passiert ja viel auf der Baustelle“, sagt sie.

Gerade ist ein neuer Bohrer mit einem Tieflader angeliefert worden. Das kleine Freiluft-Wohnzimmer ist erst einmal geblieben. Es wirkt, als habe jemand es sich vor langer, langer Zeit auf der Baustelle im Gründungsviertel gemütlich gemacht und den Ort dann aus Gründen verlassen, die sich im Dunkel der Geschichte verlieren. Tatsächlich ist die Installation – wenn man sie so nennen will – wohl in der Nacht von Montag auf Dienstag entstanden. Wer sie aufgebaut hat, weiß niemand. Sie habe in der Nähe ein Uni-Flugblatt gefunden, sagt Bartels-Fließ – was sie vermuten lässt, es könnten Studenten gewesen sein.

„Ist ja’n Kontrast zu dem, was hier gebaut werden soll“, sagt ein Anwohner, der mit einer kleinen Digitalkamera an der Einhäuschen Querstraße steht und Fotos macht. „Vielleicht ’ne Parodie oder sowas.“ Ariane König, Mitarbeiterin der gegenüberliegenden Rock- Pop-Schule, kann dem kleinen Aufbau durchaus etwas abgewinnen: „Das sieht ja wenigstens mal kreativ aus“, sagt sie. „Oft liegt da Sperrmüll rum.“

Das bestätigt Annette Bartels- Fließ. Schon mehrmals hätten Anwohner darüber geklagt, dass Unbekannte ihren Müll an der Baustelle ablegten. „Schränke, Balkonverkleidungen, Elektrogeräte“, sagt sie, „da schmeißen die Leute alles hin. Die Nachbarn beschweren sich schon, dass die Ratten da rumlaufen.“

Inzwischen sieht die Wohnzimmereinrichtung auf dem Haufen schon etwas gerupft aus. Der Mantel, der zuerst an dem Kleiderbügel hing, ist verschwunden, Jacken, Hemden und Kinderbücher liegen verstreut auf dem Erdhaufen. Der alte Macintosh-Rechner, der zur Installation gehörte, ist aufgebrochen.

Eine Reisegruppe von älteren Männern und Frauen bleibt an der Baustelleneinfahrt stehen. Der Stadtführer erzählt ihnen von archäologischen Funden in mittelalterlichen Kloaken, vom Handel der Hanse mit Teheran, von der Grundstücksparzellierung im Gründungsviertel, von den quaderförmigen Bauten des Studentenwohnheims, die offenbar nicht seinem Geschmack entsprechen. Dann treibt er sie weiter in Richtung Mengstraße. Keiner beachtet das kleine Wohnzimmer auf dem Erdhaufen.

Auf der Baustelle ist gerade wenig Betrieb. Nur Thomas Kolp (37) hebt mit einem Bagger Sand aus für die Anker, mit denen die Betonpfähle im Erdreich befestigt werden sollen. Auch er hat natürlich die Installation bemerkt. „Da ist nachts einer auf die Baustelle und hat seinen Sperrmüll abgeladen“, sagt er. Ob derjenige sich etwas dabei gedacht hat, scheint Kolp nicht sehr zu interessieren. „Wenn einer so viel Zeit hat, sowas zu machen. . .“, sagt er. „Mich geht es nichts an.“ Er fährt zurück in die Baugrube und lässt die Baggerschaufel hinunter.

Mehrfamilienhäuser

An der Einhäuschen Querstraße entstehen Mehrfamilienhäuser mit Miet- und Eigentumswohnungen. Dazu gehören eine zweigeschossige Tiefgarage und ein Blockheizkraftwerk. Die gegenüberliegenden Häuser aus den 50er- Jahren bleiben erhalten. Der historische Straßenverlauf wird nicht wiederhergestellt.

Zurzeit laufen die Vorarbeiten. Der eigentliche Baubeginn für diesen Abschnitt ist für Herbst 2017 vorgesehen. Schon im Frühjahr 2017 soll es an der Braunstraße und der Alfstraße losgehen.

 Hanno Kabel

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