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Lübeck Jubiläumstour des Sonnenzugs
Lokales Lübeck Jubiläumstour des Sonnenzugs
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20:37 28.08.2017
Zur Jubiläumstour laden Ex-Senator Volker Kaske (v. l.), Iwona Kicala vom Bereich Soziale Sicherung, Sozialsenator Sven Schindler, Dorothee Martini von den Freien Wohlfahrtsverbänden und Matthias Wulf vom Bereich Soziale Sicherung. Quelle: Fotos: Kai Dordowsky/ln–archiv
Lübeck

420 Menschen mit Handicap haben sich zu den diesjährigen Sonnentagen angemeldet. Am 2. und 9. September geht die ganztätige Fahrt in den Tierpark Neumünster. Das Besondere: Der Sonnentag, der jahrelang Sonnenzug hieß, startet zum 40. Mal. Zur Jubiläumstour tritt auch der Initiator des Ganzen auf: Volker Kaske (CDU), der 22 Jahre lang Sozialsenator in der Hansestadt war.

Zum 40. Ausflug lädt die Stadt an zwei Tagen im September. 420 Menschen mit Handicap fahren mit.

„76 Bürger mit Gehwagen und 21 Rollstuhlfahrer sind angemeldet“, berichtet der jetzige Sozialsenator Sven Schindler (SPD) von einem „unglaublichen logistischen Aufwand“. 24 Busfahrer und 16 DRK-Sanitäter begleiten die 420 Teilnehmer, die von zu Hause oder aus ihren Einrichtungen abgeholt und auch wieder dorthin zurückgebracht werden. „Menschen, die in der dritten Etage einer Altbauwohnung ohne Fahrstuhl leben und auf einen Rollstuhl angewiesen sind, können ihre Wohnung selten verlassen“, weiß der frühere Sozialsenator Kaske. 1977, gerade drei Jahre im Amt, erfuhr er von einer solchen Veranstaltung in Wien. Kaske fuhr hin und schaute sich die Sache an. Zurück an der Trave überlegte er, wie ein Sonnenzug für Lübeck auf die Beine gestellt werden könnte. Da klingelte sein Telefon. Der damalige Verleger der LN, Charles Coleman, suchte nach einer Verwendung für den Reinerlös einer Wohltätigkeitsveranstaltung, die immerhin 24 000 Mark eingebracht hatte. Kaske wusste sofort, was er damit anfangen wollte – und der Sonnenzug war auf das Gleis gesetzt.

1978 ging es los, mit einer Fahrt nach Malente. Es folgten Touren in den Hansa-Park, nach Eckernförde und bis nach Rostock. Kaske: „Wir haben uns auf der Schiene, auf der Straße, auf dem Wasser und sogar in der Luft fortbewegt.“ Schiffstouren führten in die Ostsee und einmal standen sogar Rundflüge vom Flughafen Blankensee auf dem Programm. Weil die Fahrt mit der Bahn irgendwann zu teuer wurde, stiegen die Behinderten in Busse um. Seitdem heißt der Sonnenzug Sonnentag.

Matthias Wulf und Iwona Kicala vom Bereich Soziale Sicherung der Stadt organisieren das Vergnügen. Was gar nicht so einfach ist. „Wir brauchen Veranstaltungsorte, die barrierefrei sind.“ Die Busse müssen über einen niedrigen Einstieg verfügen, die Lokale, in denen die Teilnehmer speisen, über Sanitärräume und Flure, die behindertengerecht sind. Die Teilnehmer, die sich oft schon am Jahresanfang bei der Verwaltung melden, weil sie wieder mitfahren wollen, zahlen für Fahrt, Eintritt und Essen pro Person zehn Euro. Den Rest trägt die Stadt – nach Angaben von Sozialsenator Schindler kalkuliert die Verwaltung mit knapp 18000 Euro.

Zwei Mal schon stand der Sonnentag auf der Kippe. 2003 wäre die Aktion beinahe einer Haushaltssperre zum Opfer gefallen. Und 2012 stand der Tag auf einer Rotstift-Liste des Bürgermeisters. Schindler:

„Da wurde er ganz schnell wieder herausgestrichen, wir mussten nicht lange darum kämpfen.“ Die Teilnehmer würden es sehr genießen, „einmal umsorgt zu werden und im Mittelpunkt zu stehen“, weiß

Dorothee Martini, Sprecherin der Freien Wohlfahrtsverbände. Dafür würden die Ehrenamtlichen gerne ihre Wochenenden opfern.

Zehntausende Teilnehmer

20000 Menschen mit Behinderung haben in den 40 Jahren an der Veranstaltung teilgenommen. Mitfahren kann, wer mindestens zu 50 Prozent behindert ist, in Lübeck wohnt und erwachsen ist. Der jüngste Teilnehmer der bevorstehenden Ausfahrt in den Tierpark Neumünster ist 22 Jahre alt, der älteste ist Hundert.

78 Prozent der Teilnehmer leben in eigenen Wohnungen, der Rest kommt aus Alten- und Pflegeheimen sowie Einrichtungen der Vorwerker Diakonie und der Marli-Werkstätten.

Kai Dordowsky

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