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Lübeck Jetzt schwimmt die „Greif“ wieder
Lokales Lübeck Jetzt schwimmt die „Greif“ wieder
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11:22 01.04.2016
Angekommen: Petra Dobler-Wahl beobachtet an Land die Rückkehr, Jörg Grundler wartet, bis an Bord alles aufgeklart ist. Quelle: Fotos: Malzahn (2), Roeßler

Was für ein Anblick! Petra Dobler-Wahl zeigt auf ihrem Tablet Bilder aus der vorigen Saison. Fotos von Ostsee-Törns, die sie und ihr Mann Jörg Grundler mit dem 81 Jahre alten Ostseekutter „Greif“ unternahmen. Unter Deck: weiß gestrichenes Holz, ein gemütliches Bett, eine schöne Küche, ein nettes Badezimmer. Alles wirkt frisch, ist mit orangefarbenen Kissen und Decken ausgestattet. Gestern ein ganz anderes Bild: Nichts mehr ist übrig von den Einbauten, die Trennwände sehen leicht angeschimmelt aus, der Schiffsrumpf etwas morsch.

Eigner holen das im Dezember gesunkene und geborgene Schiff wieder in den Museumshafen zurück.

„Es ist ein gutes Gefühl, ein sehr gutes!“Eignerin Petra Dobler-Wahl

beim Einlaufen in den Museumshafen

Bitter für die Segler aus Duisburg! Trotzdem waren sie gut gelaunt, denn die wichtigste Voraussetzung für ein Schiff ist gegeben: Es schwimmt! Was bis gestern Nachmittag nicht so sicher war. Der knapp 15 Meter lange Ostseekutter, der erst Anfang November seinen Liegeplatz im Museumshafen bezogen hatte, war in der Nacht vom 20. auf den 21. Dezember binnen anderthalb Stunden aus zunächst unerfindlichen Gründen gesunken, während die Eigner im Frankreich-Urlaub weilten. Inzwischen ist so gut wie sicher: Der Müll, den Taucher im Museumshafen unter dem Schiffsrumpf entdeckten, hat wohl für eine Schräglage der „Greif“ gesorgt. Dadurch wurde eine zuvor unbemerkte schadhafte Stelle, die eigentlich oberhalb der Wasserlinie lag, unter Wasser gedrückt.

Am 28. Dezember bargen Taucher und ein Kran die 45 Tonnen schwere „Greif“ aus der Trave. Drei Monate lang lag der Kutter nun am Nordlandkai auf dem Trockenen. „Eigentlich darf ein Holzschiff nur zwei bis drei Tage auf dem Trockenen liegen, sonst zieht sich das Holz zusammen“, sagt Petra Dobler-Wahl. Aber der relativ milde, feuchte Winter hat noch einmal das Schlimmste verhindert.

Inzwischen hat Jörg Grundler die undichte Stelle repariert. Am Mittwoch nun wurde die „Greif“ zu Wasser gelassen. Jan Domin mit seinem 78 Jahre alten einstigen Zollkreuzer „Haithabu“ sollte um 17 Uhr vom Museumshafen starten, um die „Greif“ am Nordlandkai abzuholen und sie „nach Hause“ zu bringen. Zurück in den Museumshafen, wo das Eigner-Paar „sehr nette Aufnahme und ganz viel Hilfsbereitschaft“

fand. Doch während Petra Dobler-Wahl im Museumshafen letzte Vorbereitungen trifft und Jörg Grundler am Nordlandkai die „Greif“ startklar macht, gibt es Probleme: Ein Gutachter, erzählen die Schiffseigner, habe den Kutter für schwimmfähig erklärt, während der Hafenkapitän anderer Meinung ist. Erst um kurz vor 17 Uhr die erlösende Nachricht: Die Aktion kann starten.

Jan Domin wirft seinen alten Zollkreuzer an, um 17.30 Uhr soll sich die Drehbrücke öffnen. Doch dann passiert erst einmal wenig: Die Schranken gehen nicht runter, so dass sich die Brücke nicht öffnet. Nach mehreren vergeblichen Versuchen werden die Schranken schließlich von Hand heruntergekurbelt, die „Haithabu“ passiert die Brücke und legt nur wenige Minuten später am Nordlandkai an;

diverse Manöver bei starker Strömung, um die „Greif“ an der Steuerbordseite zu vertäuen, dann tuckert das „Päckchen“ los.

Es ist 19 Uhr, als die Schiffe am Peter-Rehder-Haus anlegen. Während Petra Dobler-Wahl ganz euphorisch ist, dass die „Greif“ wieder schwimmt und den Hafen erreicht hat, treibt ihren Mann vor allem eines um: „Ich muss einen Stromanschluss haben!“ Denn ohne Strom laufen die Lenzpumpen des Ostseekutters nicht — und das könnte böse Folgen haben.

Wie es weitergeht, wissen die beiden nicht. Denn: Sie dürfen nur drei Tage im Museumshafen bleiben, das habe ihnen der Hafenkapitän zur Auflage gemacht. Zudem steht noch ein Kampf mit der Versicherung bevor. Bislang haben sie allein für das Raus- und Reinheben ihrer „Greif“ schon mehr als 6000 Euro gezahlt. Aber eines ist sicher: Sie wollen so bald wie möglich ihr geliebtes Schiff wieder aufmöbeln.

Von Sabine Risch

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