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Lübeck Jetzt kommt das WLan in Flüchtlingsunterkünften
Lokales Lübeck Jetzt kommt das WLan in Flüchtlingsunterkünften
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20:43 07.02.2018
Lübeck

„Wir haben festgestellt, dass wir damit überfordert sind.“ Sozialsenator Sven Schindler (SPD) brachte es auf den Punkt. Beim Versuch des Bereichs Soziale Sicherung, Lübecker Flüchtlingsunterkünfte mit WLan auszustatten, wurden einige Schleifen gedreht. Am Ende bekam der den Auftrag, den die GAL bereits vor einem Jahr vorgeschlagen hatte – der Unternehmer Volker Dettmer.

Volker Dettmer übernimmt die Ausrüstung der Unterkünfte. Quelle: Foto: Burow

Der hat bereits in Bad Schwartau und Stockelsdorf Unterkünfte mit dem drahtlosen Internetzugang versorgt. „Ich habe in den vergangenen zehn Jahren für Freifunk 300 Hotspots in Lübeck aufgebaut“, berichtete Dettmer im Sozialausschuss, „ich würde den Auftrag jetzt gerne umsetzen.“ Der Unternehmer, der seine Firma

„internetfor.me“ im Februar 2017 gründete, beschafft alle nötigen Komponenten und Internetzugänge. Die Hansestadt hat keine Kosten. Zur Refinanzierung kann Dettmer von den Flüchtlingen fünf Euro im Monat kassieren. Neun Einrichtungen gehen ans Netz.

Der Bereich Soziale Sicherung hatte die Leistung ausgeschrieben, dann einen externen Fachmann zu Rate gezogen. „Uns fehlten die technischen Kenntnisse“, erklärte Bereichsleiterin Claudia Schwartz im Ausschuss. Schwartz hatte auch wegen des Vergaberechts Bedenken, einfach Dettmer zu beauftragen. Doch das, was bei der Ausschreibung herauskam, war schlicht nicht attraktiv. Fünf Firmen waren angefragt worden, zwei wollten die Heime für 7000 bis 12000 Euro pro Standort ausrüsten. Für den Betrieb wären weitere Kosten auf die Stadt zugekommen.

Aber auch die Politiker hatten es der Verwaltung nicht leicht gemacht. Die Grünen versuchten bis zuletzt, die fünf Euro im Monat für die Flüchtlinge zu verhindern. Fraktionschefin Michelle Akyurt:

„Die fünf Euro sind überflüssig. Lübeck will an öffentlichen Gebäuden freies WLan anbieten, dem widerspricht eine Kostenbeteiligung für Flüchtlinge.“ Doch Unternehmer Dettmer machte dem Ausschuss klar: „Ich brauche die Refinanzierung, sonst ist das Ganze nicht machbar.“ Die CDU wollte bis zur letzten Sekunde dafür sorgen, dass nicht nur Flüchtlinge, sondern auch arme Lübecker in den Genuss dieses WLans kommen. Sozialpolitikerin Heidi Menorca schlug vor, auch eine Immobilie der Grundstücksgesellschaft „Trave“, in der Menschen mit Wohnberechtigungsschein wohnen, mit dem billigen WLan auszustatten. Beides wurde von der Ausschuss-Mehrheit abgelehnt.

Vor allem Grüne und GAL kritisierten, dass der Vorgang so lange gedauert hat. „Wir hätten längst loslegen können“, sagte Akyurt. „Mir kommt die Verwaltung wie ein Bedenkenträger vor“, erklärte Jens Schulz (GAL), „man sollte tun, was möglich ist – und nicht nach der Weltformel suchen.“ Ingo Schaffenberg (SPD), der die Verwaltung von SPD-Senator Schindler stets in Schutz nimmt: „Mir ist eine Verwaltung, die gründlich abwägt, lieber als eine, die mit heißer Nadel strickt.“ Und, so der SPD-Sozialpolitiker: „Es gibt Dinge, die schneller gehen, aber wir sind in Lübeck.“

Von Kai Dordowsky

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