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Lübeck Junge Frau kämpft für ihren Vater
Lokales Lübeck Junge Frau kämpft für ihren Vater
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09:08 21.11.2016
Firdes Özkan und Peter Reinhardt (SPD) wollen es gemeinsam schaffen, Hasan Özkan wieder nach Lübeck zu holen. FOTOS: WOLFGANG MAXWITAT

Es ist ein Anruf, der das Leben von Firdes Özkan und ihrer Familie von einem Moment auf den anderen auf den Kopf stellt. Ihr Onkel ist krank, es geht ihm nicht gut. Ihr Vater Hasan Özkan reist in die Türkei, um seinem Bruder beizustehen. Die vier Kinder und die Mutter bleiben in Deutschland. Als der 71-Jährige nach einem Monat zurückkehren will, verweigern die Beamten ihm die Ausreise aus der Türkei. Der Grund: Seine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland ist abgelaufen, er hat vergessen, sie zu verlängern. Dabei lebt er seit über 40 Jahren in Deutschland.

 

Innensenator Ludger Hinsen wartet zunächst das Klageverfahren ab.

„„Wir haben die Möglichkeit gegeben, mitzuwirken.“ Ludger Hinsen (CDU)

„Das gleiche Problem hatten wir vor ein paar Jahren schon einmal, aber da konnte ich es schnell lösen“, erzählt Firdes Özkan, „aber jetzt war es wegen geänderter Gesetze angeblich nicht möglich.“

Seit über einem Jahr kämpft die 28-Jährige dafür, dass ihr Vater zurück nach Deutschland kommen darf, jetzt bekommt sie Hilfe vom stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Peter Reinhardt. „Es kann doch nicht sein, dass man eine Familie trennt“, sagt er. „Das ist doch unmenschlich.“

1973 kam die Familie nach Deutschland, der Vater war einige Zeit als Maurer tätig. „Lübeck ist meine Heimat, meine Mutter und ich werden ganz bestimmt nicht in die Türkei zurückgehen“, sagt Firdes Özkan. Denn genau das, so befürchtet die junge Frau, wollen die Lübecker Behörden. Peter Reinhardt will die Familie wieder zusammenbringen. Deshalb hat er die Sache an Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) und Innensenator Ludger Hinsen (CDU) herangetragen. „Aber da kam bis heute keine richtige Antwort, nur eine läppische SMS von Herrn Hinsen“, klagt Reinhardt.

Mittlerweile hat Hasan Özkan eine Klage gegen den ablehnenden Bescheid, die Genehmigung nachträglich zu verlängern, vor dem Verwaltungsgericht Schleswig angestrebt.

„Aufgrund des Verfahrens und des Sozialgeheimnisses können wir uns derzeit nicht zu dem Vorfall äußern“, sagt Hinsen. Nur so viel sagt er: „Wir haben der Familie die Möglichkeit gegeben, die Sache durch finanzielle Mitwirkung selbst in die Hand zu nehmen.“ Hinsen spielt damit auf ein Gespräch zwischen Firdes Özkan und dem Amt für Angelegenheiten für Ausländer an. „In dem wurde mir gesagt, ich müsse für meine Eltern aufkommen, und dann könnte mein Vater zurückkommen“, erzählt Özkan. Laut LN-Informationen geht es dabei um einen Betrag von rund 800 Euro, den die 28-Jährige monatlich verdienen soll. Derzeit bezieht sie, ebenso wie ihre Mutter, Sozialleistungen. „Aber ich kann gar nicht arbeiten, ich kümmere mich um meine chronisch kranke Mutter und zwei meiner Geschwister“, klagt die 28-Jährige. Strittig ist zudem, ob auch Vater Hasan Sozialleistungen erhält. „Das tut er nicht, er bekommt eine Rente, und das war’s“, betont Özkan. Doch die Rente soll nur einen kleinen Teil betragen, der Rest soll laut LN-Informationen mit Sozialleistungen aufgestockt. „Wäre mein Vater hier, dann wäre ich entlastet und könnte auch arbeiten“, sagt die Lübeckerin, „ich werde nicht aufgeben und alles tun, um ihn zurückzuholen.“ Ihr Vater sei sehr labil aufgrund der langen Trennung. Er lebt bei seinem Bruder, hat dort kein eigenes Zimmer und wartet täglich auf gute Neuigkeiten. „Mittlerweile hat er Depressionen, auch meiner Mutter geht es immer schlechter.“ Kontakt gibt es nur übers Telefon oder per E-Mail. „Am Anfang habe ich mich häufig mit ihm gezankt, weil er vergessen hat, die Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern. Aber das bringt ja auch nichts.“ Auch Reinhardt weiß, dass Hasan Özkan eine Teilschuld an der Situation trägt. Aber: „Man muss doch das Menschliche auch einbeziehen.“

Als nächstes wollen die beiden die Angelegenheit an den Landtag in Kiel geben. „Vielleicht kann dort jemand helfen“, sagt Reinhardt. „Wir werden auf jeden Fall keine Ruhe geben.“

 Maike Wegner

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