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Lübeck Junge Kräfte im Einsatz für alte Fenster
Lokales Lübeck Junge Kräfte im Einsatz für alte Fenster
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20:36 02.11.2016
Konzentriert bei der Arbeit: Thorben Muxfeldt aus Kiel versucht, Silikon aus den Fensterrahmen zu lösen. Der 19-Jährige würde später gern Metall-Gestalter werden, zur Not auch Tischler oder Zimmerer. Quelle: Fotos: Neelsen

Ungewohntes Bild im und am Behnhaus: Der Seitenflügel ist eingerüstet, draußen in der kühlen Herbstluft schrauben, schleifen und pinseln junge Männer und Frauen an Fensterrahmen. Die Außenflügel der Fenster wurden gleich Anfang der Woche ausgebaut und samt dem historischen Glas zur Hanseschiff-Werft auf der Wallhalbinsel gebracht. „Die Außenfenster waren dringend sanierungsbedürftig“, sagt Museumsleiter Alexander Bastek. Kein Wunder, sind die Holzfensterrahmen doch vermutlich im Zuge der Umbauten um 1800 eingebaut und zuletzt Mitte der 80er-Jahre zuletzt gestrichen worden.

23 Mitarbeiter der Jugendbauhütte sanieren Behnhaus – Rotarier spendieren die Materialien.

Da passte es gut, dass die Jugendbauhütte im Rahmen eines Seminars mit 23 jungen Menschen Hilfe anbot und dass der Rotary Club Lübeck das Material spendierte. In enger Absprache mit Florian Scharfe von der Denkmalpflege sollen die historischen Fenster nun saniert werden. Unter Anleitung von Zimmerer Eric Janssen und Holzrestaurator Alexander Kuhn arbeitet die Hälfte der Jugendlichen nun auf der Hanseschiff-Werft, die andere am Behnhaus. „Die Fensteraufarbeitung ist ein Klassiker in der Denkmalpflege, aber sie ist natürlich nicht so spannend wie andere Arbeiten“, sagt Ivalu Vesely, Leiterin der Jugendbauhütte Lübeck.

Thorben Muxfeldt (19) steht draußen auf dem Gerüst und versucht mit allerlei Werkzeugen, Winkel aus den Fensterrahmen zu entfernen. Die Außenflügel waren mit Silikon abgedichtet worden, jetzt muss, bevor die einzelnen Lackschichten runterkommen, das Silikon mühsam entfernt werden. Thorben arbeitet eigentlich im Freilichtmuseum Molfsee bei Kiel, für das Seminar ist er nach Lübeck gekommen. Auch wenn die Arbeit gerade nicht so prickelnd ist: „Es macht Spaß, man lernt eine Menge.“ An einer anderen Ecke des Gerüstes schmirgelt Leoni Vandrey (18) aus Dissau in der Gemeinde Stockelsdorf Fensterrahmen ab. Zuvor war sie an St. Petri tätig – davon wird sie den anderen Seminarteilnehmern demnächst beim Seminartreffen ausführlich berichten, „denn das gehört auch dazu, dass verschiedene Teilnehmer ihre verschiedenen Denkmal-Projekte vorstellen“, erklärt Vesely.

Während draußen an der frischen Luft eifrig gearbeitet wird, achtet Alexander Bastek peinlich genau darauf, dass die inneren Fenster stets geschlossen sind – schließlich müssen Temperatur und Luftfeuchtigkeit in dem einstigen Wohntrakt des Behnhauses konstant bleiben.

In den nächsten beiden Wochen bearbeiten die Seminarteilnehmer laut Bastek sechs Fenster im ersten Obergeschoss mit 24 Flügeln – das ist nur ein Bruchteil der 400 Flügel, die am Behnhaus saniert werden müssten. Wenn die alte Farbe von den Fenstern des Wohntraktes runter ist, werden die Flügel mit traditionellen Leinölfarben behandelt. Und das gleich mehrfach.

„An allen Ecken und Enden ist hier was zu tun“, sagt der Museumsleiter. Auch Dagmar Täube, die sich die Arbeiten auf dem Gerüst anschaut, würde gern die Hilfe der Jugendbauhütte in Anspruch nehmen:

„Am St.-Annen-Museum müssten auch alle Fenster saniert werden“, sagt die neue Leiterin von St. Annen, Holstentor und Katharinenkirche. Doch bis die unentgeltlich arbeitenden Jugendbauhüttler dort anrücken, gibt es noch viel anderes zu erledigen.

Die Organisation

13 Jugendbauhütten gibt es bundesweit. Sie sind ein Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und bieten jungen Menschen zwischen 16 und 26 Jahren die Möglichkeit, ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Einsatz im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes zu absolvieren.

„Mit Kelle und Knoten an Backstein und Booten“ lautet das Motto der Jugendbauhütte Lübeck. Information und Bewerbung unter Telefon 0451/20940050 oder unter fsj.denkmal.hl@ijgd.de.

Sabine Risch

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